Bleibt kölsch“ ist eine Rei­he von Tex­ten, die entsprechend der aktuellen Vorkomm­nisse in Köln, monatlich erscheint. Eine Stadt-Kolumne, die sich satirisch mit den Missstän­den und Beson­der­heit­en unser­er schö­nen Stadt auseinan­der­set­zt und sie mit einem Augen­zwinkern auf­bere­it­et. Der Autor, Leonard Kuh­nen, selb­st Köl­ner, möchte den Blick für das Absurde schär­fen und ein­fach mal den Fin­ger in die Wunde leg­en.

Liebesschlösser — Ja oder Nein

Köln hat ein Prob­lem. Die Liebe. Bess­er gesagt, den met­all­ge­wor­de­nen Aus­druck ebendieser. 

Cir­ca 45 Ton­nen gemessen in Liebess­chlössern hän­gen an der Hohen­zollern­brücke und bezeu­gen die emo­tionale Bindung tausender Paare oder der­er, die mal eins waren.

Mandy und Gerd in Love. Klick. Schlüs­sel in den Rhein und dann für immer hap­py hap­py.

Nun wird mal wieder über die Ent­fer­nung der Liebesknebel nachgedacht. Das Gewicht soll kein Prob­lem darstellen. Son­dern der olle Zaun, der den Fußweg von den Bah­n­gleisen tren­nt, braucht einen neuen Kor­ro­sion­ss­chutz.

Zuständig für das bevorste­hende Love-Mas­sak­er ist die Deutsche Bahn. 

Muss diese nun mit­te­lal­ter­liche Meth­o­d­en auf­fahren? Soll­ten die Henker der Liebe, orangene Warn­masken über ihren „Prinz Eisen­herz“ Frisuren tra­gen, während sie die Schlöss­er knack­en?

So wür­den all die Paare ihren Anti-Armor zumin­d­est nicht zu Gesicht bekom­men. Ich sehe den Lynch­mob mit Fack­eln und Mist­ga­beln bere­its in der Alt­stadt ste­hen und in meinen Träu­men erwachen tausende Paare am näch­sten Mor­gen und ken­nen einan­der nicht mehr. Der Welt bliebe dadurch sich­er einiges erspart. 

Aber Köln wäre nicht Köln, wenn es nicht auch andere Optio­nen gäbe.

Eine weit­ere Möglichkeit die Liebe zu ret­ten wäre, die Schlöss­er nicht zu knack­en, son­dern die Schlüs­sel von einem Kampf­tauch­er-Batal­lion der Bun­deswehr her­auf­tauchen zu lassen. Bewaffnet mit rosaroten Taucher­brillen und einem Mag­net. Teil der „Oper­a­tion Eisen­herz“ ist es, jedes Schloss einzeln zu öff­nen und an einen anderen weniger promi­nen­ten Ort umzusiedeln. Das kostet Zeit, geschieht aber im Dien­ste der Liebe und passt weitaus bess­er zu unser­er her­zlichen, aber dur­chor­gan­isierten Stadt, als der offen­sichtliche Weg.

Hin­ter dem Vorhaben, die Liebesknebel abzu­mon­tieren steckt aber wahrlich keine böse Absicht. Ich sage: “Lasst das ganze Alt­met­all doch hän­gen, denn frei nach dem Mot­to „alte Liebe ros­tet nicht“ sollte dies doch dann alles kein Prob­lem mehr darstellen und der Zaun kann und wird davon langfristig prof­i­tieren.

In diesem Sinne, bleibt Kölsch.

Illustration der Kolumne Liebesschlösser Ja oder Nein
Illus­tra­tion von: Madeleine Degen­hardt

VORSTELLUNG DES AUTORS

LEONARD KUHNEN

Autor & Musiker

Mein Name ist Leonard Kuh­nen. Geboren an Heili­ga­bend, Ehren­felder, Musik­er, Schreiber, Vater und Ehe­mann und immer auf der Suche nach Inspi­ra­tion. Mein Leben ist nicht immer ger­adeaus gelaufen. So bin ich von der Schaus­pielschule geflo­gen, habe Promi­nente chauffiert und 3 Alben her­aus­ge­bracht.

Zulet­zt habe ich einen Karnevalssong geschrieben, den Kölnern*innen in den let­zten 6 Jahren ca. 100.000 Hüte verkauft und Wörter gedreht, gewen­det und jongliert.

Ich kaufe meine Musik auf Vinyl, campe, mag Kun­st, Mode und Sport. Ich schreibe seit mein­er Jugend. Vor allem Lyrik, Song­texte und Kurzgeschicht­en.

VORSTELLUNG DER GAST-ILLUSTRATORIN

MADELEINE DEGENHARDT

Grafikerin, Illustratorin, Keramikkünstlerin & freiberufliche Unsinnmacherin

Wenn es nicht min­destens drei Far­ben hat, wird es dir nicht gefall­en“ Wenn ich so drüber nach denke, jo stimmt. Also war es wohl instink­tiv richtig, als ich mich für die Farb­branche entsch­ieden habe. Ich sitze allerd­ings nicht bei OBI hin­ter der Farb-Schüt­tel-Misch-Mas­chine, wobei bes­timmt auch ganz witzig. Nein. Mich find­et man eher im Großraum Köln hin­ter diversen Schreibtis­chen, Töpfer­drehscheiben und Café-Kuchen­theken. He, he.

Bin ich qual­i­fiziert? Voll! Hab nen Prak­tikum gemacht. Hab ne Aus­bil­dung gemacht. Hab nen Studi­um gemacht. Und am Ende geht es schlicht und ergreifend ums „machen“. Ein­fach machen. Der Sinn des Lebens. Es kann so ein­fach sein. 

Köln. Mag ich ganz gerne. Ken­nen uns erst seit 2 Jahren, will nix über­stürzen. Aber ich glaub, dass kön­nt was Ern­stes wer­den…

Wer mehr über mich wis­sen will, muss mich ganz ordinär googeln. :)

Web­seite: Madeleine Degen­hardt