Minarett Zentralmoschee Köln

Wie viele Male war ich bere­its an der Zen­tral­moschee in Köln Ehren­feld auf der Inneren oder aus Rich­tung Ven­lo­er Str. vor­beige­fahren oder – gelaufen? Umso mehr war durch den Wan­del im Äußeren auch meine Neugi­er gestiegen, diesen, mir zunächst rel­a­tiv unbekan­nten Reli­gions- und Kul­turkreis, ken­nen­zuler­nen, von eini­gen Moscheebe­suchen im Aus­land ein­mal abge­se­hen, und dabei endlich auch das Innere der Köl­ner Moschee an meinem Heima­tort betra­cht­en und ergrün­den zu kön­nen.

Ort der Begegnung

So viele Male hat­te ich die Zeit im Rück­stau vor den Ampeln genutzt, um einen neugieri­gen Blick auf die Bautätigkeit­en und ihr Vorankom­men an der Moschee zu wer­fen. Mal war sie ver­steckt und ver­schalt hin­ter Gerüsten, ein ander­mal war der Blick auf die organ­is­che, mehrbögige Bau­form wieder frei. Inter­es­sant war auch der Jahreswech­sel, z.B. weil die Bau-Ober­fläche sich je nach Son­nen­stand (gelb-grau-bräun­lich) far­blich verän­derte, und der Win­ter gar eine leichte Schnee­haube auf das Gebäude zauberte. Mit dem Phänomen, dass man, aus Deutsch­land stam­mend, eher schmuck­volle Moscheen, sagen wir Istan­buls, ken­nt, nicht aber diejeni­gen im Nah­bere­ich, bin ich nicht alleine. Der Grund dazu mag sein, dass viele Moscheen in Deutsch­land als soge­nan­nte „Hin­ter­hof­moscheen“ dem öffentlichen Blick zunächst ent­zo­gen sind, weil sich die mus­lim­is­chen Gemein­den, oft aus Platz­man­gel, in einzig ver­füg­bare Gebäude, wie umgenutze Lager­hallen, ehe­ma­lige Auto­häuser oder Indus­triebrachen für ihre religiös-spir­ituellen Zwecke zurückziehen mussten. So ist es kaum ver­wun­der­lich, dass auch die mus­lim­is­che „Ehren­felder Gemeinde“ schon seit 1984 am sel­ben Ort wie heute existiert, nur nicht so äußer­lich sicht­bar für die All­ge­mein­bevölkerung, wie nun mit dem imposan­ten Bauw­erk der Zen­tral­moschee.

Bish­er hat­te ich von der Moschee auch aus der Presse erfahren. Bürg­er disku­tierten dort bere­its im Vorhinein den Entwurf der Köl­ner Architek­ten Got­tfried und Paul Böhm (als Teil der bekan­nten Architek­ten­fam­i­lie, die bere­its zahlre­iche christlich-sakrale Baut­en in Köln und anderen deutschen Städten gestal­tet hat­te), die Höhe des geplanten Minaretts (dabei ins­beson­dere im altherge­bracht­en Ver­gle­ich zur Höhe der Domtürme), mögliche Baukosten oder ggf. die Beläs­ti­gung durch Baulärm, die Sorge um etwaige Park­platzkonkur­renz auf der Ven­lo­er Str. durch den erweit­erten Zus­trom an Moscheebe­such­ern u.v.m.. Im Ganzen schien man dem Baupro­jekt ein wenig sor­gen­voll ent­ge­gen­zublick­en. So ist das vielle­icht bei einem The­ma, was den meis­ten Köl­nern zunächst unbekan­nt und fremd scheint.

Demge­genüber kann man eines zum heuti­gen Zeit­punkt fest­stellen: die DITIB (Türkisch-Islamis­che Union der Anstalt für Reli­gion) als Dachver­band und Inhab­er der Köl­ner Zen­tral­moschee strahlt fre­undliche Offen­heit und ein­laden­den Charak­ter aus. Sie ist bemüht, um die Begeg­nung und den Kon­takt der eigentlichen Moschee-Gemeinde zum Köl­ner Pub­likum in der Nach­barschaft. So wur­den in der Ver­gan­gen­heit mit dem „Tag der offe­nen Moschee“, der „Essen­sein­ladung der Nach­barschaft zum religiösen Opfer­fest“ etc. bere­its bewusst mehrere Begeg­nungs-Anlässe geschaf­fen.

