SC Fortuna Pokal

Als „echt kölsches Mäd­che“ ist es mir eine beson­dere Ehre beim Tra­di­tions-Club „SC For­tu­na Köln“ aktuell und hyper­lokal hin­ter die Kulis­sen zu blick­en.

Der Herzensverein SC Fortuna Köln

Das Fußball­fieber schlägt sofort bei mir ein, adren­a­linge­pusht ste­he ich am Spielfel­drand und erlebe das ein­satzbere­ite Spielver­hal­ten der Jungs mit, die kurz vor dem Saiso­nende und dem anste­hen­den Pokal­fi­nale nochmal alles geben. Geban­nt und nervös Rich­tung Spielfeld schauend, zit­tert auch manch ein­er der vie­len ehre­namtlichen Ord­ner mit. Alle­samt sind sie treue, langjährige Fans, meist Her­ren der älteren Riege, mit denen ich mich nach dem Spiel ganz selb­stver­ständlich (oder in ihrem Fall „wie immer“) am Vere­in­sheim tre­ffe und beim ein oder anderen Kölsch in lock­er­er Atmo­sphäre den alten und neuen „Verzällch­ern“ lausche, rund um das Spiel oder all­ge­mein zu ihrem „Herzensvere­in“ SC For­tu­na.

Ich lerne Dieter Gilges ken­nen, der als Opa ursprünglich den Wun­sch hat­te, irgend­wann seinen Enkel bei For­tu­na spie­len zu sehen. Daraus sei zwar nichts gewor­den, dafür sei aber er selb­st „geblieben“, sagt er lachend. Seit vie­len Jahren kommt er nun­mehr zu jedem Heim­spiel, neuerd­ings sieht er die Spiele sog­ar haut­nah vom Spielfel­drand in sein­er Funk­tion als Fan-Ord­ner, nach­dem er die zuge­hörige DFB-Prü­fung dazu absolvierte.

Der FC sei wie die Rolling Stones und der SC Fortuna wie die Beatles

Fröh­lich wird in der Menge ein weit­er­er vor dem Vere­in­sheim am Spielt­ag ein­trudel­nder Fan begrüßt. Man kenne sich hier bei For­tu­na! „Das ist Michael Schmidt, der kommt seit drei Jahren zu jedem Spiel von For­tu­na immer zig Stun­den aus Papen­burg angereist!“, werde ich aufgek­lärt. Seine Liebe und Treue zu For­tu­na erk­lärt er mir ganz sim­pel: „Jed­er hat seinen Vere­in! — Als ich damals mit der Jugend­abteilung meines Heimatvere­ins FC Papen­burg auf Mannschaft­s­tour gehen wollte, habe ich alle Köl­ner Vere­ine dazu angeschrieben. Nur ein­er, der SC For­tu­na, hat mir damals geant­wortet. Wir wur­den wie Fre­unde emp­fan­gen. Das vergesse ich nie!“

Schließlich tre­ffe ich auf echte „kölsche Promi­nenz“ vor dem Vere­in­sheim. Gerd Köster (Sänger kölsch­er Mundart) besucht eben­falls seit Jahren die For­tu­na-Spiele. Als Jugendlich­er (der E‑Jugend) erin­nert er sich noch gut daran, wie man früher schlichtweg mit ein­fachen Mit­teln zurecht­gekom­men sei. Im Blücher­park hät­ten schlichtweg Bäume und Gebüsch eine Spielfel­dum­gren­zung markiert und Böschun­gen habe man als eine Art Tribüne genutzt. „Aber … weg­jeputzt haben wir se damals, und wie!“, erin­nert er sich lachend an eine Begeg­nung beim Spiel. Als klein­er Junge habe ihn sein Vater dann zunächst mit zum 1. FC Köln genom­men. Er habe ein Spiel gese­hen, „ da wor et pas­set“ um ihn und seine Fußbal­l­liebe! – In Köln gehe es dur­chaus, Fan bei­der Köl­ner Tra­di­tion­s­man­nschaften zu sein, bemerkt er. „Der 1. FC Köln sei für ihn eben wie die ‘Rolling Stones‘“, meint er in einem anerken­nen­den Ver­gle­ich, „der SC For­tu­na allerd­ings gle­ich­wohl demzu­folge wie die ‘Bea­t­les’“!

Diese Selb­stver­ständlichkeit im Kon­takt, das Zusam­menge­hörigkeits- oder gar „Fam­i­lienge­fühl“, das man hier beim SC For­tu­na erlebt, ist ein­fach unbeschreib­lich. Völ­lig platt bin ich z.B. angesichts der Tat­sache, dass sich selb­st Uwe Koschi­nat, Chef­train­er und Sport­di­rek­tor des SC For­tu­na, direkt nach dem Spiel mit einem Teller Spaghet­ti in der Hand läs­sig auf die Bier­bänke vor dem Vere­in­sheim fall­en lässt, dabei selb­st kaum zum Essen kommt, weil er mit den Umsitzen­den bere­its fre­undlich Gedanken zum Spiel disku­tiert und ihre Mei­n­un­gen offen und ehrlich ent­ge­gen­nimmt. Die Umste­hen­den lachen über mein erstauntes Gesicht. „Dat ist nor­mal he!“, rufen sie mir zu.

