Boxer im Ring

Der Jab ist ein schneller, nicht beson­ders har­ter Schlag. Ein Box­er nutzt ihn, um die „Luftlin­ie“ zum Geg­n­er zu beherrschen. Der Jab stört den Geg­n­er, ver­an­lasst ihn, seine Deck­ung oben zu hal­ten und hält ihn auf Dis­tanz. Ein Box­er, der per­ma­nent den Jab ein­set­zt („Jab­ber“), kann seine Geg­n­er damit zer­mür­ben. — Wenn auch der Unter­ti­tel der Kobum-Box-Ver­anstal­tung „Jab­Jab“ heißt, „zer­mürbt“ und ermüdet sind wir, die Zuschauer, natür­lich lange nicht. Im Gegen­teil, es macht sich ein erwartungsvolles, freudi­ges Kribbeln bei mir bre­it, als ich von der zweit­en Aus­gabe des Events erfahre.

Wir begleiten drei Teilnehmer auf ihrer Kobum-Reise

Erin­nert ihr euch, dass WE ARE CITY im ver­gan­genen Jahr mit Ver­anstal­ter Sönke Ander­sen und Train­er Sascha Buc­spun im Gespräch war, um euch tief­ere Ein­blicke anlässlich Kobum I zu geben? Dieses Mal nehmen wir die einzel­nen Kämpfer und Kämpferin­nen genauer in den Blick.

Der Ablauf bei Kobum, dem Laien-Box-Event, ist fol­gen­der: 30 Inter­essen­ten, darunter 11 Frauen, stellen sich als Boxneulinge dem Ziel, am 15. Dezem­ber in fünf 1:1- Paarun­gen ver­schieden­er Gewicht­sklassen gegeneinan­der (in zwei Teams) zu box­en. Alle mühen sich und sind heiß darauf, aber nur das Kobum-Team, inklu­sive Train­er, entschei­den, wer für die Even­tkämpfe let­ztlich aus­gewählt wird.

WE ARE CITY hat sich wiederum dreien der Teil­nehmer beson­ders gewid­met. Wir lassen euch in den kom­menden Wochen und Monat­en „haut­nah“ an ihrer per­sön­lichen Chal­lenge teil­haben. Sind sie es doch, die großen Respekt dafür ver­di­enen, ihr Leben, zumin­d­est für die hal­b­jährige Vor­bere­itung, kom­plett umzustellen. Sie sind diszi­plin­iert, engagiert und vergießen Blut, Schweiß und Trä­nen. Sie haben sich auf „Helden­reise“ begeben, wie Sönke so schön sagt.

Maike: Steigerung der körperlichen Fitness

Äußerst passend zu Sönkes Worten scheint die Tat­sache, dass Teil­nehmerin Maike de Buhr, 30 Jahre, Jour­nal­istin, in Wup­per­tal geboren und vor 10 Jahren nach Köln gezo­gen, ohne­hin auf Super­helden und ähn­lich starke Rollen ste­ht. Maike sieht als Anlass und Ans­porn bei Kobum II teilzunehmen ins­beson­dere die Steigerung der kör­per­lichen Fit­ness. Jet­zt ist es für sie und die anderen Teil­nehmer an der Zeit im neuen Meti­er „Box­en“ selb­st „helden­haft“ zu sein.

Jannusch: Aufstehen und nicht in Passivität verfallen

Jan­nusch Frontzeck, 37 Jahre, stellt einen weit­eren Kan­di­dat­en dar. Er hat Sportwissenschaft und Wirtschaft studiert, ist seit eini­gen Jahren Geschäfts­führer ein­er Tick­et­ing-Fir­ma. Vor einem Jahr hat­te er die Wei­h­nachts­feier seines Betriebes auf das erste Kobum-Event gelegt und hat damals beson­ders den Unter­hal­tungswert der Ver­anstal­tung genossen. Wie er nun dazu käme am 15. Dezem­ber möglicher­weise selb­st im Ring zu ste­hen, habe er mut­maßlich sein­er „großen Klappe“ dies­bezüglich gegenüber Sönke zu ver­danken, meint er schmun­zel­nd. Dabei habe er (als ehe­ma­liger Hand­baller) das Box­en als „Sportart“ zwar nie unter­schätzt, ander­er­seits merke er aber erst am eige­nen Tun, wie kom­plex und anstren­gend es sei, wie struk­turi­ert es abliefe und dass man äußerst akribisch sein und über­haupt das Beste aus seinem Kör­p­er her­aus­holen müsse, um Erfolg zu haben.

Die Entschei­dung, sich über ein halbes Jahr vorzu­bere­it­en, auf den Tag, an dem von der zunächst 30-köp­fi­gen Gruppe an Inter­essen­ten, let­ztlich nur eini­gen Weni­gen gegön­nt ist, für die heiß begehrten Kämpfe am Kobum-Abend auser­wählt zu wer­den, bereut natür­lich kein­er. Auch wenn sie nicht in die Endauswahl kom­men sollte ‑wovon zum jet­zi­gen Zeit­punkt natür­lich keine Rede sein kann- sei den­noch gar nichts umson­st gewe­sen, so Maike. Ihr bere­ite das Train­ing so viel Freude, dass sie für sich fest­stellt: „ohne­hin schon gewon­nen zu haben“. Beim Event im Dezem­ber zu kämpfen ist selb­stver­ständlich die feste Absicht aller ange­trete­nen Kobum-Teil­nehmer, ger­ade dies sei Voraus­set­zung und zeigt ihren starken Willen und Ein­satz an dieses Ziel gelan­gen zu wollen.

