Das Café Goldjunge in Sülz

Rhein in die Küche — ist ein Kochbuch, das lokale Gec­shicht­en von Herd­profis ein­fängt. Wir tre­f­fen uns mit den Autorin­nen im Café Gold­junge, um einen Kochmit­tag zu pla­nen. Im Café Gold­jung find­en sich “Kleine Speisen”; Stullen mit selb­st­ge­back­en­em Brot und Kleinigkeit­en wie Tages­sup­pen oder Salate auf der Speisekarte.

Mit einem Anruf fing alles an. Susanne Bran­dau-Herzet hat eine Idee. Schon mehr als 20 Jahre schreibt die Jour­nal­istin und Autorin über Esskul­tur und Gas­tronomie. Dieses Mal wollte sie ein Pro­jekt ins Leben rufen, von dem sie hoffte, ihre Fre­undin und Kol­le­gin Jen­nifer Braun schnell überzeu­gen zu kön­nen: “Ich habe da so eine Idee”, sagt sie zu der Fotografin. “Ich würde gerne ein Kochbuch machen, … “ noch bevor sie den Satz been­den kann, springt Jen­nifer rein: “Ja, ich bin dabei!”

LOKALE GESCHICHTEN VON HERDPROFIS

Das war vor gut einem Jahr, kurz nach Karneval 2017. Ein paar Monate und Restau­rantbe­suche später war es dann soweit: Jen­nifer und Susanne hiel­ten ihr erstes gemein­sames Kochbuch “Rhein in die Küche” in den Hän­den, welch­es im Köl­ner Bachem Ver­lag erschienen ist. Doch es ist viel mehr als ein gewöhn­lich­es Kochbuch, in dem 20 Köl­ner Köche ihre Lieblingsrezepte vorstellen. Es ist ein Buch, das lokale Geschicht­en von Herd­profis ein­fängt und zum Nachkochen ermutigt. Da müssen wir mal rein­schauen!

Eine Buchrezen­sion über ein Kochbuch schwebt uns dabei nicht vor. Viel mehr haben wir die Idee, getreu unserem Mot­to “Köln hyper­lokal ent­deck­en”, Rezepte aus dem Buch nachzukochen. Und zwar nicht alleine, son­dern mit Jen­nifer und Susanne. Wir wollen nicht nur das Buch ken­nen­ler­nen, son­dern auch die bei­den Genus­slieb­haberin­nen. Sehr freuen wir uns, als sie sofort zusagen! Und wo tre­f­fen sich vier Food­ies, die einen Kochmit­tag pla­nen? Natür­lich an einem Ort, wo es etwas zu Essen und guten Kaf­fee gibt: Im Café Gold­junge in Sülz. So schla­gen wir zwei Fliegen mit ein­er Klatsche: Wir ler­nen die Mädels ken­nen, kön­nen einen ersten Blick in das Buch wer­fen und ein neues Kaf­fe­haus aus­pro­bieren.

INS CAFÉ GOLDJUNGE ZU GEHEN, IST WIE EIN ÄLTERES TANTCHEN ZU BESUCHEN

Vor gut einem Jahr eröffneten Ruthi und Micha ihr erstes Café auf der trube­li­gen Zülpich­er­straße. Wer das Café betritt, lässt die Hek­tik draußen und wird von ein­er heimis­chen Gemütlichkeit emp­fan­gen: Ein dun­kler Holz­bo­den, grafis­che Muster in Erdtö­nen an den Wän­den und unter­schiedliche Holzmö­bel machen die Ein­rich­tung aus. Auf jedem Tisch ste­ht ein klein­er Blu­men­strauß mit Wald und Wiesen­blu­men. Ins Café Gold­junge zu gehen, ist wie bei einem älteren Tantchen einzukehren, die ein leb­haftes Herz aus Gold hat und quick­fi­del auf ihren Beinen durchs Leben tanzt.

