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Veedelwalk Mülheim

Veedel-Guide Mülheim

Zu weit raus, zu unsich­er, zu schäl sick, zu wenig Biolä­den und Kneipen.
I get it. Die Argu­mente gegen Mül­heim sind zahlre­ich, das Argu­ment „aber die Mieten sind hier gün­stiger“ zieht nicht ger­ade emo­tion­al und fak­tisch sowieso bald auch nicht mehr. Warum ich trotz­dem herge­zo­gen bin und mich in den Stadt­teil ver­liebt habe?
Mül­heim hat mich auf eine gute Art und Weise gle­ich am Anfang ver­schluckt. Hat mich skep­tisch beäugt, mich getestet und im sel­ben Atemzug willkom­men geheißen. Hier kommt mein Plä­doy­er für Mül­heim.

 

Veedel-Tipps Mülheim

Reger Trubel am Wiener Platz

Von meinem Balkon aus blicke ich aus dem vierten Stock auf die Frank­furter Straße hinab. Sie ist ein­er der hässlich­sten Orte in Mül­heim, sehr laut und viel befahren. Ich liebe sie. Wenn ich im Som­mer den ganzen Tag auf dem Balkon ver­bringe, mor­gens mit Kaf­fee und abends mit Efes, brauche ich zur Unter­hal­tung keinen Fernse­her. Lam­borgh­i­nis und andere Protza­u­tos fahren hier manch­mal auf und ab, an den Shisha Bars beson­ders langsam vor­bei. Manch­mal gibt es auch Stress, dann bin ich nicht die einzige, die ihren Hals hin­ausstreckt, um zu schauen, was da los ist. Um mich herum plop­pen dann viele Köpfe aus den Fen­stern, die von den unteren Stock­w­erken brin­gen sich sog­ar manch­mal ins Gespräch ein. Und abends, wenn es däm­mert, dann schau ich nach oben in die Pap­peln, die hier über­all wach­sen. Da tre­f­fen sich näm­lich jeden Tag zur blauen Stunde riesige Schwärme von Krähen. In den Baumkro­nen und auf den Däch­ern scheinen sie alle gle­ichzeit­ig auf etwas zu warten. Und wie auf Kom­man­do begin­nen sie dann umherzu­fliegen, schein­bar im Chaos, bevor sie sich alle gle­ichzeit­ig wieder auf den Däch­ern nieder­lassen. Das ist fan­tastisch zu beobacht­en.

Vom Mül­heimer Bahn­hof Rich­tung Rhein führt die Frank­furter zum Wiener Platz. Übri­gens an einem Bio­laden und einem Reformhaus vor­bei! Okay, ja. Der Wiener Platz stinkt schon ordentlich. Aber: Drei Mal die Woche gibt es hier schön zuver­läs­sig einen sehr guten Wochen­markt, mit den fre­undlich­sten Mark­tschreiern Kölns.

Hin­ter dem Wiener Platz begin­nt der schöne Teil von Mül­heim. Kleine Straßen, mehr Ruhe und Alt­bau­woh­nun­gen, das Jakubows­ki und das Vrei­heit sind die wohl einzi­gen hüb­schen Cafés in Mül­heim und ein kleines Stück weit­er liegt das Limes, eine Punkrock­kneipe, wie es sie nur noch sel­ten gibt, mit aus­gewählter Musik und ein­er Theke, an der man sich gut ein Paar Kölsch rein­stellen kann.

Ruhe am Rhein

Ein Grund, warum ich herge­zo­gen bin, ist die Nähe zum Rhein. Hier in Mül­heim gibt es fan­tastis­che Jog­gingstreck­en mit tollen Aus­blick­en, einen kleinen alten Hafen und eine Hal­binsel auf dem Rhein mit Sand­strand. Über die Mül­heimer Brücke Rich­tung Niehl gelangt man aber in kurz­er Zeit mit dem Fahrrad zum schön­sten Strand Kölns, der nicht so bekan­nt wie Rodenkirchen und außer­dem naturbe­lassen­er ist. Dort sitze ich im Som­mer gerne mit einem Buch und schaue mir den Son­nenun­ter­gang an.

In “Müllem” ist immer was los

Der hipp­ste Teil von Mül­heim, und wohl auch der bekan­nteste, ist die Keup­straße und das angren­zende Schanzen­vier­tel. Die Keup­straße ist für Lieb­haber der türkischen Küche ein Muss, denn hier rei­ht sich ein türkisch­er Bäck­er an den näch­sten; türkische Restau­rants und Feinkostlä­den find­en sich hier zu Hauf. Für mich als Veg­e­tari­erin ist außer Lin­sen­suppe allerd­ings nicht viel drin, der veg­ane Cigköfte hat mich bish­er nicht überzeugt. Die Atmo­sphäre in dieser beson­deren Straße liebe ich den­noch.

