Baum mit dem Köln Pfad Zeichen

Es gibt da diese Idee — in einem Jahr rund um Köln zu wan­dern. Bewusst ein paar Stun­den dem Großs­tadt­trubel zu entkom­men. Bei Wind und Wet­ter rauszuge­hen, mal ganz alleine, mal zu zweit oder auch in großer Runde. In elf Etap­pen geht es zu Fuß auf dem Köln Pfad um unsere Stadt herum, ins­ge­samt 171 Kilo­me­ter. Die Etap­pen sind zwis­chen neun und 22 Kilo­me­ter lang und jede Etappe begin­nt und endet in der Nähe ein­er Bahn­sta­tion – also per­fekt für WE ARE CITY Großs­tadtkinder. Los geht es mit dem Köln Pfad: Etappe Sechs.

ETAPPE ACHT

VON THIELENBRUCH NACH BENSBERG

Es ist kurz nach zehn in der Früh an diesem Son­ntagvor­mit­tag, als ich mich nach ein­er durch­feierten Nacht aus dem Bett quäle. Für 12 Uhr ste­ht in meinem Kalen­der die näch­ste Etappe des Köln Pfads. Und geplant ist geplant, auch wenn die Nacht noch in den Knochen steckt. Erst­mal ein Schluck Wass­er und Mag­ne­sium Brause, dann packe ich meinen Wan­der­ruck­sack, steige in die Wan­der­schuhe und ste­he um kurz nach elf Uhr an der Hal­testelle. Die Bahn fährt vor, ich steige ein. Am Ebert­platz steige ich um in die Lin­ie 18 und fahre mit dieser bis zur End­sta­tion nach Thie­len­bruch. Aus Großs­tadt Flair wird Vorort Charme, die Bäume wer­den größer und die Häuser klein­er. Um 12 Uhr steige ich aus der Bahn aus und ste­he wieder in dem his­torischen Bahn­hof in Thie­len­bruch. Ein alter Schriftzug weist mir den Aus­gang und ein paar Schritte später ste­he ich am Wal­drand. Hier wo Etappe 7 endete, beginne ich heute die 18 Kilo­me­ter lange achte Etappe bis nach Bens­berg.

DIE ANGST EINEM WILDSCHWEIN ZU BEGEGNEN BEIM KÖLN PFAD ETAPPE ACHT

Die let­zte Wan­derung liegt noch nicht lange zurück und so kommt mir dieser Ort, den ich erst zum zweit­en Mal in meinem Leben besuche, selt­sam ver­traut vor. Ich biege nach rechts in den Wald­weg ein und folge den ersten Markierun­gen. Hier ist alles friedlich. Vögel zwitsch­ern in den Baumkro­nen, Fam­i­lien spazieren gemein­sam zum näch­sten Spielplatz. Es wird fre­undlich gegrüßt. Und ich vergesse so langsam den hol­pri­gen Start in diesen Mor­gen. Ich laufe weit­er den schwarz weißen Markierun­gen hin­ter­her. Über Brück­en und kleine Bäche, Wald­wege ent­lang, durch kleine Dör­fer und über bre­it angelegte Erleb­nisp­fade. Die erste Stunde ver­fliegt. Und ich finde mich schnell in Refrath wieder, hier wo ich selb­st aufgewach­sen bin. Ich laufe ein paar Meter weit­er zur Saaler Müh­le. Ein Stück am See ent­lang weit­er Rich­tung Golf­platz. Ent­lang an ein­er kleinen Land­straße und dann nach rechts ins Dic­kicht. Der kleine Pfad welch­er vor mir liegt sieht so ungenutzt aus, dass ich noch ein­mal kurz ein paar Schritte zurück gehe um zu sehen, ob ich wirk­lich richtig bin. Aber tat­säch­lich hier soll ich wohl lang. Die Bäume ste­hen hier so dicht, dass sie ineinan­der greifen. Der Weg ist schmal und uneben, über­all Wurzel­gewächs. Ich muss auf­passen, wohin ich trete. Bäume liegen hier quer über dem Weg und es ist so still, dass ich nur die Natur höre. Links von mir bewegt sich etwas. Ein kleines Rascheln, in dem Moment läuft ein Eich­hörnchen den Baum neben mir hin­auf. Ich denke darüber nach, was ich eigentlich tun würde, wenn nun ein Wild­schwein vor mir auf­taucht. Bleibt man bess­er ein­fach ste­hen, ent­fer­nt man sich langsam, schre­it man? Ich hol mein Notizbuch raus und notiere ‚Ver­hal­ten bei Tre­f­fen mit Wild­schweinen googeln‘. Ein paar Meter weit­er endet der kleine Pfad, so plöt­zlich wie er begonnen hat. Ich bin wieder auf einem der angelegten Wald­wege unter­wegs und begeg­ne nun auch wieder anderen Men­schen. Und meine Angst einem Wild­schein zu begeg­nen ver­schwindet.

