Kampfpaarung mit Ringrichter im Ring

Über 50 Kan­di­dat­en bere­it­en sich in einem inten­siv­en Train­ing auf ihren ersten Boxkampf vor. KOBUM macht aus bluti­gen Anfängern blu­tende Kämpfer.
In einem harten Auswahl­prozess von drei Phasen wählen sie die besten Kämpfer aus. 10 Kämpfer und Kämpferin­nen wer­den das erste Mal in den Ring steigen und gegeneinan­der Kämpfen. Wie die KOBUM Ver­anstal­tung in Köln war, erfahrt ihr im Beitrag.

WAS BEDEUTET KOBUM?

Die Ver­anstal­tungs-Beze­ich­nung „KOBUM“ ergibt sich zusam­menge­set­zt aus K.O. (beim Box­en selb­sterk­lärend) und BUM, was, umgangssprach­lich aus dem Englis­chen über­set­zt, „Fal­lob­st“ bedeutet, und damit bere­its einen Teil­ver­weis auf das neuar­tige Konzept des Ver­anstal­ters Sönke Ander­sen darstellt, näm­lich aus „Anfänger­box­ern“, die Laien sind und im Kampf zunächst früh „aus den Latschen kip­pen“, im Laufe inten­siv­er Train­ings-Zeit „wahre Helden“ zu machen!

NIEDERSCHLÄGE BEIM KOBUM KAMPF

Nieder­schläge“ wün­schte sich Sönke dur­chaus bei der KOBUM-Ver­anstal­tung am 02.12.16 in den Sar­to­ry-Sälen, wo sich, im dafür eigens aufge­baut­en Boxring, fünf Paarun­gen an Box­ern ver­schieden­er Gewicht­sklassen, darunter zwei Frauen, kämpfend begeg­neten. Bei allem Enter­tain­ment, Angst vor Ver­let­zun­gen der Kan­di­dat­en im Ring hat­te Sönke im Vorhinein nicht, er fieberte „aus­geglich­enen Kämpfen“ ent­ge­gen, wobei die Antre­tenden „im Schweiße ihres Angesichts“ alles gaben, max­i­mal engagiert fight­eten und den Kampf spür­bar gewin­nen woll­ten.

SAUBER KÄMPFE BEI KOBUM

Bei tat­säch­lich­er Ver­let­zungs­ge­fahr schre­ite ohne­hin der Ringrichter ein, man wolle tech­nisch saubere Kämpfe, kein Gemet­zel, erk­lärt er mir im Gespräch zuvor. Dies scheint angemessen, angesichts der Tat­sache, dass sich bei der Ver­anstal­tung blutige Voll-Anfänger, d.h. Men­schen wie du und ich, im Ring messen.
Völ­lig „am Beginn“ ste­hen sie natür­lich nicht, es sind alle­samt Per­so­n­en, die sich vor einem hal­ben Jahr entschlossen, sich ein­er enor­men per­sön­lichen Chal­lenge zu stellen, d.h. die Entschei­dung trafen, ihr Leben kom­plett umzustellen, ihre Ess­ge­wohn­heit­en, ihren Train­ings- und Ruhe-Rhyth­mus, sich diszi­plin­iert und engagiert auf den Weg der Chal­lenge macht­en, um auf „Helden­reise“ zu gehen, wie Sönke es nen­nt.

MONATELANGES TRAINING IM BOXCLUB GUTS & GLORY

Nur aus ihrer Moti­va­tion her­aus, sei das für die Kämpfer wohl auch nicht möglich gewe­sen — ihnen wurde, seit­ens des Ver­anstal­ters, die Anleitung und Unter­stützung eines Profi­box­train­ings zugesichert — indem sie in monate­langem Train­ingsphasen im Box­club „Guts & Glo­ry“ von geeigneten Train­ern fit­gemacht wur­den.