Viel hat der SC For­tu­na seinem Train­er Uwe Koschi­nat, der Führungse­tage um Hanns-Jörg Wes­t­en­dorf und dem Investor und Geschäfts­führer Michael W. Schwet­je zu ver­danken.

Die Fans stehen immer zur Fortuna

2014 gelingt der glück­liche Auf­stieg des SC For­tu­na in die dritte Liga, damals entsch­ieden erst in der Nach­spielzeit eines unvergesslichen „Emo­tion­sspiels“ gegen Bay­ern München II. „Ich habe noch nie so viele Män­ner vor Glück weinen gese­hen!“, sagt Matthias Langer, der damals haut­nah als lei­den­schaftlich­er Fan dabei war. Auch heute set­zt sich der aus Siegen stam­mende, freiberu­flich­er Grafik­er ehre­namtlich für seinen Vere­in ein, indem er z.B. Plakate und Fah­nen entwirft und gestal­tet, die für den Vere­in wer­ben. Zum Studi­um sei er nach Köln und damit zugle­ich zu For­tu­na gekom­men, sagt er lachend.

Heute hat der Vere­in seine Posi­tion, expliz­it in der aktuellen Sai­son 2017/2018, der­maßen etabliert und gefes­tigt, dass man zulet­zt, bis vor eini­gen Spie­len, sog­ar vom Auf­stieg in die zweite Liga träu­men kon­nte, was greif­bar und dur­chaus mach­bar schien.

Ich habe noch nie so viele Män­ner vor Glück weinen gese­hen!“

Matthias Langer

Die Zeit des Absturzes in die Lan­desli­ga, von Geld­prob­le­men und Insol­venz, die für den Vere­in um die Jahrtausendwende prä­gend war, ist lange vor­bei. „For­tu­na müsste einen Sche­ich haben!“, meinte manch­er in der finanziellen Krise vor­mals lap­i­dar. Solche Aus­sagen macht­en Klaus Ulon­s­ka damals wütend. Er war ein Mann der Tat, wurde Präsi­dent des Vere­ins und scheute sich nicht, selb­st mit dem „Spenden­ball“ (Spar­dose zur Förderung der Vere­in­sju­gend) in der Kurve zu ste­hen. Er war aber noch viel mehr für den Vere­in, er war Seele und Ikone. Auch nach seinem Tod 2015 bleibt er unvergessen und spielt bis heute spür­bar eine wichtige Rolle für das „Vere­ins­ge­fühl“. Anek­doten um ihn höre ich vor dem Vere­in­sheim zahlre­iche. Sein Arbeit­stag habe z.B. so aus­ge­se­hen: Zuerst hätte er mor­gens die Gnadenkapelle der Schwarzen Mut­ter Gottes in der Kupfer­gasse besucht, danach sei er, üblich­er Weise, zur Bank gegan­gen, um einen aktuellen Kon­toauszug zu holen, anschließend dann ins Büro des SC For­tu­na zur Geschäft­sar­beit gekom­men.“ Solche Erin­nerun­gen zeigen ihn als Mann des Volkes, dessen Herz für den SC For­tu­na schlägt.

Die Vere­ins­grün­dung des SC For­tu­na (am 21. Feb­ru­ar 1948) vor mit­tler­weile über siebzig Jahren fand nur acht Tage nach Grün­dung des 1. FC Kölns statt. Seit­dem hat­ten bei­de Köl­ner Tra­di­tionsvere­ine eine vielfältige, bewe­gende Geschichte, die sich ab und an sog­ar kreuzte.

1973 gelang For­tu­na gar der Auf­stieg in die 1. Bun­desli­ga. Der größt­mögliche Traum verblasste aber lei­der schnell, der Abstieg fol­gte. In der zweit­en Bun­desli­ga bestand der Vere­in wiederum ganze 26 Jahre als feste Größe. Unvergessen­er Höhep­unkt in der Vere­ins­geschichte ist ins­beson­dere das bestrit­tene Pokal­fi­nale gegen den 1. FC Köln, welchem man 1983 mit 1:0, allerd­ings mit vorheriger Spielüber­legen­heit, nur äußerst knapp unter­lag.

Die treuen Fans sprechen sei­ther oft von den „Süd­stadtle­gen­den“ von damals. — Aber kom­men wir zurück zum hier und heute. Was ist heute für SC For­tu­na möglich? Die aktuelle Sai­son ist beson­ders erfol­gre­ich. Gut „eingeschla­gen“ hät­ten sie, meinen die Langzeit­beobachter. Bis auf Platz 5 hat­ten sich die Jungs in der Tabelle zeitweise bere­its hochgekämpft. Der Auf­stieg in die zweite Liga schien mach­bar.

