Indika mixt Cocktail

Wer in der Schillingstraße vor Haus­num­mer 27 ste­ht, ste­ht vor einem unschein­baren, fast hässlichen Gebäude. Typ­isch für einen Köl­ner Nachkriegs­bau wirkt es kalt und unfre­undlich. Wer es aber wagt, die dunkel­braune Holztür zu öff­nen, wird mit ein­er har­monis­chen Gemütlichkeit belohnt, aus der man sich nicht mehr weglullen möchte. Hier ver­birgt sich die im August 2016 eröffnete Cock­tail­bar “Tod­dy Tap­per”. Tis­che, Stüh­le und die Theke sind aus dun­kler Eiche und bieten 38 Plätze für Durstige. An der Seite ste­ht eine vom Regen gehärtete Bank aus Baubohlen. Der süße Geruch von Wachold­er und Sesam liegt in der Luft. Indi­ka, der Besitzer des Spots für Cock­tail-Lieb­haber im Agnesvier­tel, hat ger­ade einen Sirup aufge­set­zt. Aromen sind seine Spezial­ität, er set­zt sie ganz bewusst ein. “Aromen sind an Erin­nerun­gen geknüpft”, sagt der Bar­tender. In diesem Fall sollen sie an sein Heimat­land erin­nern: Sri Lan­ka.

*Dieser Beitrag ent­stand in fre­undlich­er Koop­er­a­tion mit Gaffel Kölsch

Originelle Aromenkombinationen und der Fusel des armen Mannes

Indi­ka hat ein Tal­ent dafür, sri-lankische Aromen mit köl­ner Spir­i­tu­osen zu kom­binieren. An diesem Abend mixt er eigens für uns zwei orig­inelle Drinks: Calan­da-Pfir­sich trifft auf fein­malzi­gen Bier­brand und Kar­damom­sirup. In der zweit­en Vari­ante ver­schmelzen Ing­w­er­marme­lade mit Johan­nis­beeren und Erd­nus­sirup. Die Rezepte für bei­de Drinks ste­hen am Ende dieses Beitrages.

Die Zeit, die man in der gehobe­nen Cock­tail­bar ver­bringt, soll etwas Beson­deres sein. Das wird sie auch, denn die ganz außergewöhn­lichen Drinks sowie der aufmerk­same Ser­vice lassen einen die Außen­welt vergessen. Der Wachold­er-Sesam Sirup, nach dem es in der Bar riecht, wird später zusam­men mit Zitrone, Gin und Sake als Cock­tail “In the mood for love” an den gle­ich­nami­gen chi­ne­sis­chen Film erin­nern.

Über­haupt sind alle Drinks von inter­na­tionalem Flair geprägt.

Doch ein beson­deres Denkmal wird Sri Lan­ka und dem dor­ti­gen Berufs­bild “Tod­dy Tap­per” geset­zt: Män­ner in 20 Metern Höhe bal­ancieren auf Seilen, die von Palme zu Palme befes­tigt sind. Wie Artis­ten laufen sie, nur ohne Sicher­heit. Mit schar­fen Messern durch­schnei­den sie die Kokos­blüten und zapfen den Palm­blüten­saft. Wenn der Saft gegoren ist, nen­nt man diesen “Tod­dy”, es ist der Fusel des armen Mannes.

Das erste Jahr in Köln war die Hölle”

Indi­ka, Besitzer des Tod­dy Tap­per

Vor 16 Jahren ver­lässt Indi­ka sein Land und bringt eine bemerkenswerte Lebens­geschichte mit sich. Er wächst beim Onkel in Aluthga­ma auf, einem kleinen Bade­ort im West­en der Insel. Seine Fam­i­lie prak­tiziert die bud­dhis­tis­chen Lehren. “Deine Gedanken haben die Kraft, dich ein Haus bauen zu lassen oder dich eber trau­rig zu machen. Aber es sind immer die Gedanken, die dich zu Tat­en her­anwach­sen lassen”, sagt der 43-Jährige. Aluthga­ma liegt zwis­chen ein­er Lagune und dem Indis­chen Ozean. Es ist urban, aber der Massen­touris­mus ist hier noch nicht angekom­men. Natür­lich gibt es eine Tem­pelan­lage, seit 2007 ste­ht dort die größte Bud­dha-Stat­ue Asiens. Indi­ka hinge­gen arbeit­et in ein­er Sportan­lage, zuständig ist er für den Wasser­s­ki.

Der Liebe wegen ver­lässt er Sri Lan­ka. Nach einem kurzen Zwis­chen­stopp in Dubai kommt er nach Köln. Da ist er 28 Jahre alt und begin­nt ein ganz anderes Leben. “Das erste Jahr in Köln war die Hölle. Du kennst die Sprache nicht, das Essen ist eine Katas­tro­phe und wenn du mit der Bahn fährst, redet kein­er mit dir. Man ste­ht alleine da.” Eine harte Erfahrung für Indi­ka. Aber er beißt sich durch, bewirbt sich auf ver­schiedene Jobs in der Gas­tronomie und lan­det als Spüler in ein­er Großküche. Dann fängt er an, die Sprache zu ler­nen. “Ohne Sprache bleib­st du ein Außen­seit­er und beobacht­est nur. Aber du hast keine Chance, reinzukom­men”, sagt er heute. Fast ein Jahr spült er während großen Events, dann bewirbt er sich auf einen Aus­bil­dungsplatz in einem großen Hotel und bekommt ein Prak­tikum ange­boten. Nach zwei Wochen darf er die Aus­bil­dung begin­nen. Zu diesem Zeit­punkt ist Indi­ka 30 Jahre alt. “Die Aus­bil­dung war die größte Num­mer für mich, das hat alles ermöglicht”, weiß der Bud­dhist.

