Kölner Dom light it up

Es ist soweit. Heute lohnt es sich für alle Köl­ner den Blick gen Him­mel zu richt­en, wenn 7.000 strahlend blaue Leucht­stof­fröhren für die Dauer vom 21. bis 26. August in den Abend­stun­den markante urbane Gebäude links- und recht­srheinisch illu­minieren. Sie sind Teil des großan­gelegten Stadtkunst­werkes „Light it up“, welch­es zum 10. Jubiläum der Gamescom entste­ht und den Stel­len­wert der europäis­chen Leitmesse für dig­i­tale Spielekul­tur sowie Köln als „inno­v­a­tive und attrak­tive Kultur‑, Medi­en- und Wirtschaftsmetro­pole“ betont.

Light it up“ ist vom Kün­stler Michael Batz erschaf­fen. Er ist eine viel­seit­ige und span­nende Per­sön­lichkeit. 1951 in Han­nover geboren, lebt und arbeit­et er mit Lei­den­schaft seit 1976 in Ham­burg. Hier ist er tätig als Szene­fo­tograf, Autor, Lichtkün­stler und The­ater­ma­ch­er.

Mit dem Kün­stler ist WE ARE CITY exk­lu­siv und in schwindel­er­re­gen­der Höhe auf dem Funk­turm Colo­nius verabre­det. Es ist der Ort, an dem wir in den ver­gan­genen Tagen bere­its Gele­gen­heit hat­ten, den kom­plex­en Auf­bau, stel­lvertre­tend für das Gesamtkunst­werk, haut­nah zu erleben. Der Colo­nius stellt ein beson­deres Wahrze­ichen dar, ragt er doch mit sein­er Sil­hou­ette ver­tikal deut­lich über das Stadt­pro­fil hin­aus und trägt damit zur Stadti­den­tität bei.

Michael Batz kom­men­tiert die Wahl des Funk­turms als Teil sein­er Lichtin­stal­la­tion beson­ders — man hat das Gefühl, er beschreibe einen alten Fre­und:

Der Colo­nius hat Ausstrahlung, er ist sehr sym­pa­thisch, nicht zu alt und nicht zu jung!”

Michael Batz

Funkturm mit 100 blauen Leuchtstoffröhren in Szene gesetzt

Zu „Light it up“ wird der Funk­turm auf zwei Panora­ma-Ebe­nen, jew­eils in 166,18 m (ehem. Restau­rant­geschoss) und 169,88 m Höhe (Aus­sichts­geschoss), mit allein 100 blauen Leucht­stof­fröhren in Szene geset­zt. Obgle­ich der Colo­nius heute für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich ist (das Restau­rant mit einem drehbaren Sitzbere­ich und die Aus­sicht­splat­tform sind seit 1999 geschlossen) hat er den­noch, allein auf­grund sein­er Gesamthöhe (266m), eine beson­dere Bedeu­tung für die Funkre­ich­weite. Er ist zugle­ich der höch­ste Fer­n­melde­turm Nor­drhein-West­falens. Auch geht er tech­nisch sehr mit der Zeit: Für die Entwick­lung des „Edge Com­put­ing“ über 5G, was für 2020 angestrebt wird, ist es der ide­ale Stan­dort. Dank dieser Tech­nik mit enorm her­abge­set­zten Latenzzeit­en wird es dann beispiel­sweise für jeden Gamer in Mil­lisekun­den möglich sein in Com­put­er­spie­len zu reagieren, was im Zweifels­fall über Sieg und Nieder­lage entschei­det.

Light it up“ illuminiert zahlreiche Kölner Gebäude

Es erstrahlen bläulich schim­mernd das Messe­hochhaus, das RTL-Gebäude, der RTL-Turm, LVR, der Tanzbrun­nen, das Stapel­haus, der Bahn­hof, der Musi­cal Dome, Muse­um Lud­wig, die Bastei, das Schoko­laden­mu­se­um, die KD-Schiff­fahrt und andere. Die kün­st­lerische Verbindung bei­der Rhein­ufer zu einem Köl­ner Ganzen gelingt durch die Illu­minierung der Deutzer Brücke, der Hohen­zollern­brücke und der Zoo­brücke. Dynamisch wird das Licht­gemälde zudem durch die teil­weise erfol­gende Beleuch­tung des mobilen Schiffsverkehrs.

Licht habe einen Spirit, erzähle eine Story

Was macht den Zauber der Lichtkun­st für Michael Batz selb­st aus? Licht habe einen Spir­it, erzäh­le eine Sto­ry, werfe auch Fra­gen auf. Er stelle sich die Bedin­gun­gen der Dunkel­heit und das urbane Leben darin als eine Art Roman vor, den er mit sein­er Lichtkun­st nicht voll ausleuchte, son­dern in der Geschicht­en­fülle reduziere und damit für jeden in neuer Wahrnehmung der eige­nen Stadt öffne und erleb­bar mache.

Wie erzähle ich Köln den Kölnern?

Wie erzäh­le ich Köln den Köl­nern?“, habe er sich vor Pro­jek­t­be­ginn in kün­st­lerisch­er Hin­sicht gefragt. Die Antwort sei ein­fach: Der städtis­che Raum bilde eine große urbane Bühne von der man selb­st Teil sei, ein Mit­glied eines Ensem­bles. Die Instal­la­tion „Light it up“ erzäh­le dann „die Sto­ry“, wobei das Licht die Funk­tion habe, Verbindun­gen zwis­chen Men­schen und ihrer Stadt zu schaf­fen oder sel­bige aufzuzeigen. Der Kün­stler fungiere dem­nach eher als eine Art „Über­set­zer“, denn als Sto­ry­teller, die Lichtwirkung hinge­gen sei Hil­f­s­mit­tel der Erschließung jedes Einzel­nen.

