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Der legendäre Club King Georg wechselt Besitzer

Der Kölner Club King Georg von Außen

Der Köl­ner Club King Georg schließt nach mehr als zehn Jahren seine Pforten. In diesem unver­gle­ich­baren Club kon­nte man aus dem All­t­ag aus­brechen und sich voll und ganz dem Nachtleben hingeben. Wir haben uns mit dem Besitzer André getrof­fen und über den Kult Club gesprochen.

Wird die Krone vom Kölner Club King Georg weitergereicht?

Klin­geln, ein­treten und ein­fach mal die Zeit vergessen. Das war mehr als zehn Jahre im Köl­ner Club King Georg möglich. Zwis­chen alten Holzvertäfelun­gen, in roman­tisch-schumm­ri­gen Pol­stereck­en oder an einem der vie­len aus­sicht­sre­ichen Plätze an der run­den Theke – in diesem unver­gle­ich­baren Club kon­nte man aus dem All­t­ag aus­brechen, sich voll und ganz dem Nachtleben hingeben.

Das King Georg war eine Utopie von einem Laden. Ent­gren­zt vom All­t­ag, ein Raum für Diskurse und Kul­tur. Fast schon wie ein Schiff­skör­p­er, der jedes Woch­enende ablegt.

André Sauer

Möglich gemacht haben das André Sauer, Jan Lankisch, Wolf­gang Fröm­berg und Co., indem sie Nachtschwärmern Kul­tur in all ihren Aus­prä­gun­gen bracht­en – ob man sich auf einem der vie­len Konz­erten ver­gaß, Lesun­gen lauschte oder zu den Sounds des DJs tanzte.

André Sauer: „Wir haben den Club als Kul­tur­pro­jekt betrieben. Eigentlich ein völ­lig irrwitziges Pro­gramm für einen Laden, in den an einem Konz­ertabend etwa 100 Leute passen.“

Dann hieß es let­ztes Jahr auf ein­mal: Schluss, Ende – das King Georg macht zu! Nach vie­len trau­ri­gen und halb-vor­wurfs­wollen Kom­mentaren stellte sich schnell ein fröh­lich­es Mut­maßen ein. Der König ist tot – lang lebe der König?

Noch-Eigen­tümer André Sauer macht den wilden Speku­la­tio­nen ein Ende. Ab März übern­immt die Mile­stone GmbH und Co. KG das gesamte Haus. Konkrete Umbau­pläne sind noch unbekan­nt, die musikalis­che Zukun­ft dafür nicht: Die neuen Besitzer sind Jazz-Lieb­haber und ‑Förder­er.

Das King Georg soll auch noch die näch­sten 30 Jahre über­leben – das war das Wichtig­ste auf der Suche nach einem neuen Betreiber.

André Sauer

Obwohl sich wahrschein­lich das 70er Jahre Interieur, die Musikaus­rich­tung und auch die Betreiber ändern wer­den, sind sich bei diesem Wech­sel alle einig: „Das wird eine fre­undliche Über­nahme“. Bedeutet: auch die Mélange Galerie ober­halb des Clubs, das Team rund um Book­er Jan Lankisch und Wolf­gang Fröm­berg sowie der ikonis­che Name bleiben. Apro­pos: es heißt King Georg – mit deutsch­er Aussprache und kein feines, englis­ches George!

André Sauer: „Ich wollte den Namen King George unter keinen Umstän­den. Als ich die Neon-Über­schrift des Ladens ändern wollte, fiel mir auf, dass nie ein „-e“ da war. Eigentlich hieß er schon immer King Georg.“

Das falsche George, das dem englis­chen König Georg IV. nachemp­fun­den war, erin­nert nur noch an den schäbi­gen Zus­tand des Clubs vor 2008, als die Anzahl der Tep­pich­fleck­en noch die der Gäste übertrumpfte. Doch auch in diesem Zus­tand ver­liebte sich André auf Anhieb in den Laden.

Ich bin rein und wusste direkt, das ist es … dieser Laden ist einzi­gar­tig.

André Sauer

Das kom­mu­nika­tive Umfeld schätzen auch die Gäste, die sich von Don­ner­stag bis Son­ntag zum Ebert­platz auf­machen. Doch nicht nur sie: Auch die vie­len Kün­stler, die im King Georg Konz­erte gaben oder aus ihren eige­nen Roma­nen lasen, schätzten den Laden, der nicht um des Geldes willen eröffnet wurde – son­dern nur für Musik und Kul­tur lebte.

André Sauer: „Deswe­gen haben wir auch so hell gebran­nt, entwed­er man liebt seinen Club abgöt­tisch, will den toll­sten Laden der Welt auf die Beine stellen oder man lässt es lieber gle­ich.“

Unterm Strich heißt es jet­zt doch (erst­mal) Abschied nehmen. Wie? Bis Mai geht das Pro­gramm unverän­dert weit­er, bevor die Som­mer­pause für den Umbau genutzt wird. Dann bleibt diese Schiff­skör­p­er-ähn­liche Utopie zunächst bis Sep­tem­ber geschlossen. Ab Sep­tem­ber startet das neue alte King Georg mit vie­len bekan­nten Gesichtern, gewohnt gutem Book­ing am Fre­itag & Sam­stag, neb­st kuratiertem Jaz­zpro­gramm unter der Woche.

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1 Comment
  1. Echopark

    15. Oktober 2019 13:34

    Das King Georg war Teil der Geschichte der Stadt Köln, Leg­ende, Kult und eine Loca­tion mit in Deutsch­land ein­ma­liger Atmo­sphäre. Design- und architek­turhis­torisch von unschätzbarem Wert, da nahezu im Orig­i­nalzu­s­tand erhal­ten. All das ist durch den Umbau zer­stört wor­den. Das ist durch nichts zu recht­fer­ti­gen. Das neue Design ist glatt und aus­tauschbar, Clubs dieser Art gibt es wie Sand am Meer. Das alte King Georg gab es nur ein­mal auf der Welt. Wie kann man so etwas zer­stören? Es hätte um jeden Preis erhal­ten und sorgfältig ren­oviert und restau­ri­ert wer­den müssen.

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