Auf dem richtigen Weg

Drei Jahre durch­läuft er sämtliche Bere­iche in der Hotel­lerie; von der Rezep­tion über den Ser­vice im Restau­rant hin zur Bar. Und er spricht mit Men­schen. Je bess­er er mit der Sprache zurecht kommt, umso selb­st­ständi­ger fühlt er sich. Sein Selb­stver­trauen wächst wieder. Zwei weit­ere Jahre bleibt er im Hotel, fünf ins­ge­samt. Sie wer­den zu ein­er fun­da­men­tal­en Zeit für ihn. Er stellt fest, dass er ein Tal­ent für Cock­tails hat, weil er sich mit Aromen ausken­nt. Als er sich schließlich entschei­det, das Hotel zu ver­lassen, fällt ihm das nicht leicht: “Fre­unde und Kol­le­gen waren wie eine Fam­i­lie für mich”, sagt er. Er habe viel gel­ernt in der Zeit aber auch viel ver­loren. Doch sein Drang, sich weit­erzuen­twick­eln und seine bud­dhis­tis­che Per­sis­tenz brin­gen ihn weit­er.

Die näch­ste beru­fliche Etappe läutet er im “Spir­its” ein, eine der besten Cock­tail­bars Deutsch­lands. Dort hat er nach eige­nen Aus­sagen “richtig, richtig viel gel­ernt”. Und gear­beit­et. Er wusste: “Wenn du jet­zt Gas gib­st, kannst du in ein paar Jahren ern­ten.” Es fol­gen weit­ere Sta­tio­nen im “Shep­heard” und dem Gourme­trestau­rant NADA. Nach einiger Zeit spürt er wieder seinen inneren Kom­pass, der ihm eine neue Rich­tung anzeigte: Einen eige­nen Laden.

Drei weit­ere Jahre spaziert Indi­ka nach dem Feier­abend durch Kölns Vier­tel und beobachtet die unter­schiedlichen Straßen. Geduldig will er sein und her­aus­find­en, welche Restau­rants und Bars wo ansäs­sig sind und warum bes­timmte Kneipen gut laufen. Dann find­et er in der Schillingstraße den Ort für seine Lei­den­schaft: Die ehe­ma­lige Absinth-Kneipe Gwen­do­line. Doch zuerst muss von Grund auf ren­oviert wer­den. Die Elek­triz­ität: Sie muss erneuert  wer­den. Die Toi­lette: Sie muss erneuert wer­den: “Alle zwei Wochen wurde es teur­er und teur­er”, sagt der Gas­tronom. Als nicht einge­bürg­ert­er Aus­län­der, der sich zum ersten Mal selb­st­ständig macht, bekommt Indi­ka kein Geld von der Bank. Andere Ver­bün­dete wiederum glauben an seine Idee und helfen. Sein let­ztes Geld investiert Indi­ka kurz vor der Eröff­nung in ein gutes Nach­barschaftsver­hält­nis: Er lädt die kom­plette Straße ein.

Denn Indi­ka weiß um die Sorge der Anwohn­er, die befürcht­en, eine weit­ere zwielichtige Spelunke sei in ihre Straße gezo­gen.

Sie soll­ten mich ken­nen­ler­nen”, erk­lärt er. 120 Neugierige fol­gen der Ein­ladung. Die meis­ten von ihnen sind heute seine Stam­mgäste. Kurz darauf wird er von “Mixol­o­gy”, dem Mag­a­zin für Barkul­tur, für die Mixol­o­gy Bar Awards 2018 in gle­ich zwei Kat­e­gorien nominiert: Zum Gast­ge­ber des Jahres und Mixologe des Jahres.

Mehr Sri Lanka im Agnesviertel

Mit­tler­weile will er Köln längst nicht mehr ver­lassen. “Wenn ich durch die Straßen gehe, gibt mir das Ver­traute ein wohliges Gefühl. Köln ist nicht so kom­merziell wie Lon­don, nicht so schnell wie München oder Ham­burg. In Köln kannst du langsamer gehen, die Men­tal­ität ist eine andere.” Er ist angekom­men und fühlt sich heimisch.

Zusam­men mit seinem Team plant Indi­ka, dieses Jahr Cock­tailschu­lun­gen zu geben. Außer­dem möchte er in Zukun­ft Tapas anbi­eten, die eben­falls an Sri Lan­ka erin­nern weden. 21 Cock­tails wer­den im “Tod­dy Tap­per” ange­boten, plus zwei bis drei saisonale Drinks. Auf Wun­sch hin wer­den aber auch indi­vidu­elle Kreatio­nen gemixt. Auch sehr empfehlenswert! Die Cock­tails kosten zwis­chen neun und zwölf Euro, Tafel­wass­er sowie Nüsse wer­den dazu gere­icht.

Zum Ein­stieg bekommst du hier aber nun die exk­lu­siv­en Rezep­turen für die Cock­tails, die wir an diesem Abend getrunk­en haben.

Eure Char­lotte & Eure Athe­nea

We are sweet

4cl Gaffel Papa Rhein
2cl Gaffel Plüsch Prumm
3cl frisch­er Limet­ten­saft
2cl Kar­damom­sirup

On top: Minz-Espuma

We are smokey

4cl Cacha­ca
3cl Gaffel Schwest­er­herz
1cl Erd­nuss­sirup
3cl Zitro­nen­saft
1cl rauchiger Whiskey
1tl Ing­w­er­marme­lade

AUF EINEN BLICK

Tod­dy Tap­per, Schillingstraße 27, Agnesvier­tel
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