Mensch im Bett auf Leinwand - auch in Corona Zeiten gesund bleiben

Vor dem Fen­ster zwitsch­ern Vögel und Kirschbäume blühen, doch statt den ersten Gril­l­abend zu pla­nen, lautet das Mot­to diesen Früh­ling #stay­home. Coro­na hat unseren All­t­ag inner­halb kürzester Zeit auf den Kopf gestellt. Kein Wun­der, dass Sor­gen und depres­sive Ver­stim­mungen während der Pan­demie zunehmen. Umso wichtiger ist es jet­zt, seine Gefüh­le wahrzunehmen, gut auf sich zu acht­en und für sich zu sor­gen.

Wie wir mit eige­nen Äng­sten, Beschränkun­gen und Verän­derun­gen und Social Dis­tanc­ing gut umge­hen und unsere psy­chis­che Gesund­heit stärken.

1. CORONA TIPP: BEWUSST NACHRICHTEN KONSUMIEREN

Die Sit­u­a­tion ist für uns alle neu und stellt unsere Leben auf den Kopf. Wir sor­gen uns um unsere Fam­i­lien und um die Zukun­ft. Coro­na ist in unseren Gesprächen und in allen Medi­en omnipräsent. Aufmerk­sames Ver­fol­gen der Nachricht­en-Updates gibt uns im Moment das Gefühl, einen Überblick zu behal­ten und ein Stück Kon­trolle zurück­zugewin­nen. Aber Achtung: Das Gegen­teil kann der Fall sein. Exzes­sives Scrollen und über­mäßiges Beschäfti­gen mit Hor­ror­nachricht­en ver­set­zt uns in einen dauer­haften Stresszu­s­tand und kann zu neg­a­tivem Gedankenkreisen führen. Auch Äng­ste und Schlaf­störun­gen kön­nen dann zunehmen. Klar, aktuelle Entwick­lun­gen und Schutz­maß­nah­men im Blick zu haben ist wichtig, auch um sich und andere zu schützen. Dafür reicht es allerd­ings, sich ein bis zweimal täglich für zehn Minuten auf einem ser­iösen Nachricht­en­por­tal zu informieren.

Beobachtet doch mal, wie ihr euch fühlt, wenn ihr viele Coro­na- Nachricht­en kon­sum­iert. Und falls ihr euch dabei erwis­cht, dass ihr in die Coro­na-Nachricht­en­flut hineinge­zo­gen werdet, unter­brecht euch und wen­det euch bewusst etwas anderem zu. Vielle­icht gibt es etwas zu tun, was euch Freude macht, sin­nvoll ist beispiel­sweise etwas im Haushalt oder eure Stim­mung hebt. Ihr habt schon länger mit Äng­sten zu tun und Coro­na ver­stärkt diese ger­ade weit­er? Die deutsche Angst-Hil­fe e.V. hat einen eige­nen Nachricht­en­feed ges­tartet, in dem alle wichti­gen Nachricht­en sach­lich statt reißerisch zusam­menge­fasst wer­den und auch die „Gute Nachricht des Tages“ Platz find­et.

2. TIPP: SCHAFFT EUCH NÄHESOCIAL DISTANCING MUSS NICHT EINSAM MACHEN

Neue und angstaus­lösende Sit­u­a­tio­nen, wie wir sie aktuell erleben, aktivieren unser Bindungssys­tem. Zur Bewäl­ti­gung der Äng­ste suchen wir ver­stärkt Gebor­gen­heit und Nähe zu engen Bezugsper­so­n­en, also dem Part­ner, Fre­un­den oder der Fam­i­lie.  In Zeit­en von #stay­home und Social Dis­tanc­ing kann das unter Umstän­den schw­er umzuset­zen sein. Gefüh­le von Ein­samkeit kön­nen die Folge sein. Social Dis­tanc­ing fordert räum­liche Dis­tanz von uns — trotz­dem kön­nen und soll­ten wir soziale Kon­tak­te aufrechter­hal­ten und sog­ar wieder­aufnehmen oder ver­stärken. Die Optio­nen dafür sind zahlre­ich, auch wenn per­sön­liche Tre­f­fen tabu sind: Ein gemein­samer Spiele­band über Zoom, zusam­men Aben­dessen über Skype, stun­den­lange Tele­fonate — oder wie unsere Kan­z­lerin sagt, schreiben wir mal wieder einen Brief. Zumin­d­est zeitweise kann dig­i­tale Kom­mu­nika­tion Nähe erzeu­gen und Äng­ste ver­min­dern.