DER KÖLNER DOM AUF DER ETAPPE ACHT

Eine Ecke weit­er ste­he ich am Fuß eines Berges vor einem Bauern­hof. Hier kann man frische Milch und Eier direkt vom Bauern kaufen. Hach, Landleben, wie schön du bist! Ich folge den Markierun­gen über den Hof hin­weg und den Berg hin­auf. Fast am Gipfel ste­ht eine Holzbank, der per­fek­te Pausen­platz. Die Sonne strahlt, am Him­mel sind kaum Wolken zu find­en und als ich meinen Blick schweifen lasse, ent­decke ich den Köl­ner Dom. Zwis­chen den Baumkro­nen, ganz hin­ten am Hor­i­zont, ste­ht er dort und wacht über unsere Stadt. Noch ein­mal tief dur­chat­men. Dann geht es weit­er den Berg hin­auf. Die Anstren­gung der let­zten Nacht merk ich hier beson­ders. Eine extra Por­tion Mag­ne­sium wäre wohl auch nicht verkehrt gewe­sen. Aber da muss ich jet­zt durch, hier gibt es kein Zurück mehr. Der Köln Pfad führt mich auf ein­er Land­straße vor­bei am Dorf Bre­ite, bevor es dann wieder in den Wald geht. Die Stei­gung, die ich soeben hoch gelaufen bin, laufe ich nun auf dem Wald­weg fast kom­plett wieder bergab. Bis in ein kleines Tal, dann geht’s wieder hoch. Am Ende des Weges ste­ht das “Naturfre­un­de­haus Hardt”. Es ist Son­ntag­mit­tag und so ist es hier richtig trube­lig. Fam­i­lien sitzen im Bier­garten, Kinder spie­len auf der angren­zen­den Wiese und jed­er Zweite hat ein Eis in der Hand. An diesem Son­ntag ist das etwas viel für mich und so entschei­de ich mich gegen eine Pause und laufe ein­fach weit­er, wieder in den Wald. Mit jedem Schritt wird es wieder ruhiger. Fast von allein laufe ich hier die Wege. Einen Großteil mein­er Kind­heit habe ich hier ver­bracht, hier kenne ich mich aus und weiß in etwa wo es langge­ht. Die schwarz weißen Markierun­gen geben den­noch Sicher­heit. Jet­zt heißt es End­spurt. Vor mir liegt noch eine let­zte steile Stei­gung, bevor ich dann mein Ziel das Schloss Bens­berg erre­iche. Mit­ten im Wald bleibe ich kurz ste­hen. Trinke einen Schluck Wass­er und atme noch ein­mal bewusst durch, bevor ich dieses let­zte Stück der Strecke antrete. Der Weg führt mich hin­aus aus dem Wald, über einen Park­platz in ein Wohnge­bi­et. Nun geht es nur noch langsam voran. Ein Schritt nach dem anderen gehe ich die let­zten Meter des Bergs hoch, nehme ein paar let­zte Trep­pen­stufen, bevor ich dann ganz plöt­zlich am Gipfel an gelange. Direkt durch­strömt mich ein Gefühl der Erle­ichterung. Etappe Acht des Köln Pfad habe ich tat­säch­lich geschafft. Auch wenn ich mir nicht immer sich­er war, aber meine Beine haben mich getra­gen. Und die frische Luft hat das Restliche getan. Die Kater­stim­mung ist weg und ich bin glück­lich, dass ich heute nicht liegen geblieben bin.

ANMERKUNG DER REDAKTION: Das war Etappe Acht – noch weit­ere drei Etap­pen fol­gen dieses Jahr.
Im Okto­ber möcht­en wir euch ein­laden mit uns, dem Kollek­tiv von WE ARE CITY, gemein­sam zu wan­dern. Merkt euch ein­mal den 3. Okto­ber 2019, denn da starten wir gemein­sam mit euch in Etappe 9 von Bens­berg nach Wahn. Hier find­et ihr die Face­book-Ver­anstal­tung dazu.

Der Köln Pfad auf einen Blick:
Etappe
Acht

Start: KVB Hal­testelle Thie­len­bruch (Lin­ie 18)
Ende: KVB Hal­testelle Bens­berg (Lin­ie 1)
Dis­tanz: 18 Kilo­me­ter
Dauer: ca. 3 ½ Stun­den
Die Strecke: Von der his­torischen Hal­testelle Thie­len­bruch über Gierath, ver­läuft die Etappe ent­lang der Saaler Müh­le bis hin­auf ins kleine Dorf Bre­ite. Danach geht es etwas bergab zum Naturfre­unde Haus Hardt und weit­er zum Milch­born­tal, bevor es dann nochmal steil hin­auf zum Schloss Bens­berg geht. Ihr soll­tet für diese Strecke Aus­dauer mit­brin­gen, oder mehr Zeit ein­pla­nen.
Empfehlenswert:
Nach­dem ihr an Schloss Ler­bach und der Milchzapft­sta­tion vor­bei gelaufen seid, werdet ihr einen Hügel hin­aus laufen. Dort ste­ht eine Bank. Legt hier eine kleine Pause ein und genießt den Aus­blick. Bei gutem Wet­ter kön­nt ihr den Dom am Hor­i­zont ent­deck­en.
Aus­rüs­tung: Quer durch den Wald und Berge auf und ab führt euch dieser Weg, daher ist festes Schuh­w­erk ange­sagt und im besten Fall schlüpft ihr in eure Wan­der­schuhe.
Soll­tet ihr immer dabei haben: Wer möchte kann auf Ent­deck­ungs­tour gehen und einen kleinen Botanik Führer mit­nehmen und aller­lei Pflanzen ent­deck­en. Und auch im Herb­st emp­fiehlt es sich Son­nen­creme einzu­pack­en, wenn die Sonne an eurem Wan­dertag scheint.

AUF EINEN BLICK

Köl­ner Eifelvere­in — Köln Pfad — Web­seite
Naturfre­un­de­haus Hardt — Web­seite


DER KÖLN PFAD IST EINE SERIE, DIE ALLE VIER WOCHEN AUF WEARECITY ERSCHEINT. DU WILLST DIE ANDEREN EPISODEN AUCH LESEN?

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