Nima Bazrafkan lächelt

Einen jun­gen Schaus­piel­er ein­mal ganz pri­vat und alleine auf ein­er Bühne erleben? Wir haben den Köl­ner New­com­er Nima Bazrafkan zum Inter­view im Hor­i­zont The­ater getrof­fen, wo er uns nicht nur eine Kost­probe seines schaus­pielerischen Kön­nens gegeben hat, son­dern uns offen Rede und Antwort stand zum Leben als Schaus­piel­er abseits vom Schein­wer­fer­licht.

Spätzünder in Sachen Schauspiel

Dass Nima sich in dieser Umge­bung – auch ohne Pub­likum – gle­ich zuhause fühlt, ist nicht zu überse­hen. Auch wenn der Weg hier­hin nicht ganz ein­fach war. Nach seinem Bach­e­lor Abschluss in Spanisch und Geschichte in Mün­ster arbeit­ete er kurze Zeit als Lehrer – um festzustellen, dass er auf die Bühne will. Mit 27 entschei­det er sich, sein Hob­by, die Schaus­piel­erei zum Beruf zu machen. Eine Entschei­dung, die ihn noch heute unüberse­hbar glück­lich macht. Wenn er näch­stes Jahr seinen Schaus­pielab­schluss macht, wird er 31 sein. Ein Alter, das in unser­er heuti­gen „Ich-will-mich-noch nicht-fes­tle­gen“ und „Alles ist noch möglich“-Gesellschaft dur­chaus noch jung ist – anders jedoch in der Schaus­piel-Welt. Beson­ders an den staatlichen Schaus­pielschulen wird rig­oros aus­sortiert. Nicht sel­ten – so erzählt uns Nima – ist jemand mit 19 zu unreif und mit 21 zu ver­braucht.
Unter den strik­ten Auss­chlusskri­te­rien bei Vor­sprechen – von den immer noch über­wiegend männlichen Regis­seuren – haben vor allem junge Frauen zu lei­den. Kein unbekan­nter Umstand in Zeit­en von #metoo.

Das The­ater muss aus sein­er Kom­fort­zone her­auskom­men.”

Nima Bazrafkan

Nima nimmt mit”

Keine Frage – Nima sagt seine Mei­n­ung. Er wün­scht sich mehr Diver­sität und Gle­ich­berech­ti­gung für jegliche Min­der­heit­en. Nicht wenige Rollen in der deutschen The­ater­szene sind für ihn mit seinen iranis­chen Wurzeln schi­er unmöglich zu bekom­men. Eine Hürde aber kein Hin­der­nis: 2017 ruft er „Nima nimmt mit“ ins Leben. Eine Ver­anstal­tung, die jun­gen Schaus­pieltal­en­ten aus dem Rhein­land die Möglichkeit und Bühne gibt, ihre frei gewählten Monologe vor Pub­likum vorzu­tra­gen. Eine unge­wohnte Art des Schaus­piels, denn Monologe vor­tra­gen gibt es son­st eigentlich nur bei Cast­ings und Vor­sprechen. Das For­mat kommt beim Pub­likum gut an – nicht zulet­zt durch den Über­raschungsef­fekt und den direk­ten, engen Kon­takt zum Pub­likum, wodurch das „Sich-an-das-Pub­likum-ver­schenken“ – so nen­nt es Nima, wenn er dem Zuschauer etwas mit­geben kann – beson­ders gut klappt.

Jed­er trägt eine Maske und ger­ade in Köln kön­nte jed­er Men­sch eine The­ater­fig­ur sein”

Nima Bazrafkan

Inspi­ra­tion für seine Rollen zieht Nima aus dem Köl­ner All­t­ag: in der Bahn, auf der Straße, über­all. Sind wir also alle auf unsere eigene Art – mal mehr und mal weniger bewusst – Schaus­piel­er? Nima nickt: „Jed­er trägt eine Maske und ger­ade in Köln kön­nte jed­er Men­sch eine The­ater­fig­ur sein“. Kein Wun­der, dass wir im Karneval feiern also so gut sind. Sich in jemand anderes zu ver­wan­deln ist eine Kun­st, die Umset­zung ver­langt Kön­nen und Tal­ent: Handw­erk ver­mis­cht sich mit Kun­st. Und obwohl Nima mit der Schaus­piel­erei nicht nur einen Beruf, son­dern auch seine Beru­fung gefun­den hat, betont er, dass es auch Tage gibt – stun­den­lange Proben zum Beispiel – wo seine Arbeit nicht nur Spaß macht.

Nie spie­len gibt es nicht.”

Nima Bazrafkan

Ein Blick hinter die Maske

Und wenn er frei hat? Dann ist er in seinem Lieblingsveedel in Kalk oder in Mühlheim anzutr­e­f­fen. Hier ist Nima aufgewach­sen und hier fühlt er sich in der ständi­gen Mul­ti­kul­ti-Atmo­sphäte am wohlsten. Denn auch das Gegen­teil von Mul­ti­kul­ti hat Nima schon erlebt. In Han­nover wurde er als Jugendlich­er von ein­er Gruppe Nazis zusam­mengeschla­gen. Die Täter wur­den gefasst und verurteilt. Dieses ein­schnei­dende Erleb­nis hat nicht nur sein Gerechtigkeit­sempfind­en geschärft, son­dern ihn auch gelehrt „hin­ter die Maske, die jemand trägt, zu blick­en“.

Für uns lässt Nima in dem offe­nen Gespräch über The­ater, Mut, Ras­sis­mus und Diver­sität nicht nur seine Maske fall­en, son­dern zeigt uns auch welche Gesichter und Emo­tio­nen er auf Knopf­druck haben kann.

AUF EINEN BLICK

Hor­i­zont The­ater, Thürm­chenswall 25, Eigel­stein­vier­tel
Web­seite

Live im 25hours Hotel: Nima Bazrafkan und John­ny Priest