Führung durch die DITIB-Zentralmoschee in Köln Ehrenfeld

Eine weit­ere Gele­gen­heit dieser Art bot sich mir jet­zt: Die gemein­nützige Stu­den­tenini­tia­tive Weit­blick Köln e.V. hat­te zu Infor­ma­tion­szweck­en und zum kul­turellen Aus­tausch eine zweistündi­ge Führung durch Frau Ayse Aydin (Ref­er­entin für Presse und Öffentlichkeit­sar­beit der DITIB) organ­isiert. Wie groß das Inter­esse der Köl­ner an und zu Hin­ter­grün­den „ihrer“ Moschee ist, kon­nte man als­bald erfahren. Es melde­ten sich über 1.000 (!) Inter­essierte für die, aus organ­isatorischen Grün­den auf nur 45 Teil­nehmer begren­zten, ver­füg­baren Plätze, zur Ver­anstal­tung an. Kurz­er­hand wurde noch eine Zusatzführung ins Leben gerufen, weit­ere sind kün­ftig möglich.

Aus­gangspunkt der Moschee-Führung war der Parkhau­sein­gang, Ecke Fuchsstraße, an der west­lichen Gebäudekom­plex­seite. Zum „haut­na­hen“ Kon­takt mit der Moschee berührte ich die Gebäude­mauern, um die porös-raue Außen­struk­tur des Sicht- und Ort­be­tons zu erfühlen, die in Holzver­schalun­gen zuvor gestockt/veredelt wor­den waren, und ein Fugen­raster erhiel­ten, um optisch den Ein­druck von Natur­sand­stein zu erzeu­gen.

Dann ging es über ein helles Trep­pen­haus in den ersten Stock des Gebäudes, wo in Kürze, nach Fer­tig­stel­lung, ein Infor­ma­tion­stre­sen in Betrieb genom­men wird, welch­es jeden Ank­om­menden empfängt, und wo man ihm bei Ser­vice­fra­gen behil­flich sein kann. Im Hin­ter­grund schließt sich ein großzügiger Saal an, dessen Räum­lichkeit ca. 100–150 Per­so­n­en Platz bieten kann, und er daher ide­al für Ver­anstal­tun­gen oder als Kon­feren­zsaal genutzt und angemietet wer­den kann.

Nun trat­en wir durch eine Glastüre wieder ins Freie. Wir standen auf einem zen­tralen, erhöht gele­ge­nen Platz, der von der zen­tralen Gebet­skup­pel mit Minarett in östlich­er Rich­tung, sowie weit­eren Funk­tions­baut­en umschlossen wird, in südlich­er Rich­tung wiederum in ein­er großen Fre­itreppe mün­det, die direk­ten Anschluss an die Ven­lo­er Str. und somit den öffentlichen Raum hat. Die Öff­nung nach außen soll jed­er­mann dazu ein­laden, sich vom Straßen­raum der Moschee zu näh­ern und ihre Gebäude­ab­schnitte zu betreten und zu nutzen. Den erhöht gele­ge­nen Außen­platz ziert zudem eine Brun­nenan­lage, deren Wass­er kün­ftig in einen darunter liegen­den „Gestaltungs“-Raum fließen wird, und in Zusam­men­hang mit dem ein­fal­l­en­den Licht, kun­stvolle Lichtre­flex­io­nen als Ein­druck zaubert, was lebendig und spir­ituell zugle­ich wirkt.

Bau mit vielen Trakten

Auf dem Platz vor den Moschee-Gebäude­trak­ten wurde eine Anzeigentafel instal­liert, auf der die Gesamt­bevölkerung über wichtige Ver­anstal­tung­ster­mine oder Feste informiert wer­den könne.

