Portrait von Kölner Künstler Volker Hildebandt

Im “Kün­stler­por­trait über Volk­er Hilde­brandt” erzählen wir euch von unserem Tre­f­fen mit dem Köl­ner Kün­stler Volk­er Hilde­brandt. Er ist bekan­nt für seine Bild­störun­gen. Außer­dem erzählt Volk­er uns von seinem Inter­net Pro­jekt “love pro toto”, welch­es der Liebe an sich gewid­met ist und ein virtuelles Kunst­werk darstellt.

Kölsch, Kuchen und ganz viel Kunst

VOLKER HILDEBRANDT IST EIN SEHR LIEBER NACHBAR

Er wohnt bei mir im Haus. Wir begeg­neten uns das erste Mal, als ich für ihn ein Paket annahm, das er bei mir, ein paar Stock­w­erke über sein­er Woh­nung, am Abend abholen kam. Eines war jedoch schon damals beson­ders, als Dankeschön für meine bloße Pake­tan­nahme bekam ich einen Bild­band von ihm geschenkt, den er mir uner­wartet sogle­ich in die Hand drück­te.

Volk­er Hilde­brandt. Ele­phants. Eyes.” Dies ist der Titel, der auf dem Cov­er geschrieben stand. Es war ein Ausstel­lungskat­a­log seines eige­nen kün­st­lerischen Schaf­fens, anlässlich ein­er Präsen­ta­tion im Rah­men der soge­nan­nten „Tier­schau“ des Wall­raf-Richartz-Muse­ums, die im Zool­o­gis­chen Garten Köln 2007 gezeigt wurde. Als er mit seinem Paket längst wieder gegan­gen war, machte ich es mir auf mein­er Couch gemütlich und schmök­erte in seine Bild­welt ver­tieft.

VOLKER HILDEBRANDT SERVIERT KUCHEN UND KÖLSCH

Die Neugi­er, ihn als Kün­stler ken­nen­zuler­nen und sein langjähriges, erfol­gre­ich­es Schaf­fen zu ergrün­den, war in diesem Moment geweckt. Zum gemütlichen Kaf­feeplausch mit ihm verabre­det, klin­gele dies­mal ich bei ihm, und werde bere­its im Ein­gangs­bere­ich von ganz viel Kun­st emp­fan­gen. An sämtlichen Wän­den hän­gen eigene bild­ner­ische Werke, Acryl­malereien auf Lein­wand, bemalte Objek­te und Plas­tiken,  medi­al-dig­i­tale Drucke und eben­so viele Werke ander­er renom­miert­er Kün­stler, deren Schaf­fen er schätzt. Selb­st die Fuß­mat­te ziert mit „LOVE“ eine Anspielung auf den Leit­satz sein­er jüng­sten dig­i­tal­en Arbeit, die als „love pro toto“ veröf­fentlicht ist. Fasziniert schweift mein Blick über seine großflächig bebilderten Wände. Volk­er muss mein Staunen bemerkt haben, lachend set­zen wir uns gemein­sam an seinen gemütlichen Esstisch, der als üppige Kaf­feetafel gedeckt ist, wobei er mir, zusät­zlich zum Kaf­fee, eben­so lock­er ein frisches Kölsch serviert, was her­rlich schmeckt und seine Unkom­pliziertheit zeigt.

VOLKER HILDEBRANDTS LIEBE ZU KÖLN: KEIN 1.FC KÖLN SPIEL WIRD VERPASST

In Duis­burg geboren, hat Volk­er Hilde­brandt in Bonn und Köln zunächst Jura, Kun­st­geschichte sowie Son­der­päd­a­gogik studiert, hielt bis 1988 sein Ate­lier in Duis­burg, wohnt und lebt sei­ther in Köln, wo er tief ver­wurzelt ist. Er mag an sein­er Stadt das Mul­ti­kul­ti-Leben am Eigel­stein, ins­beson­dere in der Wei­den­gasse. Er schätzt den etablierten Köl­ner Kun­st­markt und die bre­ite Muse­um­s­land­schaft. Eines sein­er Werke (eine bemalte Kreuz-Skulp­tur) gehört gar selb­st zur Samm­lung des Kolum­ba-Muse­ums. Seine „kölsche“ Ader zeigt sich nicht zulet­zt daran, dass er, ins­ge­samt sport­begeis­tert, kein Spiel des 1. FC Köln ver­passen mag.

VOLKER HILDEBRANDTS KÜNSTLERISCHES SCHAFFEN: DAS GESTÖRTE BILD ALS AUTHENTISCHENS BILD

Die Kaf­feekränzchen-Plaud­erei entwick­elt sich mit Leichtigkeit zum tief­sin­ni­gen Gespräch über Volk­ers kün­st­lerisches Schaf­fen. Er habe Bilder, stelle selb­st welche her, fer­tige im eigentlichen Sinn aber „Bild-Störun­gen“. Das sei para­dox, zumal diese selb­st Bilder seien. Der Hin­ter­grund sei fol­gen­der: Seit Erfind­ung der Fotografie sei es möglich, Bilder „kün­stlich“ herzustellen und tech­nisch zu repro­duzieren. Seit Kino, Fernse­hen, Video und Com­put­er existierten dem­nach Bilder, die außer­halb des jew­eili­gen Medi­ums keine materielle Exis­tenz (zum Beispiel an ein­er Wand) hät­ten. In Bezug auf den Real­itäts­ge­halt dieser „kün­stlichen“ Fernse­hbilder kommt Hilde­brandt zu dem Schluss, dass die wirk­lichen Bilder, die vom Fernse­hen selb­st­tätig pro­duziert wür­den, „Bild­störun­gen“ seien. Erst das gestörte Bild erscheine ihm als authen­tis­ches Bild!