Für die bei­den Café-Grün­der muss Essen ein­fach, gesund, nahrhaft und leck­er sein. Diese Vorstel­lung brin­gen sie im Café unter und wollen “das bieten, was wir selb­st am meis­ten mögen”. Hierzu gehören vor allem eigene Pro­duk­te, auf der Karte find­en sich “Kleine Speisen”; Stullen mit selb­st­ge­back­en­em Brot, Kleinigkeit­en wie Tages­sup­pen oder Salate und vor allem die “Gold­jungs”: selb­st­ge­back­ene Brötchen mit Dinkel, Oregano und getrock­neten Tomat­en. Für 5,20 Euro bestelle ich mir den Gold­junge “Gold­grün”, das ist mariniertes Gemüse auf Avo­cadocreme, dazu etwas Salat. Das Brötchen ist frisch und knack­ig, das mit Essig gewürzte Gemüse schmeckt sehr gut zu der Tomate im Brötchen. Die Por­tion ist üppig und ihr Geld alle­mal wert.

Selbstgemachte Stullen im Café Goldjunge

Die Seite mit dem Früh­stück­sange­bot liest sich viel­seit­ig und macht Lust, einen Tisch für ein Früh­stück zu reservieren. Was man am Woch­enende übri­gens machen sollte! Es gibt zehn ver­schiedene Früh­stück­skom­bi­na­tio­nen, die mit einem Brotko­rb serviert wer­den, “Marie und André” ist der franzö­sis­che Klas­sik­er mit Crois­sant und selb­st­gemachter Marme­lade (4,90 Euro), “Mad­dale­na und Pao­lo” eher ital­ienisch mit Fenchel Sala­mi, Moz­zarel­la, Par­maschinken und mehr für 11,90 Euro. Der Brotko­rb “Renate und Rolf” macht veg­an­er mit mariniertem Gemüse, Hum­mus und Avo­cadocreme für 8,90 Euro glück­lich.

QUALITÄT UND GUTES HANDWERK SIND DIE HAUPTZUTATEN VOM CAFÈ GOLDJUNGE

Das Team rund um Ruthi und Micha glaubt an Qual­ität und gutes Handw­erk, wozu sie nicht nur das Selb­st­gemachte, son­dern auch aufrichtige Kom­mu­nika­tion mit dem Gast zählen. So ver­sprechen sie Lebens­mit­tel von regionalen Biobauern, die Ver­ar­beitung von Fleis­chwaren, die aus art­gerechter Tier­hal­tung stam­men und die Unter­stützung von Slow Food. “Essen ist für uns poli­tisch”, sagen sie: “Pro­duk­te wie Palmöl wer­den bewusst ver­mieden.” Der Kaf­fee kommt aus Ehren­feld, von der bekan­nten Rösterei Van Dyck.

Während wir vier unseren Kaf­fee trinken und über­legen, welch­es der 44 Rezepte wir nachkochen möcht­en, kommt Micha an unseren Tisch. Jede von uns bekommt einen kleinen, gold­braunen und fluffi­gen Pfannkuchen vor die Nase gestellt. An diesem Mor­gen sei es nicht so voll im Café und er habe Lust gehabt, “etwas zu back­en”, sagt er. Und auch wenn Micha ein­er älteren Dame keineswegs ähn­lich sieht, spürt man hier wieder das gold­ene Herz und den Wun­sch, seinen Gästen etwas Gutes zu tun.

Welche Rezepte wir uns zum Nachkochen aus­ge­sucht haben ver­rat­en wir an dieser Stelle eben­sowenig wie unsere Mei­n­ung zum Buch. Wer uns auf Insta­gram fol­gt, hat es aber vielle­icht schon gese­hen. Und bis dahin tre­f­fen wir noch mal einen von den anderen “Gold­jungs” von Ruthis und Michas Karte. Den fer­ti­gen Beitrag über unseren Kochtag find­et ihr hier.

AUF EINEN BLICK

Rhein in die Küche” - Bachem Ver­lag

Café Gold­junge, Zülpich­er Straße 282, 50937 Köln und
Glad­bach­er Straße 31, 50672 Köln
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