Kilian von Das Ohr in der Südstadt

Das Ohr ist ein Raum für musikalisch-poli­tis­che Teil­habe und wurde von Köln Spricht freiberu­flichen Musik­lehren­den ins Leben gerufen. Was das Konzept von Köln spricht ist und inwieweit Das Ohr einen Aus­tausch auf mehreren Ebe­nen fördert, haben wir im Gespräch mit Sarah — Vere­ins­mit­glied bei Sprich e.V. — und Kil­ian — selb­st­ständi­ger Musik­er — erfahren.

DAS OHR: DER NEUE LIEBLINGSO(H)RT DER SÜDSTADT

Die eigene kleine Blase – gemütlich ist sie ja schon! Viel zu oft wid­men wir uns densel­ben Beschäf­ti­gun­gen, viel zu oft umgeben wir uns mit den gle­ichen Mei­n­un­gen. Und sind wir mal ehrlich: aus unseren Kom­fort­zo­nen schlüpfen wir nur sel­ten und ungern her­aus! Doch wie ver­hält man sich, wenn man plöt­zlich im engeren Bekan­ntenkreis mit anderen Ansicht­en kon­fron­tiert wird? Sollte man die Per­son ignori­eren? Demokratie sollte doch heißen, dass man über den eige­nen Teller­rand schaut und auch mal etwas an sich selb­st verän­dert – oder etwa nicht? So sieht es das Team von Köln spricht, die in Koop­er­a­tion mit freiberu­flichen Musik­lehren­den den all­ge­gen­wär­ti­gen Kom­fort­zo­nen den Kampf ange­sagt haben. Dafür haben sie einen Vere­in ins Leben gerufen und einen Ort geschaf­fen, das Ohr: Raum für musikalisch-poli­tis­che Teil­habe, der als nicht nur der Köl­ner Süd­stadt als öffentlich­es Wohnz­im­mer dient. Was das Konzept von Köln spricht ist und inwieweit Das Ohr einen Aus­tausch auf mehreren Ebe­nen fördert, haben wir im Gespräch mit Sarah — Vere­ins­mit­glied bei Sprich e.V. — und Kil­ian — selb­st­ständi­ger Musik­er — erfahren.

MITEINANDER SPRECHEN STATT ÜBEREINANDER

Vin­tage-Möbel, eine große Schaufen­ster­front und der Charme ein­er handw­erk­lichen Eigen­leis­tung – Das Ohrwirkt ein­ladend, mod­ern und trotz­dem nicht zu durchgestylt. Man sieht, dass mehrere Hände angepackt haben, um den ein­sti­gen Friseur­sa­lon in ein mul­ti­funk­tionales Wohnz­im­mer zu ver­wan­deln. Gut, die Trock­en­haube durfte bleiben – allein schon, weil sie an das ehe­ma­lige Album-Cov­er von “Ahl Män­ner, aal­glatt” von BAP erin­nert, die damals im väter­lichen Salon ihre ersten Proben abhiel­ten. Während uns Kil­ian kurz über die Musikgeschichte des Raumes aufk­lärt, machen wir es uns zwis­chen Instru­menten und Plakat­en gemütlich.

Alles begann im April 2016, erzählt uns Sarah, die seit zwei Jahren Vere­ins­mit­glied bei Sprich e.V. ist. Grün­der Fabio lud über Face­book zur demokratis­chen Speak­ers’ Cor­ner – ein offenes Disku­tieren über poli­tis­che und gesellschaftliche Fra­gen. Es kamen mehr als 500 Leute, die dem per­sön­lichen Impuls von Fabio lauschen und sich an der Diskus­sion beteili­gen woll­ten. „Aktiv wer­den“ – das war damals und ist immer noch das Ziel von Köln spricht.

Die Idee von ‘Köln spricht’ war einen Raum zu schaf­fen für mehrere Mei­n­un­gen und mehrere Per­so­n­en, die sich so nicht begeg­nen wür­den. Man sollte anfan­gen miteinan­der zu sprechen statt übere­inan­der.

Sarah

Mit­tler­weile ste­hen nicht mehr die Red­ner, son­dern das Pub­likum im Mit­telpunkt, das sich das Mikro schnappt, miteinan­der argu­men­tiert oder von per­sön­lichen Schick­salen berichtet. Voraus­set­zung ist, dass eine ent­waffnete Atmo­sphäre herrscht, ohne Diskri­m­inierung und Monokausal­ität.

Gutes Argu­men­tieren – wie soll das gehen, wenn ich immer nur mit Per­so­n­en rede, die mein­er Mei­n­ung sind?

Sarah

Die Möglichkeit dazu hat man jeden ersten Son­ntag im Monat, wenn the­men­spez­i­fis­che Ver­anstal­tun­gen samt Speak­er und Mod­er­a­toren im Ohrstat­tfind­en. Ob Fragestel­lun­gen zum Daten­schutz oder The­menabende zur Depres­sion – die Nach­frage und das Inter­esse an den Events ist so groß, dass es mit­tler­weile entsprechende Pen­dants in Düs­sel­dorf, Wup­per­tal, Bonn und Berlin gibt. Einzi­gar­tig ist dage­gen Das Ohr als miet­bar­er Ver­anstal­tungsraum, öffentlich­er Cowork­ing Space und Musikschule.

GEMEINSAMES MUSIZIEREN ALS FUNKTIONIERENDE KOMMUNIKATION

Mein Ziel ist es, Men­schen Musik nahezubrin­gen. Ich will keinen hohen Lern­druck oder die gängige Eliten­förderung. Räume zu schaf­fen, wo auch Beruf­stätige abends im Ensem­ble Musikun­ter­richt nehmen kön­nen.

Kil­ian

Sechs Musik­er und Musik­erin­nen bieten Unter­richt in Einzel- und Grup­pen­stun­den an. Dieser soll nicht als müh­selige Unter­weisung, son­dern als gesel­liger und wohltuen­der Musik­mo­ment erfahren wer­den. Von den klas­sis­chen Band-Instru­menten über Jazz und klas­sis­chen Gesang bis hin zu Quer­flöte und Sax­ophon – anmelden kann man sich ganz ein­fach per Mail über das-ohr.koeln.

Den Schw­er­punkt legt die Musikschule im Das Ohr auf ein nicht-elitäres Umfeld und auf aktive Mit­gestal­tung. Das ist auch Kil­ians Prämisse, der sowohl selb­st­ständi­ger Musik­er als auch Mit­glied bei Köln spricht ist.

Als Angestell­ter in ein­er Musikschule kann man nicht mit­gestal­ten. Ich will Men­schen nicht sagen, was sie tun sollen. Ich möchte, dass Mit­men­schen gemein­sam erar­beit­en, was wir machen.

Kil­ian

Gemein­sames Musizieren als funk­tion­ierende Kom­mu­nika­tion. Ein klein­er Schub­ser in die richtige Rich­tung. Das Ohr motiviert dazu, seinen einge­fahre­nen All­t­ag zu verän­dern und sich auszupro­bieren.

Wir wollen Men­schen zusam­men­brin­gen und einen Aus­tausch ermöglichen – das ist das ober­ste Ziel von Musik und das ober­ste Ziel von Köln spricht.

Kil­ian

Find­en wir gut und ver­ste­hen schnell, warum dieser Raum Lieblingso(h)rt-Potenzial hat.

AUF EINEN BLICK

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Pro­gramm:
Themen­event an jedem ersten Son­ntag im Monat
Offene Teamtr­e­f­fen am Dien­stagabend