Üblicher­weise sei man nur gewohnt, von der eige­nen Stadt zu bericht­en, wenn man beispiel­sweise Fre­unde und andere Besuch­er Kölns an den Wahrze­ichen ent­langführe, um ihnen die Beson­der­heit­en der Stadt näherzubrin­gen. Bei „Light it up“ gehe es vielmehr darum, selb­st ein­mal in sein­er eige­nen Stadt „fremd zu sein“ und dadurch die Chance zu erhal­ten, selb­st bis­lang Unge­se­henes zu enthüllen, zu erfahren, zu erleben, zu ent­deck­en und ganz still und unaufgeregt dem Moment und den eige­nen Wurzeln nachzuge­hen.

Moment des subjektiven Erlebens

Die mit bloßen 58 Watt bestück­ten Lam­p­en­röhren, die Michael Batz kün­st­lerisch nutzt, bilden bewusst keine tech­nisch aus­ladende und geskriptete Laser­show, kein vorgegebenes Licht­spek­takel, son­dern wirken sim­pel und direkt. Die blauen Leuchtele­mente von „Light it up“ beto­nen als Licht­streifen schlicht Blick­rich­tun­gen und Sehachsen, indem sie beispiel­sweise eine Fas­sade- oder Gebäude­form nachze­ich­nen. Hier­mit reduzieren und damit akzen­tu­ieren sie den Ein­druck und heben bis­lang unge­se­hene Stadt­de­tails in der Nacht her­vor und lassen dabei zugle­ich Raum für Imag­i­na­tion und Emo­tion. Diese Erfahrung gle­icht der Wahrnehmung der Impres­sion­is­ten in der Kun­st, der Moment des sub­jek­tiv­en Erlebens ste­ht im Zen­trum. Die Lichtin­stal­la­tion in Köln ist nur tem­porär, die zeitliche Begren­zung der Wirkung macht die Erfahrung und das Erleb­nis der Selb­stent­deck­ung für jeden einzel­nen umso frag­iler und kost­bar­er.

Die Farbe Blau

Das Farbe Blau, die bei der großflächi­gen Lichtin­stal­la­tion eine Rolle spielt, hat fol­gende Bewandt­nis: Zunächst hat ihre Ver­wen­dung in der Kun­st eine lange Tra­di­tion, ins­beson­dere im 20. Jahrhun­dert. Man denke z.B. an ein leuch­t­en­des „Yves Klein-Blau“, die Kün­stler des „Blauen Reit­ers“ wie Franz Marc und Wass­i­ly Kandin­sky oder die „Blaue Phase“ von Pablo Picas­so. Auch die Farbpsy­cholo­gie stellt pos­i­tive Assozi­a­tio­nen damit, wie still, entspan­nend, ver­trauensvoll, ver­lässlich her­aus. Neben dem kreativ­en Hin­ter­grund kommt aber auch ein ganz tech­nis­ches Detail in der Farb­wahl Batz‘ für die Beleuch­tung hinzu: Rot, Gelb und Grün sind z.B. als Sig­nal­far­ben für die Schiff­fahrt oder den Eisen­bah­n­verkehr reserviert und wirken daher im hochfre­quen­tierten Bere­ich an Trans­portwe­gen des Rheins oder der Hohen­zollern­brücke ablenk­end und sind dort zu ver­mei­den.

Wir ver­ab­schieden uns von Michael Batz neugierig mit der Frage danach, welchen Ort er selb­st am Abend wählt, wenn die Sil­hou­ette Kölns gegen 21:30 Uhr mit blauen Licht­streifen nachgeze­ich­net und erleuchtet wird. Auch er erlebt die span­nende Gesamtwirkung sein­er kün­st­lerischen Pla­nung erst in der tat­säch­lichen Real­i­sa­tion, zeit­gle­ich mit allen Köl­ner Betra­chtern. Er schmun­zelt und bleibt uns eine Antwort schuldig.

Es gibt keinen zen­tralen Betra­ch­tungspunkt, an dem man die Gesamtwirkung exk­lu­siv und im Ganzen erfassen kön­nte. Im Gegen­teil: Wir sind alle Teil des Ensem­bles, jed­er eigene Blick­punkt auf dem urba­nen Schau­platz erzeugt eine eigene Per­spek­tive, eine selb­st­ständi­ge, sub­jek­tive Empfind­ung, die zer­brech­lich und kost­bar im flüchti­gen Moment wirkt!”

Michael Batz

Hier­von ermuntert stürzen wir uns selb­st fiebernd und vor Empfind­ung glühend in die Nacht!
Liebe Köl­ner, tut es uns gle­ich. Bis zum 26. August 2018 jew­eils um ca. 21 Uhr ist noch Zeit für einen ganz beson­deren Abendspazier­gang durch Köln. Unser Tipp: Fotokam­era nicht vergessen, um den Moment doch ein wenig fes­thal­ten zu kön­nen!

AUF EINEN BLICK

Infos zu aktuellen Pro­jek­ten von Michael Batz find­et ihr auf sein­er Web­site