Mo Torres

Bald erscheint das neue Album „4 Wände“ von Mo-Tor­res. Drei Jahre ist es her, seit der Köl­ner Rap­per ein Album her­aus­ge­bracht hat. Sei­ther hat sich viel verän­dert. Früher arbeit­ete er als Pro­jek­t­man­ag­er, seit Mai 2017 ist er Vol­lzeit­musik­er. In den let­zten Wochen war er in den ver­schieden­sten Kneipen unter­wegs und trat mit alten sowie neuen Liedern auf. Wir trafen Mo und rede­ten mit ihm über seine Kind­heit in Ehren­feld, Druck, der bei der Arbeit am Album ent­stand und welche musikalis­chen Träume er sich noch erfüllen möchte.

*Dieser Beitrag entstand in freundlicher Kooperation mit Gaffel Kölsch

Das Studio war in der Zeit mein Zuhause

Wir waren zwei Monate non­stop im Stu­dio. Let­zte Woche habe ich das Mas­ter zu meinem Album abgegeben, die Zeit war kri­tisch. Der Druck, den ich mir gemacht habe, war extrem hoch. Das Veröf­fentlichungs­da­tum für „4 Wände“ war schon kom­mu­niziert. Wir waren von mor­gens 9 Uhr bis nachts um 2 im Stu­dio. Den ganzen Tag kein Tages­licht sehen, das zer­rt schon krass an den Kräften. Die let­zten anderthalb Jahre habe ich in Texte, Auf­nah­men, Videos drehen, Grafik und mehr gesteckt. Das, wofür ich die let­zten Jahre gear­beit­et habe, sollte auch nach dem klin­gen. Alles andere lei­det in der Phase des Machens. Das Stu­dio war in der Zeit mein Zuhause. Alle Ter­mine fan­den dort statt. Dass ich da nicht geschlafen habe, war alles.

Ich glaube, jed­er Musik­er kann diese Art von Druck ver­ste­hen. Man will das beste aus der Plat­te her­aus­holen. Da gerät man auch mal mit anderen Team­mit­gliedern aneinan­der, weil die Ner­ven kom­plett anges­pan­nt sind. Als Solokün­stler ist es auch anders, als in ein­er Band. Man kann sich nicht immer so zurückziehen. Für Kom­pro­misse braucht man den Aus­tausch im Team. Im Albumprozess habe ich zwei Jungs an der Seite gehabt. Denen habe ich meine Texte präsen­tiert und die haben mir kreativ­en Input gegeben. Daraus haben sich neue Ideen entwick­elt, das lief sehr gut. Großer Fehler, den man dabei machen kann: Texte in der rohsten Ver­sion seinen Leuten zeigen. Klar, am Ende tre­ffe ich die Entschei­dung. Aber du willst ja irgend­wie auch, dass die nah­este­hen­den Leute dahin­ter­ste­hen. Da ist mir die Mei­n­ung schon sehr wichtig. Meine Fre­unde sind nicht mehr nur Fre­un­deskreis. Wir arbeit­en jet­zt auch zusam­men. Manch­mal ist es schwierig, weil es alles per­sön­liche The­men von mir sind. Wenn man meine Musik kri­tisiert, kri­tisiert man auch mich damit. Ich muss noch ler­nen, da mit Abstand ranzuge­hen. Jet­zt ist die Plat­te so gut, wie sie nur wer­den kon­nte. Ich habe ein gutes Gefühl, es ist das beste Album, was ich je gemacht habe.

Musik ist 24/7 mein Leben, ich schlafe damit ein und wache damit auf

Bis Mai 2017 habe ich noch als Pro­jek­t­man­ag­er im E‑Commerce gear­beit­et. Jet­zt bin ich haupt­beru­flich Musik­er. Musik ist 24/7 mein Leben, ich schlafe damit ein und wache damit auf. Nach Abgabe des Mas­ters bin ich mit dem Rad nach Hause gefahren und habe direkt gemerkt, wie mein Kör­p­er offline gegan­gen ist. Nach über zwei Monat­en habe ich zum ersten Mal wieder andere Musik gehört als meine eigene. In der Phase des Pro­duzierens hat­te ich mal einen Son­ntag frei. Da habe ich mit mein­er Fre­undin Filme geguckt, war spazieren und hab schön den Akku aufge­tankt. Da merkt man auch ein­fach mal, was für ein unfass­bar wichtiges Gut die Zeit ist. Abnor­mal.

Das ist halt mein Leben, ich habe 08/15 mittelständische Alltagsprobleme

Mit Gang­ster­rap hat­te ich nie was zu tun. Klar, früher hing man auf der Straße ab, da hat­te man noch andere The­men. Näch­stes Jahr werde ich dreißig, was soll ich erzählen? Meine Prob­leme sind: Die Wäsche anständig auf dreißig Grad zu waschen ohne das meine Fre­undin sich beschw­ert oder die Wäsche rechtzeit­ig aufzuhän­gen. Bei „Du und ich“ habe ich die Frau und Männlein The­matik mal ein biss­chen aufge­grif­f­en, das spiegelt schon sehr viel aus meinem Leben wieder. Das ist halt mein Leben, ich habe 0815 mit­tel­ständis­che All­t­agsprob­leme. Ich bin geseg­net, dass ich nur solche Prob­leme habe, das ist ein ganz großes Priv­i­leg.