Während Frau Aydin wichtige Bau-Fak­ten nen­nt, wan­dert mein Blick über die Außen­fas­sade und bleibt am hal­brund-geöffneten Turm des Minaretts hän­gen, wobei es sich eben um ein stummes Minarett han­dle, wie Ayse Aydin ergänzt. Es existiert hier draußen dem­nach gar kein Platz für einen Muezin, der über Ehren­feld laut­stark zum Gebet rufen kön­nte, wie es im Vor­feld die Sorge manch­er Ehren­felder Bewohn­er in der Nach­barschaft war. Diese Sorge, was die Laut­stärke bet­rifft, sei unbe­grün­det, ergänzt Ayse Aydin, der Ruf zu Gebet­szeit­en sei, wie geplant, lediglich inner­halb des Gebäudes zu vernehmen.

Als sie auf die ver­gle­ich­sweise geringe Höhe des Minaretts mit 55 Metern ver­weist, kann sie zugle­ich ein weit­eres „Bauch­schmerzen-The­ma“ der Köl­ner entkräften, wobei die im Sich­traum, ein paar Straßen ent­fer­nt liegende, katholis­che Kirche in der Nach­barschaft eben bere­its eine Turmhöhe von 61 Metern aufweise. Vom Kon­trast zur Höhe des Domes, mit 157,38 Metern, als zwei­thöch­stes Kirchenge­bäude Europas, den die Köl­ner stets als Ver­gle­ich­spunkt her­anziehen, ganz zu schweigen.

Frau Aydin klärt uns über die Funk­tio­nen der weit­eren, von diesem Stan­dort sicht­baren, Gebäude­teile der Zen­tral­moschee auf. Im Inneren wird es eine von jed­er­mann zu betre­tende und zu nutzende Bib­lio­thek, z.B. mit einem großen Sor­ti­ment islamisch-religiös­er (z.T. auch ins Deutsche über­set­zte) Schriften geben, eine Akademie, und eine große Laden­zeile als Ort der Begeg­nung und Kom­mu­nika­tion, in Ergänzung (nicht Konkur­renz) zum Ange­bot der Ven­lo­er Straße. Auch spezielle Ser­viceleis­tun­gen der DITIB sind in den Räum­lichkeit­en unterge­bracht, so z.B. die Organ­i­sa­tion und Betreu­ung bei islamis­chen Bestat­tungsritualen, wie z.B. die möglicher­weise gewün­schte Rück­führung des Leich­nams an den Heima­tort der Ver­stor­be­nen.

Einblick in den Gebetsraum

Schließlich fol­gten wir durch eine weit­ere Glastür dem Weg zurück ins Innere der Moschee, in den bis zum Abschluss der Bautätigkeit­en genutzten (Übergangs-)Gebetraum, was für uns Außen­ste­hende sicher­lich einen der span­nend­sten Fragekom­plexe inner­halb der Führung aus­machte. Schnell schlüpfte ich, wie auch die anderen Teil­nehmer, aus meinen Schuhen, stellte sie in dafür vorge­se­hene Regale, und betrat den angenehm weichen Gebet­step­pich, der noch aus Zeit­en des früheren Gebet­sraumes stammte, und orna­men­tal so gestal­tet ist, dass der Gesamt­tep­pich optisch in mehrere Rei­hen von Einzel-Gebet­splätzen gegliedert ist, immer jedoch von ein­er gestal­teten Basis­lin­ie aus­ge­hend, mit „pfeilar­tiger“ Spitze Rich­tung Mek­ka ver­weisend, was, nach mein­er Ein­schätzung, dem­nach grob Rich­tung Inner­er Kanal­straße liegen dürfte. Recht erstaunlich kam mir die Tat­sache vor, dass sich die zum Zeit­punkt unser­er Moscheeführung still betenden Män­ner im Gebetssaal keines­falls von uns gestört sahen, auch nicht von der Tat­sache, dass sich in unser­er Gruppe viele nicht-mus­lim­is­che Frauen, auch ohne Kopf­tuch, mit­ten unter ihnen befan­den, während sich der eigentliche Frauen-Gebet­sraum z.B. auf ein­er Galerie am hin­teren Rau­mende befind­et. Umso mehr mussten sie ver­mut­lich schmun­zeln, indem wir rel­a­tiv unbe­holfen ver­sucht­en, den Ablauf der ver­schiede­nen Gebets-Hal­tun­gen durch Nachah­mung nachzu­vol­lziehen, über den uns Frau Aydin im einzel­nen informierte. Für Ayse Aydin war diese Tat­sache gar nicht so ver­wun­der­lich, es gehöre sich nur nicht, sich vor (!) Betende in den Raum zu stellen, erk­lärte sie uns, um dies zu ver­mei­den rücke man als Mus­lime bei Betreten des Raumes ein­fach direkt nach vorne, in Rich­tung des Platzes des Vor­beters, um in mehreren Rei­hen im Schul­ter­schluss gemein­schaftlich den Gebet­sri­tus zu vol­lziehen.