3. TIPP: STRUKTURIERT EUCH

Mor­gens einen Kaf­fee im Bel­gis­chen trinken. Im Büro die Kol­le­gen tre­f­fen, zusam­me­nar­beit­en, zwis­chen­durch plauschen. Mit­tagessen gemein­sam beim Viet­name­sen um die Ecke. Nach der Arbeit ins Fit­nessstu­dio und dann auf ein Bierchen mit Fre­un­den zum Brüs­sel­er. So oder so ähn­lich sah bis vor kurzem unser Tagesablauf aus. Und plöt­zlich heißt es stattdessen- Home Office. Oder Quar­an­täne. Zumin­d­est aber Social Dis­tanc­ing. Damit fällt für viele von uns ein Großteil der Tagesstruk­tur weg. Für die meis­ten Men­schen ist eine Tagesstruk­tur allerd­ings langfristig extrem wichtig für eine sta­bile Stim­mung (zumin­d­est nach­dem wir die ersten Tage im Pyja­ma vielle­icht noch genossen haben).

Also über­legt euch, wie ihr euch den Tag selb­st struk­turi­eren möchtet. Wenn ihr im Home Office arbeit­et, richtet euch eine Arbeit­secke ein. Macht die Mit­tagspause zur gewohn­ten Zeit und ver­lasst dafür den Arbeit­splatz. Hal­tet Pausen ein. Auch Bewe­gung hil­ft gegen Äng­ste und neg­a­tive Stim­mung und kann den Tag struk­turi­eren. Falls ihr aktuell nicht oder weniger arbeit­en kön­nt- nehmt euch täglich eine kleine Auf­gabe vor. Unser Gehirn liebt es, etwas geschafft zu haben.

Vielle­icht nutzt ihr jet­zt die Möglichkeit, eine neue Mor­gen-Rou­tine auszupro­bieren, denn das Pen­deln zum Arbeit­splatz fällt weg. Startet den Tag z.B. mit Yoga, Wohnz­im­mer­sport, Med­i­ta­tion oder nehmt euch bewusst Zeit zu früh­stück­en. Tut das, wenn ihr merkt, dass es euch gut­tut. Tut es nicht, um einem Selb­stop­ti­mierungswahn in der Coro­na-Krise zu ver­fall­en. Auch über­haupt kein biss­chen pro­duk­tiv­er zu wer­den während der Krise ist in Ord­nung.

4. CORONA TIPP: DIE KRISE ANNEHMEN UND DEN BLICKWINKEL ÄNDERN

Wenn wir miteinan­der sprechen, merken wir, dass wir nicht allein sind und alle in ähn­lichen Booten sitzen. Wir verbinden uns. Auch das ist wichtig: Uns als Gemein­schaft begreifen. Sich deut­lich zu machen, wofür und für wen wir ger­ade zuhause bleiben und dass es sich für dieses Ziel lohnt. Sich darüber hin­aus pos­i­tiv in die eigene Nach­barschaft einzubrin­gen, stärk­er betrof­fe­nen Per­so­n­en zu helfen oder jet­zt schon Ideen zu gener­ieren, was aus der Krise entste­hen kann, sorgt für ein Gefühl von Selb­st­wirk­samkeit. Wenn wir für andere da sind, z.B. ein­same Großel­tern regelmäßig anrufen, fühlen auch wir uns selb­st häu­fig bess­er.

Sich zu sor­gen, um liebe Men­schen, die eigene Zukun­ft, Finanzen, ist vol­lkom­men nor­mal und ange­bracht und diese Gedanken dür­fen da sein. Es ist sog­ar wichtig, die Gefüh­le von Angst und Trau­rigkeit wahrzunehmen und nicht zu ver­drän­gen. Nie­mand hat mit der Pan­demie gerech­net. Von einem auf den anderen Tag sind wir fremdbes­timmt, Men­schen ver­ster­ben, Arbeitsstellen gehen ver­loren und nie­mand weiß, wie lange die Sit­u­a­tion andauern wird. Da darf es uns auch ein­fach schlecht gehen. Die Gefüh­le dür­fen da sein und aus­ge­drückt wer­den. Im Ver­lauf kann es aber auch wichtig sein, den Blick­winkel immer mal wieder zu verän­dern. Möglicher­weise gibt es trotz­dem Schönes, für das du im Moment dankbar bist? Sich täglich auch darauf zu fokussieren ist eine hil­fre­iche Übung gegen Gedankenkreise und depres­sive Ver­stim­mung. Du kannst es dir zur Tra­di­tion machen, dich abends vorm Ein­schlafen zu fra­gen, für welche drei Men­schen, Erleb­nisse oder pos­i­tive Momente du heute dankbar warst. Das bedeutet nicht, die Pan­demie zu ver­drän­gen, son­dern dass auch Anderes noch wahrgenom­men wer­den darf.

Und schließlich sind wir Köl­ner. Wir sind gewohnt zusam­men­zuste­hen. Wir ver­lieren die Hoff­nung nicht. Und irgend­wann wird’s auch wieder Karneval sein.