Am liebsten erreiche ich meine Fans live

Am lieb­sten erre­iche ich meine Fans live. Weil es direkt ist und eine gewisse Intim­ität hat. Online hast du oft eine Diskrepanz zwis­chen dem Geschriebe­nen und dem Gemein­ten. Face to Face ist schon was ganz anderes, so habe ich es am lieb­sten. Das ist der authen­tis­chste und ehrlich­ste Weg. Kurz vor einem Auftritt bin ich schon nervös, aber mehr textlich­er Natur. Dann frag ich mich: ‚Habe ich alles auf dem Kas­ten? Kriege ich das so hin?‘ Die Aufre­gung kommt fünf Minuten vor dem Auftritt. Vorher ist man irgend­wie eher müde, das kenn ich noch vom Sport. Ich glaube, das ist sog­ar wis­senschaftlich belegt: Dein Kör­p­er kriegt mit, dass gle­ich ganz viel Adren­a­lin aus­geschüt­tet wird und deshalb kommst du vorher noch mal zur Ruhe. So ist es bei mir. Durch die Tea­mar­beit hat sich die Anspan­nung weit­er gelegt, glück­licher­weise muss ich mich nicht mehr um alles allein küm­mern. Ich kann dadurch super­viele Dinge von mein­er Hirn Fest­plat­te löschen und mich auf den Auftritt fokussieren. Ich habe 2007 zum ersten Mal selb­st Musik gemacht. Grot­tig, abso­lut grot­tig. Let­ztes Jahr habe ich den allerersten Song noch mal gehört, aber allein. Das war auch ganz gut so. Ich bin vor Scham vor mir selb­st im Boden ver­sunken. Unfass­bar.

Stadtkind, was habe ich als Kind anders gemacht als ein Dorfkind?

Ich bin in Ehren­feld und Bick­endorf aufgewach­sen. Das war unbeschw­ert, frei, voller Sport, behütet, intakt, mul­ti­kul­ti. Ich glaube, das fasst es ganz gut zusam­men. Stadtkind, was habe ich als Kind anders gemacht als ein Dor­fkind? Ich bin nach der Schule nach Hause gekom­men, hab meine Sachen abgelegt, kurz Hausauf­gaben gemacht und bin dann raus auf den Bolz­platz. Da war auch grün. Dafür muss ich jet­zt nicht in Pul­heim aufgewach­sen sein. Man hat halt das blühende Leben am Start. Wobei mich das als Kind nicht inter­essiert hat, dass ich jet­zt die Ven­lo­er Straße vor mein­er Tür habe mit Arslans Kebap. Als Kind denkst du ja nicht: ‚Oh, hier ist ein Rewe. Klasse!‘ Ich war froh, dass ich mein Büd­chen hat­te wo ich mir eine gemis­chte Tüte kaufen kon­nte und dass der Bolz­platz um die Ecke war. Das war alles was ich brauchte. Und dass meine Straße eine Spiel­straße war! Dafür habe ich mit neun Jahren selb­st gesorgt mit ein­er Unter­schrifte­nak­tion. Im Rathaus haben dann alle dafür ges­timmt, bis auf ein­er: Fritz Schram­ma. Keine Grüße gehen raus! Im Grunde hat sich bis heute nicht viel geän­dert. Außer, dass ich jet­zt froh bin, dass ich einen Rewe um die Ecke habe und nicht aus meinem Vier­tel raus muss. Damals hat­te ich das auch, nur eben andere Dinge.

Ansonsten wäre Kool Savas ein absoluter Traum und Endgegner

Mit wem ich gerne etwas Musikalis­ches starten würde? Ich würde gerne mal mit der Ursprungs­for­ma­tion der Black Fööss zusam­me­nar­beit­en. Anson­sten wäre Kool Savas ein absoluter Traum und Endgeg­n­er. Wäre mir auch scheiße­gal, dass ich gegen den Typen voll abstinken würde, da wäre ich auch nicht der Erste. Die Wise Guys haben auch meine Jugendzeit geprägt, als mein Vater mich auf Konz­erte von denen mitgenom­men hat. Die haben einen musikalis­chen Ein­fluss auf mich gehabt: Ern­ste The­men mit Humor zu ver­pack­en, das es witzig rüberkommt aber jed­er ver­ste­ht die Mes­sage. Das fand ich immer super span­nend und faszinierend. Ein paar Träum­chen habe ich mir erfüllt, aber ein paar gibt es auch noch.

Meine Hotspots in der Freizeit

Meine Hotspots in der Freizeit sind der Joode Lade, weil man mit­tler­weile auch viele Leute von hier ken­nt. Hier kann ich gut trinken und abhän­gen. Aber auch in Ehren­feld in irgen­dein­er Kaschemme. Ich bin sel­ten fünf Stun­den an einem Ort. Zum Essen gehe ich natür­lich superg­erne in die Puszte Hütte. Ich reg mich immer auf, wenn ich jeman­dem von der Pusz­ta Hütte erzäh­le und der hat davon noch nicht gehört. Da kön­nte ich Amok laufen. Das werde ich nie ver­ste­hen, das ist Kul­turgut. Das muss man ken­nen!“

AUF EINEN BLICK

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Joode Lade
Pusz­ta


*Dieser Beitrag entstand in freundlicher Kooperation mit Gaffel Kölsch