roter Smoothie

Not.another.green.smoothie, so nen­nt sich ein Cock­tail-Lieb­haber bei Insta­gram. Diesen Satz hat­te ich im Kopf, als ich von der neuen Smooth­ie- und Saft­bar in der Süd­stadt hörte. Manch­mal kommt es mir so vor, als würde es ständig viele neue kleine, schick-hippe oder schnuck­e­lig-gemütliche Cafés und Bars, mit doch rel­a­tiv ähn­lich veg­a­nen Törtchen und „Lat­te dies, Lat­te das“ geben. Ver­di­ent die KALTPRESSE in der Nähe des Chlod­wig­platzes ihren Platz, oder ist sie ein­fach nur „another.green.smoothie.bar“?

Es duftet nach guten Zutaten

Einen Smooth­ie (mit Frücht­en, Saft oder Eis­creme) kenne ich schon. Der in der Kalt­presse schmeckt cremig und gut, und gehört, je nach Zutat­en, entwed­er in die Kat­e­gorie „nahrhafter Drink“ oder „Süßigkeit“, da oft rel­a­tiv viel Zuck­er enthal­ten ist. So ist es meist ja auch bei den kleinen Smooth­ies für unter­wegs aus dem Super­markt. Viel bess­er fühlt sich hier ein frisch zubere­it­eter Mix aus Birne, Traube, Banane, Rote Beete, Sel­l­erie, Baobab (Pul­ver vom Affen­brot­baum), Ing­w­er, Man­delmilch (selb­st­gemacht) und Cold Brew (kalt gebrühter Kaf­fee) an. Diese wilde Mis­chung haben Ronald und Nora, die Besitzer der Kalt­presse, „Zebra“ getauft. Und … die schmeckt auch noch: Nicht nach „über­trieben gesund“ oder „Diät“, son­dern nach frischen Frücht­en mit lieblich zimtiger Süße. Nora, die ihres Zeichens „Profi-Presserin“ und Schaus­pielerin ist, hil­ft gerne im Laden ihres Fre­un­des Ronald, der aus dem Event­bere­ich der Bal­loni-Hallen kommt.

Seit der Eröff­nung (am 07. Dezem­ber 2015) bin ich schon oft am Logo mit dem Tukan vor­beige­laufen. Lei­der immer erst nach Feier­abend, wenn die Kalt­presse (08.00 bis 16.00 Uhr geöffnet) schon geschlossen ist. Die meis­ten Kun­den kom­men schon vor­mit­tags, und schnap­pen sich einen Drink oder einen gesun­den Snack (Salate, Müs­lis, Energiebällchen) für die Arbeit. An diesem Sam­stag nun klappt es für mich endlich: Ich laufe vor­bei am Blu­men­laden, der Blu­men­bou­tique von Hel­ga Hei­der, der soge­nan­nten „Brigitte Bar­dot der Süd­stadt“, und betrete den kleinen Saft­laden, der Sauberkeit und Klarheit ausstrahlt. Es duftet nach guten Zutat­en, die vor den Augen der Kun­den in Säfte und Smooth­ies ver­wan­delt wer­den. — Natür­lich mit der „Kalt­presse“, einem soge­nan­nten Slowjuicer. Durch eine Presss­ch­necke wer­den die Zutat­en scho­nend „aus­gewrun­gen“, erk­lärt mir Nora.

Gesunde Wachmacher

Da kommt Ker­stin herein­ge­laufen. Sie gön­nt sich, z.B. bei Bah­n­ver­spä­tun­gen, immer einen Saft mit Namen wie „Warm“, „Immun“ oder „Glück“. „Bei 10 Minuten schaffe ich es genau!“, freut Ker­stin sich. „Warm“ wärmt durch Cayenne-Pfef­fer und Ing­w­er, und ist gut für die Ver­dau­ung. „Glück“ hebt durch Rote Beete die Stim­mung. „Rein” ist ein klas­sis­ch­er Detox-Drink. Außer­dem gibt es noch scharfe Ing­w­er-Shots als Alter­na­tive zum Espres­so. Georg, der eben­falls Stammkunde ist, ergänzt noch, dass ihn Vit­a­min C so wach mache, wie andere einen Kanne Espres­so. Er dürfe daher nach 17 Uhr eigentlich keinen Ing­w­er-Shot mehr trinken. Fre­unde von Süßem kön­nen sich mit der „Lerche“ einen leck­eren Früh­stückssaft mit selb­st­gemachtem Gra­nola oder eine Man­delmilch gön­nen. Ein weit­er­er Kunde betritt den Laden. Er heißt Abdul, und ken­nt ähn­lich frische Säfte aus seinem Heimat­land, dem Libanon, wo es viele Street-Food-Läden gebe, die auch direkt pressten. Die „Kalt­presse“ bietet, im Ver­gle­ich zu Straßen­stän­den, jedoch zusät­zlich die Möglichkeit, sich auf der Led­er­couch neben den Kisten mit dem frischen Obst niederzu­lassen, durch den „Aloe Vera“-Ratgeber oder Mag­a­zine wie „Bar­bara“ oder „Flow“ zu blät­tern, oder aber die weit­eren Kun­den bei ihrer Auswahl zu beobacht­en. Der treueste Kunde ist Oli P., der sich auch heute hier seine tägliche Vit­a­m­in­ra­tion abholt.

Mit Beratung kann man einiges über wirk­liche „Superfood“-Zutaten wie Spir­uli­na, eine Alge mit hohem Eisen­ge­halt, oder Maca, die peru­anis­che Anden­wurzel, ler­nen. Was diese „Super­foods“ tat­säch­lich voll­brin­gen mögen, oder auch nicht, bleibt unklar, schaden tun sie jeden­falls nicht. Vielle­icht wer­den zukün­ftig gar ein paar von Hel­ga Hei­ders Blu­men — gehyped — in Detox-Säfte wan­dern. Denn, was Trend ist und schlank oder gesund macht, kommt hier selb­stver­ständlich in den Mix­er.

Für mich ste­ht am Ende fest, dass ich mich gut füh­le, sehr gut sog­ar. Ich bin satt, habe getrunk­en, dabei viele gute Dinge ohne Zuck­erzusatz zu mir genom­men. Beschwingt gehe ich, mit einem safti­gen Bananabread in der Hand, durch die Süd­stadt. Ich freue mich schon auf den näch­sten Shake und natür­lich auf den Som­mer, wo Nora und Ronald möglicher­weise küh­les Sor­bet anbi­eten wollen.

AUF EINEN BLICK

KALTPRESSE, Merowinger­straße 23, 50677 Köln
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