Die Führung endete schließlich im größten Saal des Gebäudekom­plex­es, dem Kup­pel­bau, der an der höch­sten Stelle 30 Meter Höhe umfasst. Nach­dem dieser Teil, der momen­tan von außen noch mit zahlre­ichen Baugerüsten umfasst ist, da noch Arbeit­en zur kom­plet­ten Durchtrock­nung der Beton­wände vorgenom­men wer­den müssen, fer­tig gestellt wird, kann die kün­st­lerische Innen­raumgestal­tung erfol­gen. Zur Pla­nung gehört beispiel­sweise die Far­bgestal­tung ver­schieden­er Fen­ster­fron­ten auf Blick­höhe, da das Spiel von Son­nen- und Schat­ten­wirkun­gen im Tages- und Jahres­gang konzeptuell gewün­scht sei, und eine beson­dere ästhetis­che Wirkung hätte; damit aber spir­ituelle Einkehr und Ruhe gegeben sei, müsse die Trans­parenz nach außen, z.B. wegen des laufend­en Verkehrs der Inneren, etwas reduziert und abgedämpft wer­den, was eben durch die kün­st­lerisch nach­fol­gende Innen­raumgestal­tung auch geschehe.

Auf das Ende der Bautätigkeit­en (begonnen wurde mit der Grund­stein­le­gung am 7. Novem­ber 2009) und in Bezug auf den Zeitraum bis zur kom­plet­ten Fer­tig­stel­lung ange­sprochen, antwortet Frau Aydin, dass dies unge­fähr noch anderthalb Jahre dauern könne, den­noch abschnittsweise geschehe, und die bere­its fer­tig gestell­ten Gebäude­teile längst zur Benutzung freigegeben seien, und fügt mit einem Schmun­zeln hinzu: „wahrschein­lich aber vor (!) der Fer­tig­stel­lung der Köl­ner Oper!“, was eben­falls ein heiß disku­tiert­er Bau-Schw­er­punkt im Köl­ner Stadt­ge­bi­et ist.

Hier­mit find­et eine wirk­lich inter­es­sante Führung inner­halb der Zen­tral­moschee ihren Abschluss. Zurück­denk­end an die über 1000 Ver­anstal­tungs-Inter­essierten zur gezeigten Moscheeführung, kann ich nur ermuti­gen, den Raum und das Gelände der Zen­tral­moschee Köln selb­st für sich zu ent­deck­en. Alle Räume sind frei zugänglich, die Geschäfte und die Fre­itreppe laden kün­ftig ger­adezu ein zur Nutzung, Begeg­nung, und zum Kon­takt zwis­chen Mus­lime und Nicht-Mus­lime. Die „Gedanken-Sperre“ des Nicht-Betretens aus ver­meintlich­er Rück­sicht­nahme o.Ä. existiert im Grunde gar nicht.

AUF EINEN BLICK

Weit­ere Ange­bote, Ver­anstal­tun­gen und Infor­ma­tio­nen, z.B. auch zu kün­ftig geplanten Moscheeführun­gen gibt es auf der DITIB-Web­seite oder der Face­book­seite