Das Carl­swerk in der Schanzen­straße beherbergt neben ein­er Filmhochschule, dem vor kurzem eröffneten Club Vol­ta, dem Bastei Lübbe Ver­lag und meinem Zah­narzt noch das Schaus­piel­haus, dessen Haupt­spiel­stätte am Offen­bach­platz sich seit Jahren im Bau befind­et und in Mül­heim einen angemesse­nen Ersatz gefun­den hat. Viele kön­nen die Eröff­nung des sanierten Stan­dorts der Büh­nen Köln nicht erwarten, für mich kann sich das gerne noch hin­auszögern.

Natür­lich gibt es im Indus­triege­bi­et der Schanzen­straße noch das E‑Werk und Pal­la­di­um, wo nicht nur die Stunksitzung jedes Jahr Ses­sion feiert, son­dern auch die ganz großen Rock- und Pop-Konz­erte ver­anstal­tet wer­den.

Ganz beson­ders lege ich euch außer­dem das Val­hal­la ans Herz, das nicht ger­ade idyl­lisch am Cle­vis­chen Ring gele­gen einen sehr unspek­takulären Ein­gang vor­weist, hin­ter dem sich der älteste und kultig­ste Met­al­club Kölns ver­steckt. Das große Kölsch gibt es hier fre­itags und sam­stags in Pilsen­er Urquell-Humpen und es treten inter­na­tionale Bands auf, für die Met­aller aus dem ganzen Rhein­land extra ange­trampt kom­men

Seit ich in Mül­heim wohne, brauche ich eine halbe Stunde zur Arbeit. Nachts muss ich oft ein Taxi nehmen, weil das nun Mal sicher­er ist. Aber ich habe hier meinen Rück­zug­sort gefun­den, meinen 24-Stun­den-Kiosk, meine Lauf­strecke. Und ich bin schneller in der Natur, die nicht wie der Grüngür­tel oder der Volks­garten aus kün­stlich angelegten Parks beste­ht. Ich gehe lock­er mit Jog­ging­hose und ollem Schlab­ber­pul­li einkaufen, weil das hier ein­fach wirk­lich nie­man­den inter­essiert.

Am 11.11. war die Frank­furter Straße, wie jeden anderen Son­ntag auch, ruhig und ziem­lich leer. Von Karneval habe ich hier nichts mit­bekom­men. In der Vor­wei­h­nacht­szeit wurde die Win­ter­beleuch­tung an den Lat­er­nen angeknipst, die im Som­mer nicht abmon­tiert, son­dern ein­fach nur aus­geschal­tet wird. Und außer einem trau­ri­gen Glüh­we­in­stand am Wiener Platz gab es hier keine Adventsstim­mung. Es ist eben alles ein biss­chen anders hier, dafür ziem­lich kor­rekt, im Sinne von aufrichtig. Mül­heim ist gut so, wie es ist. Trotz­dem kann es noch einige Updates gebrauchen. Also: Kommt nach Mül­heim und eröffnet die Bars, die euch hier fehlen, macht ein veg­anes Restau­rant auf und ver­bre­it­et die Kunde: Mül­heim, bestes Veedel.

AUF EINEN BLICK

WEITERE ORTE IN MÜLHEIM

Hin­ter­lasst gerne eure Liebling­sorte in Mül­heim als Kom­men­tar und wir fügen diese mit in unsere Liste ein. Wir freuen uns darauf!


2 Comments
  1. Müllemer Mädsche N.

    15. August 2019 09:31

    Meine Top 12 Mül­heim
    — Chillen im Stadt­park
    — Open-Air-Yoga am Hafen­garten
    — Lokale Bio-Pro­duk­te von den Mark­tschwärmern
    — Zukun­ft-Mül­heim open air Tech­no-Par­ty an der Boule­halle
    — Selb­st Gemüse anpflanzen am Hafen­garten oder Carl­swerk
    — Mit­machen bei den Hof­flöh­märk­ten organ­isiert von den beymeis­tern
    — Mit bestem Frozen Yoghurt von Yoop an den Rhein
    — Quatschen mit Iris vor ihrem Laden „Sper­rmüller“
    — Stim­mung genießen bei dem Mül­heimer Nacht
    — Glüh­wein am Rhein mit Sil­via und Co (Jakubowsky)
    — Durch schöne kleine Sträßchen schlen­dern hin­ter dem Stadt­park Rich­tung Buch­forst
    — Trödeln und geilen Scheiß kaufen beim ssm Mül­heim
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    • Hannah Göbbels

      28. August 2019 10:32

      Vie­len Dank für deine ganzen tollen Tipps! :)
      Liebe Grüße, Han­nah

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