Die Sai­son ist auch jet­zt noch nicht zu Ende, auch wenn der Verbleib in der drit­ten Liga nun doch wahrschein­lich ist, die Pokalspiele bleiben. „Wie geht man die an?“, möchte ich von André Fil­ipovic, dem Co-Train­er (seit 2015) von SC For­tu­na wis­sen. Die gesamte Sai­son über seien die Spiel­er fokussiert gewe­sen, hät­ten ein Ziel gehabt und seien als Team mit unwahrschein­lich­er Dynamik zusam­mengewach­sen. Nicht der Umfang des Train­ings, son­dern die Inten­sität sei aktuell hoch, die Ansprache der Spiel­er im Train­ing punk­tueller, schär­fer und mit indi­vidu­ellen Kor­rek­turen. Deut­lich erfahrungsre­ich­er gin­ge man damit aus dieser und in die näch­ste Sai­son.

Starke Jugendarbeit zahlt sich aus

Ein weit­eres Erfol­gsrezept sei die starke Jugen­dar­beit des SC For­tu­na. So hat­te beim Spiel gegen Preußen Mün­ster zulet­zt Ali Cey­lan aus der A‑Jugend einen über­raschen­den Spielein­satz und spielte von Anfang an durch. „Als ich neu war, kon­nte ich mit der ersten Mannschaft im Train­ing kon­di­tionell und in Punk­to Schnel­ligkeit kaum mithal­ten!“, meint er heute rück­blick­end, „aber ger­ade das Mitziehen durch die Mannschaft, die gegen­seit­ige Ori­en­tierung aneinan­der, hätte geholfen durchzuziehen und dazuzuler­nen“.
Äußerst ath­letisch ist auch Co-Train­er Fil­ipovic selb­st. „Ich nehme meine Rolle ernst“, meint er schlicht und fügt mit einem Grin­sen hinzu, „wenn man den Jungs ein Vor­bild sein will, darf man nicht selb­st ausse­hen wie eine Chip­stüte!“ Als Ath­letik­dozent weiß er, was er sagt: „Das Kraft­train­ing nutzen wir für die Mannschaft, um Ver­let­zun­gen vorzubeu­gen und diese heil durch die Sai­son kom­men zu lassen.“

Wenn man den Jungs ein Vor­bild sein will, darf man nicht selb­st ausse­hen wie eine Chip­stüte!“

Co-Train­er André Fil­ipovic

Das Abschluss­wort sei nun den Spiel­ern selb­st gegeben. So zum Beispiel tre­ffe ich Michael Kessel mit der Num­mer 7, Spitz­name „Kessi“, der bere­its seit 2011 für For­tu­na spielt und damit genau­so lang beim Vere­in ist, wie der Train­er Uwe Koschi­nat selb­st. Es sei ihm eine wirk­liche Ehre für For­tu­na zu spie­len, als „kölsche Jung“ aus Hol­wei­de kom­mend, schätze er das Fam­i­lienge­fühl bei For­tu­na beson­ders. Diese Sai­son habe „ein­fach alles gepasst“. Es seien gute Charak­tere gekom­men, die zu ein­er Mannschaft gewach­sen seien. Es hätte mit 3–4 guten Spie­len begonnen, dann lief es ein­fach. Warum es mit dem Auf­stieg nicht klappe, habe möglicher­weise viel­er­lei Gründe, man habe vielle­icht auch etwas „schleifen lassen“, nach­dem es zuvor so gut lief, meint er noch.

Auch Num­mer 4, Boné Uafer­ro, beze­ich­net For­tu­na als seine „Fam­i­lie“, ins­beson­dere, als er neu in der Mannschaft gewe­sen sei, aus Berlin kom­mend, hät­ten ihn alle mit offe­nen Armen emp­fan­gen. Zu den Auf­stiegschan­cen von For­tu­na habe er per­sön­lich lei­der gar nicht so viel beitra­gen kön­nen, meint er schmun­zel­nd, da er die let­zten sieben Monate unter ein­er Ver­let­zungspause litt. Beim näch­sten Spiel sei er aber nun hof­fentlich endlich wieder ein­set­zbar. Sein Wun­sch für die kom­mende Sai­son? Selb­stver­ständlich der Auf­stieg mit dem SC For­tu­na in die zweite Liga!

Ich füh­le mit der Mannschaft. Seit meinem Besuch bin ich, über­wältigt von so viel Offen­heit, Fre­undlichkeit und Engage­ment, längst eben­so vom For­tu­na-Virus infiziert. Mit WE ARE CITY möchte ich her­zlich dazu ein­laden, an den kom­menden Pokalspie­len des SC For­tu­na teilzunehmen und auch in der kom­menden Sai­son ein­fach mal wieder bei Spie­len des Vere­ins zuzuschauen und mitzu­fiebern.

AUF EINEN BLICK

Alle Infos zum Vere­in und den näch­sten Spie­len find­et ihr auf der Web­site des Vere­ins