Filmforum Programm

Die Schule des Sehens – zugegeben, diese Beschrei­bung klingt zunächst ein wenig ver­staubt. Und trotz­dem fasst sie tre­f­fend zusam­men, was das Film­fo­rum im Muse­um Lud­wig für Besuch­er sein kann. Schließlich dient das Film­fo­rum der Stadt Köln als Fil­marchiv-Ersatz und als zeit­genös­sis­ch­er Möglichkeit­sraum. Ein Forum, das sich voll und ganz dem bewegten Bild und dem ursprünglichen großen Kino ver­schrieben hat.

BESUCH IM FILMFORUM

Wir haben das Kino im Stil der 70er Jahre besucht und uns mit Esther Rossen­bach, der Pro­grammko­or­di­na­torin des Film­fo­rums, über großes Kino, die Nutzung des Film­fo­rums und über seinen Stand in Köln unter­hal­ten.

WAS MACHT FILME ÜBERHAUPT ZUM GROSSEN KINO-PHÄNOMEN

Klar, die neuesten Block­buster samt visueller Meis­ter­leis­tung ließen sich sicher­lich als groß und teil­weise vielle­icht sog­ar als großar­tig beze­ich­nen. Allerd­ings gehören diese nicht zum Pro­gramm des Film­fo­rums im Muse­um Lud­wig. Dieses möchte sich vielmehr den Fil­men wid­men, die zum einen die inter­na­tionale Filmgeschichte geprägt haben und zum anderen unsere Denkmuster und Gesellschaftsstruk­turen in Frage stellen. Eine ambi­tion­ierte Auf­gabe, die sich nur meis­tern lässt, weil sich engagierte Per­so­n­en zusam­menge­fun­den haben.

Das Film­fo­rum wird näm­lich nicht alleine durch Mit­tel der Stadt finanziert. Stattdessen wird es von neun unter­schiedlichen Part­nern wie der Film­s­tiftung, dem WDR oder dem Ver­bund der freien Film­szene „KinoAk­tiv“ getra­gen. Diese finanzieren die unter­schiedlichen Film- und Ver­anstal­tungsrei­hen sowie Fes­ti­vals wie SEE THE SOUND, die Cologne Con­fer­ence oder das Afri­ka-Film­fes­ti­val zum größten Teil selb­st und stellen damit auch die jew­eili­gen Pro­gramme zusam­men. Das war nicht immer so.

DIE FINANZIERUNG VON FILMHÄUSERN WIE DAS FILMFORUM GESTALTET SICH ZUNEHMEND ALS SCHWIERIG

Bevor das Film­fo­rum in dieser Form 2006 eröffnet wurde, hat­te das Muse­um Lud­wig seine eigene Kine­math­ek. Nach­dem der Mietver­trag aus­ge­laufen war, wollte der dama­lige Muse­ums­di­rek­tor Kasper König den Kinosaal wieder in Betrieb nehmen. Vergebens – Finanzierung­sprob­leme führten dazu, dass die Stadt Köln bis heute keine Kine­math­ek im klas­sis­chen Sinne aufweisen kann. Und damit auch kein kom­mu­nales Kino, das sich auss­chließlich mit Filmgeschichte und Medi­en­päd­a­gogik befasst. Esther Rossen­bach erk­lärt, warum dieser Umstand mehr als nur prob­lema­tisch ist. Denn die Finanzierung von Filmhäusern, die sich mit Filmgeschichte auseinan­der­set­zen, gestal­tet sich zunehmend als schwierig.

Filmkopi­en wer­den sel­tener und gle­ichzeit­ig muss mehr in die Tech­nik investiert wer­den. Diese sowie die Erhal­tung und die Restau­ra­tion von Film­rollen-Kopi­en sind heute enorm kost­spielig.

Esther Rossen­bach

FILMREIHEFILMGESCHICHTE

Vor allem die Film­rei­he „Filmgeschichte“ muss sich mit der Beschaf­fungs-Prob­lematik auseinan­der­set­zen. Die Rei­he konzen­tri­ert sich auf die Essenz des Geschicht­en­erzäh­lens über Bilder. Da diese let­z­tendlich auch Abbilder von Geschichte sind, möchte die Rei­he zeigen, wie aus­gewählte Motive über die Zeit hin­weg behan­delt und kon­stru­iert wer­den. Ein The­men­schw­er­punkt geht über ein Jahr, elf Filme aus unter­schiedlichen Zeit­en helfen dabei, die unter­schiedlichen Facetten und Möglichkeit­en eines Motivs aufzudeck­en.

DEN BLICK FÜRS GROSSE KINO MUSS MAN SCHULEN

Der Kern­punkt der „Filmgeschichte“ ist, dass nicht nur eine Geschichte erzählt wird, son­dern Bilder sprechen. Es geht um die Looks!

Esther Rossen­bach

Denn wenn die Geschichte mit ein­er eige­nen – möglicher­weise sog­ar erstaunlichen – Form ver­schmilzt, dann wird man Zeuge von großem Kino. Schließlich läge der Fokus, so Esther Rossen­bach, auf der indi­vidu­ellen Form.

Welche Kam­er­aführung wird ver­wen­det, welche Schnitt­tech­nik? Den Blick für’s große Kino muss man schulen – dafür ist das Pro­gramm da!

Esther Rossen­bach

Um die Filme noch bess­er in den zeit­geschichtlichen Kon­text bet­ten zu kön­nen, wer­den pro Abend Ref­er­enten, Filmwis­senschaftler und –kri­tik­er ein­ge­laden. Ergänzende Infor­ma­tio­nen zu Regis­seuren und das Aufdeck­en von Span­nun­gen sollen helfen, dass die Filme mit größerem Gewinn geschaut wer­den.

Es soll nichts vor­weggenom­men wer­den. Die Ein­führun­gen sollen es dem Zuschauer leichter machen, in fremde Wel­ten und Zeit­en einzu­tauchen.

Sven von Reden, Filmkri­tik­er

FILMFORUM PROGRAM: VISCONTIS OPULENTES DRAMAROCCO UND SEINE BRÜDER

Der Film begin­nt: An diesem Abend soll Vis­con­tis opu­lentes Dra­ma „Roc­co und seine Brüder“ laufen. Nach den ersten Schwarz-Weiß-Auf­nah­men sind wir gefes­selt. Gut, Alain Delon hat sicher­lich seinen Teil dazu beige­tra­gen. Und trotz­dem: Unser Blick fühlt sich ein wenig geschärft an. Unser Ver­trauen, dass uns ein guter Film und keine Warum-eigentlich-nicht-Stream­ing-Wahl erwartet, wird erfüllt. Aus­suchen lassen – ein Luxus, dem wir uns im Film­fo­rum defin­i­tiv häu­figer hingeben wer­den.

AUF EINEN BLICK

Film­fo­rum, Bischof­s­garten­straße 1, 50667 Köln

Mehr zum Pro­gramm des Film­fo­rums
Muse­um Lud­wig
Film­s­tiftung