Er begin­nt fol­gerichtig, das Flim­mern der typ­is­chen schwarzen, weißen und grauen „Bild­störungs-Punk­te“ (vgl. „Schnee“) mit Acryl­farbe auf Lein­wand zu über­tra­gen und trans­feriert die medi­al bed­ingte „flüchtige“ Bild­störung auf diese Weise zum „sta­tis­chen materiellen“ Bild, was dem Betra­chter damit erst zugänglich gemacht wird.

VOLKER HILDEBRANDT STELLT SICH VOR, ER STELLE SICH NICHTS VOR

Sein Oeu­vre ist zu Anfang dominiert von mono­chromer grauer Acryl­malerei, die den Ein­druck von Zeit­losigkeit visuell ver­mit­telt. In weit­eren Arbeit­en man­i­festieren sich unzäh­lige schwarze Punk­te auf weißer Fläche, was dem Betra­chter eine vitale Anmu­tung der Unendlichkeit des Uni­ver­sums bildlich vor Augen führt. In ein­er Art Neuaus­rich­tung seines Schaf­fens entwick­elt er eine Vielzahl graviert­er Mess­ingschilder, die er auf Bilder­rah­men mon­tiert, mit Worten und Phrasen, die auf eine Art „Nullpunkt“ ver­weisen, von dem aus er neu gestal­ten kann. Sie laut­en entsprechend: „Bild­ver­weigerung“, „ohne Kom­men­tar“, „Stell dir vor, du stellst dir nichts vor“, genau­so wie „Titel für Bilder, die ich aber nicht mehr gemalt habe“. Durch die nach­fol­gende Malerei und die Artiku­la­tion der „Bild­störung“ kann er sich schließlich aus ein­er medi­al begren­zten Welt befreien.

VOLKER HILDEBRANDTS ONLINE-PROJEKT: “LOVE PRO TOTO

Seit Mitte 2009, nach dem schmer­zlichen Ende ein­er per­sön­lichen großen Liebe, beschloss er im Inter­net ein Pro­jekt zu starten, welch­es der Liebe an sich gewid­met ist. Inspiri­ert vom lateinis­chen Satz „pars pro toto“ (Bedeu­tung: „ein Teil für das Ganze“) kreiert er mit „love pro toto“ zugle­ich den Titel und Marken­na­men für sein virtuelles Kunst­werk.

Während Nachricht­en über Ter­ro­rat­tack­en und grausame Ide­olo­gien sich heutzu­tage häufen, sei es an der Zeit, so der Kün­stler, den Men­schen in einem gemein­samen Traum das Gefühl zu geben, ein wichtiger Teil des Ganzen, eines glob­alen Kunst­werks zu sein. In Form sein­er „glob­alen sozialen Skulp­tur“ sei jed­er gefragt, den magis­chen Satz „Ich liebe dich!“ zu allen Men­schen zu sagen, indem man ihn, authen­tisch in der jew­eili­gen Lan­dessprache und mit ganz per­sön­lichem Aus­druck, per Video­clip hochlade. Volk­er Hilde­brandt begrün­det sein Anliegen wie fol­gt: Weil es schön ist, „Ich liebe dich!“ zu sagen und „Ich liebe dich!“ zu hören. Dabei stelle die jet­zige Form von „love pro toto“ für ihn nur einen Anfang dar.

32 TAGE BIS ZUR WELT VOLLER LIEBE. „LOVE PRO TOTOIST EIN GLOBALES KUNSTPROJEKT

Anlässlich des diesjähri­gen Valentin­stags wur­den in der DD55 Gallery bei ein­er Sam­me­lausstel­lung unter dem Titel „Gram­mar of Love“ Hal­tun­gen und Werke divers­er Kun­st­größen wie Robert Indi­ana, Kei­th Har­ing und ander­er gezeigt, welche sich alle mit dem The­ma „Liebe“ auseinan­der­set­zen. Eröffnet wurde die Ausstel­lung mit Gruß­worten von Hel­la von Sin­nen, ein­er Fre­undin des Kün­stlers Volk­er Hilde­brandt. Es wur­den mehrere Werke Hilde­brandts gezeigt, selb­stver­ständlich ist er mit seinem Herzen­spro­jekt „love pro toto“ vertreten.

32 Tage bis zur Welt voller Liebe. „love pro toto“ ist ein glob­ales Kun­st­pro­jekt mit dem Ziel, diesen Traum Wirk­lichkeit wer­den zu lassen. Wenn alle mit­machen, 5 Minuten dafür geben, wenn alle Men­schen zu allen anderen sagen: „Ich liebe dich!“, in einem kleinen Video, in ihrer Sprache. Und alle Men­schen wür­den zwei andere dazu bewe­gen, das auch zu tun. Wenn alle das tun, ist das Ziel erre­icht. Eine Welt voller Liebe. 32 Tage dauert das.

Hier­mit lädt der Köl­ner Medi­enkün­stler Volk­er Hilde­brandt alle WE ARE CITY — Leser zum Mit­machen ein!

WE ARE CITY sagt: „Volk­er, wir lieben dich!“

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