HAUPT-KOBUM-TRAINER: SASCHA BUCSPUN

Ein­er der Haupt-Kobum-Train­er ist Sascha Buc­spun, der mir im Gespräch fre­undlich erk­lärt, dass er, in Rus­s­land geboren sei, allerd­ings schon seit frühen Jahren in Brühl lebe, im Herkun­ft­s­land offiziell „Alexan­dr“ genan­nt werde und dass „Sascha“ (in Rus­s­land so üblich) die „pri­vate“ Entsprechung dafür sei. „Wie er seine rus­sis­chen Wurzeln spüre?“, frage ich ihn, und bekomme die wahre, aber nicht ganz ern­st­ge­meinte Antwort, dass er sämtliche rus­sis­che Klis­chees bedi­ene, indem er bere­its als Kind, sowohl im Brüh­ler „Ama­teur­Box­Club“ seine Kampf­stärke schulte,  zugle­ich im Schachvere­in (man denke nur an rus­sis­che Vor­bilder und Schachgrößen wie Gar­ri Kas­parow) seine Gehirnzellen in Kom­bi­na­tion­s­gabe und Tak­tik trainierte. Was heute her­aus­gekom­men ist, ist ein ges­tanden­er Box­er, der seine Sache ernst meint, dessen Boxstil aus der Erfahrung geprägt ist. Sich zur Wehr set­zen zu kön­nen, hält er heutzu­tage alle­mal für wichtig, er beherrsche selb­st diverse Kampfkün­ste, darunter „Jeet Kune Do“, ein von Bruce Lee entwick­el­ter Kampfkun­st­stil zur Selb­stvertei­di­gung.

WIE BOXT SACHA?

Wie boxt Sascha?“, will ich von Sönke erfahren, der es wis­sen muss, weil sich die bei­den tat­säch­lich vor 7–8 Jahren „im Ring“ („kurze Rippe“) ken­nen­lern­ten und bei diversen Spar­rings (Probekämpfen) seit­dem gegeneinan­der fight­eten. Meine Frage macht Sascha Spaß, der sich schmun­zel­nd auf der Couch zurück­lehnt, um inter­essiert Sönkes Antwort abzuwarten. Sönkes eigene Vorteile seien seine Kör­per­größe, damit Arm­länge und Reich­weite. Er glaube, Sascha als erfahre­nen Box­er im Zweifel nur mit ordentlich guter eigen­er Physis, sprich durch Fit­ness und Kon­di­tion, langfristig auf Dis­tanz hal­ten zu kön­nen. Nach seinen box­erischen Zie­len gefragt, meint Sönke schlicht: „Bess­er zu wer­den, sich steigern, um irgend­wann tat­säch­lich mit Fäusten sezieren zu kön­nen!“, ergänzt er noch, worauf bei­de her­zlich lachen.

Man darf nicht vergessen, dass die bei­den aus ganz unter­schiedlichen Rich­tun­gen zum Box­en gekom­men sind und es demgemäß anders betra­cht­en.

MEDIALE GESTALTUNG BEIM BOXEN

Sönke inter­essierte sich z.B. schon als Jugendlich­er beson­ders für das Enter­tain­ment und die medi­ale Gestal­tung im Sport. Beson­ders ein­prägsam war für ihn die Erfahrung des Hypes, den das Box­en in den 90ern mit Größen wie Hen­ri Maske und der­gle­ichen aus­löste. Er ken­nt selb­st noch die Zeit, in der man nur über teure Pay-TV-Sender über­haupt die Chance hat­te, beson­dere Kämpfe mitzuer­leben. Stark imponierte ihm auch seine Erfahrung als Gastschüler in den USA, wo er vom pri­vat­en Aufwand und hohen finanziellen Ein­satz von Men­schen beein­druckt war, alles dafür tun zu wollen, nur um z.B. den ange­sagten Kampf der Boxgi­gan­ten Mike Tyson vs. Evan­der Holy­field miter­leben zu kön­nen, der, bekan­nter Weise, bere­its in der 3. Runde durch den berühmten Ohr-Biss Tysons vorzeit­ig been­det war.
Das Sys­tem und Konzept des Enter­tain­ments ein­er Box-Show, wollte Sönke seit­dem bis in die Tiefe begreifen. 2004 organ­isierte er seine erste eigene Boxver­anstal­tung in Deutsch­land, 2009 gab es eine in Wien, diverse weit­ere fol­gten. „Kobum“ stellt in dieser Ver­anstal­tungsrei­he eine Beson­der­heit dar und erfol­gt nach einem völ­lig neuar­ti­gen Konzept, worauf auch der Unter­ti­tel mit „First (!) Punch“ ver­weist.