Am Kampfgeschehen begeis­tert Jan­nusch beson­ders der Gedanke des respek­tvollen Messens miteinan­der. Box­en ähn­le, sein­er Mei­n­ung nach, dur­chaus dem Tanzen, wo man führe oder auch geführt werde. Um jedoch nicht geschla­gen zu wer­den, müsse man alles dafür geben, sich aktiv vertei­di­gen zu ler­nen. Hierzu sei er bere­it und inter­essiere sich aktuell beson­ders dafür, das Vorhaben eines Geg­n­ers im Vorhinein ahnen zu kön­nen, um damit zu wis­sen, woher der näch­ste Schlag komme, um entsprechend reagieren zu kön­nen. Was ein beson­ders aufre­gen­der Moment bish­er gewe­sen sei und was dur­chaus Über­win­dung gekostet habe, frage ich Jan­nusch. Jeman­den direkt zu schla­gen oder auch bewusst geschla­gen zu wer­den, damit umzuge­hen, aufzuste­hen und nicht in Pas­siv­ität zu ver­fall­en, son­dern weit­erzu­machen, sei ihm wichtig, so die Antwort.

Im Vorhinein wollte auch Maike von sich wis­sen, ob sie über­haupt in der Lage sei, jeman­den zu schla­gen und zudem, wie sie sich dabei fühlen werde. Es war eine neue, prä­gende Erfahrung. Aber genau darum gin­ge es ja, sich unter der Anleitung der Train­er einzuset­zen, die eige­nen Gren­zen zu über­schre­it­en und den eige­nen Hand­lungsraum zu erweit­ern. Selb­st­be­wusst und stark sei sie charak­ter­lich ohne­hin, dieses Bewusst­sein beim Box­en für sich gewinnbrin­gend einzuset­zen sei ihr Ziel.

Sebastian: Den eigenen Körper wirklich fühlen

Sebas­t­ian Trägn­er, 33 Jahre, äußer­lich auf­fäl­lig tätowiert und bunt gek­lei­det, charak­ter­lich eher sehr ruhig und bedächtig, für den Her­re­nausstat­ter „Herr von Eden“ arbei­t­end, ist eben­falls Teil­nehmer. Jeman­den zu schla­gen oder Nehmerqual­itäten beim Ein­steck­en von Schlä­gen zu beweisen, sei für ihn „über­haupt kein The­ma“ gewe­sen. Im Gegen­teil, er finde es „richtig geil“, den eige­nen Kör­p­er wirk­lich fühlen zu kön­nen, und nachzus­püren, wenn einem das Adren­a­lin durch die Adern pumpe.

Zuerst habe es Jan­nusch zwar lei­d­getan, beim Spar­ring jeman­den K.O. geschla­gen zu haben, ein unaufmerk­samer Moment des Geg­n­ers und ein Tre­f­fer an geeigneter Stelle ließen einen dur­chaus manch­mal schon in die Knie gehen, meint er dazu. Ander­er­seits sei er, im Nach­hinein, doch mächtig stolz auf sich gewe­sen, gibt er schließlich schmun­zel­nd zu.

Die Ver­let­zungs­ge­fahr sei in Sportarten natür­lich generell gegeben und Box­en sei nun mal eine Kon­tak­t­sportart, meint Sebas­t­ian gelassen. Momen­tan füh­le er sich allerd­ings tat­säch­lich als einziges „Ganzkör­per­tape“, stellt er lachend fest. Seine Ver­let­zungsliste, seit Train­ings­be­ginn, ist aber auch beachtlich: Ein ver­staucht­es Handge­lenk, eine Adduk­toren­z­er­rung, ein Kapsel­riss im recht­en Dau­men, einige hart geprellte Rip­pen, geplatzte Adern, eine ange­broch­ene Nase, starke Kopf­schmerzen und zahlre­iche weit­ere Blessuren. Aufgeben deshalb sei aber nicht sein Ding! Seine per­sön­liche Chal­lenge sei es, seinem Kör­p­er zu ver­trauen, Geschehenes aushal­ten zu kön­nen, um dann gestärkt zu sein und neu angreifen zu kön­nen. Sein per­sön­lich­er Vorteil inner­halb sein­er Gewicht­sklasse sei seine Größe und damit ver­bun­den auch seine Arm­länge und Reich­weite, die den Geg­n­er auf Dis­tanz hal­ten könne.

Beim gemein­samen Spar­ring mit Frauen sei es Jan­nusch, auf­grund der männlichen Über­legen­heit an Kraft, dur­chaus möglich, dadurch einen Moment länger Zeit zu haben, sich bewusster auf die eigene Atmung zu konzen­tri­eren, sich damit länger über die Tech­nik eine Schlages Gedanken machen zu kön­nen und let­ztlich ins­ge­samt vari­anten­re­ich­er trainieren zu kön­nen.

Über­haupt sei Box­en, da sind sich wiederum alle einig, zwar eine 1:1‑Begegnung, aber man brauche das Team an wun­der­vollen Leuten, die dieses Jahr teil­näh­men und alle das­selbe woll­ten. Es bestünde dadurch die Gele­gen­heit sich gegen­seit­ig zu motivieren, sich im Gespräch über jew­eils neu gemachte Erfahrun­gen auf Augen­höhe auszu­tauschen, wie zulet­zt, als das gesamte Team zusam­men essen gegan­gen sei.

Mit diesem vor­läu­fi­gen Résumé schließen wir den Ein­blick in die psy­chis­che und physis­che Vor­bere­itungsphase der Kobum II- Kämpfer. In ein paar Wochen lest ihr hier wie es weit­erge­gan­gen ist. Bleibt dran an eurem Ziel, Jan­nusch, Maike und Sebas­t­ian!

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weit­ere Beiträge zu Kobum:
Kobum First Punch
Kobum II — Vor­bere­itun­gen für den Tag der Entschei­dung
Kobum II — der Epi­log