SPANNUNG BEIM KOBUM EVENT

Span­nung liegt in der Luft!“, das spüre ich, als ich am frühen Dezem­ber­abend in die Friesen­straße ein­biege, um mich dem Kobum-Ver­anstal­tung­sort in den Sar­to­rysälen zu näh­ern. „Kribbel­nde Vor­freude“ merke ich eben­so, in Erwartung der beson­deren Kämpfe. Ein paar der Kämpfer kenne ich per­sön­lich oder wenig­stens flüchtig aus dem Köl­ner Stadtleben, das macht es beson­ders span­nend für mich. „Wie wer­den sie sich schla­gen?“, frage ich mich ins­ge­heim. Es ist jeden­falls schön zu sehen, wie ganze Trup­ps an Fre­un­den und Fam­i­lien der Kämpfer und Kämpferin­nen sich um den Boxring im Innen­raum des Saales formieren, alle­samt mit Papp­schildern bewaffnet oder bedruck­ten T‑Shirts aus­ges­tat­tet, die Schlachtrufe für ihren Favoriten aufweisen. In Winde­seile füllt sich der Saal. Die Show begin­nt.

Sönke hat nicht zu viel ver­sprochen. Zusam­men mit der Mod­er­a­torin Pia Stutzen­stein führt er durch den Abend, sagt die Kämpfen an, heizt das Pub­likum an, durch Klatschen und Johlen ihre „Stimme“ (als ein Drit­tel) zur Kampf­be­w­er­tung abzugeben, die zusam­men mit dem Ergeb­nis der anwe­senden Profi­jury den jew­eili­gen Kamp­faus­gang entschei­det. Es fight­en jew­eils fünf Box­er aus zwei unter­schiedlichen Lagern gegeneinan­der, aus dem „gel­ben“ oder „schwarzen Team“, mit jew­eils eigen­em Train­er am Ring, der sie coacht. Zwei DJ-Teams (Blitzbangers und ein weit­eres) tra­gen den Fight darüber hin­aus zusät­zlich „musikalisch“ gegeneinan­der aus, indem sie den Einzug des eige­nen oder des geg­ner­ischen Teams mit ihrem Sound pushen.

KAMPF 1: TOMMÜCKE HE vs LUCASEZZETESPETER

Es war mein erster Wet­tbe­werb vor Zuschauern. Ich habe die ganze Zeit drauf gewartet, dass ich nervös werde, aber es war ein­fach nur schön. Ich habe alles aufge­saugt und genossen.

Tom Mücke Her­zog

KAMPF 2: JANNISCURLY KILLERFRÖHLICH vs FRANCESCOFLAVIO TRACTORELUGGERI

KAMPF 3: KATHARINAUPPERKATHAGESING vs AYSEGÜLEISEN EICHEGÜNES

KAMPF 4: DENNISFILIPINO GINOWOSTE vs MICHELSICK CINDERELLAMÜLLER

KAMPF 5: KONSTANTINDR. VAN POWERMIECH vs. JANNIKTHE STATUEFISCHER

Ich habe bei KOBUM gel­ernt, dass ich es schaffe, trotz har­ter kör­per­lich­er Arbeit tagsüber, abends noch box­en zu gehen. Und das nicht nur ab und zu, son­dern regelmäßig.

Tom Mücke Her­zog

ATEMBERAUBENDE BOXKÄMPFE BEIM KOBUM EVENT

Was ich erlebe, ist atem­ber­aubend: Die Kämpfer sind konzen­tri­ert auf den Punkt, sie schenken sich nichts, sie beweisen Mut und Kampfgeist, sie strotzen vor Adren­a­lin und entspan­nen erst, wenn der eigene Kampf vorüber ist, was sich in einem befreien­den Lachen oder ein­er fre­undlichen geg­ner­ischen Umar­mung im Anschluss zeigt.

Ganz Stilecht erhält der Sieger des let­zten Fights, Kon­stan­tin Miech, einen wun­der­schön wer­ti­gen „Box-Man­tel“ aus der aktuellen „Herr von Eden“-Kollektion. Die Anerken­nung und der Respekt wird aber nicht nur ihm, son­dern allen Kämpfern und Kämpferin­nen zu Teil, und dies nicht allein für die Kobum-Kampfleis­tung, son­dern auch für alle Mühen und Beschw­er­den der Vor­bere­itung, für Blut, Schweiß und Trä­nen. — Ihr kön­nt stolz auf euch sein, meint WE ARE CITY!

Sönke und seinem Team wün­schen wir für KOBUM auch in Zukun­ft beson­deren Erfolg. Folge-Ver­anstal­tun­gen sind bere­its geplant und wer­den zeit­nah auf der entsprechen­den Seite bekan­nt­gegeben. — Keep fight­ing!

AUF EINEN BLICK

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Weit­ere Beiträge über KOBUM:

Kobum 3: Han­nahs Box­tage­buch — Phase 1