Querbeat und Lina

Es ist ein wenig wie zu guten Fre­un­den nach Hause kom­men, als wir an diesem son­ni­gen 19. Okto­ber den Back­stage Bere­ich des Glo­ria in Köln betreten. Auf dem Gang kom­men uns büh­nen­bekan­nte Gesichter ent­ge­gen und grüßen uns ganz selb­stver­ständlich, weit­er hin­ten kommt lautes Lachen aus einem der Räume und irgend­wo spielt schon jemand Trompete. Wir wer­den hineinge­beten, Getränke wer­den gere­icht, die Jungs von Quer­beat strahlen und lachen.
Alle sind gut drauf, wenn auch noch nicht ganz fit, die let­zte Nacht war kurz.

Uns gegenüber sitzen Jojo, Andy, Car­los und Stephan von Quer­beat, vor ein­er Woche veröf­fentlichte die KölnBon­ner Brasspop-Band ihr neuestes Album „Ran­dale & Hur­ra“. Was sie zu diesem Zeit­punkt des Inter­views noch nicht wis­sen, das Album ist direkt auf Platz 7 der Charts eingestiegen. Das bleibt, wird man im näch­sten Post­ing der Band lesen kön­nen, ein bedeu­ten­der Moment für die Quer­beat Fam­i­lie, die umso dankbar­er ist.

Es ist also viel passiert in den let­zten Wochen für die 13 Jungs und Mädels von Quer­beat – die let­zten fünf Tage spielte die Band jeden Tag in ein­er anderen Loca­tion, von ganz klein bis zu Pal­la­di­um­größe mit 4.000 Gästen. Der große Konz­ertab­schluss ihrer World Tour wird im Glo­ria gefeiert, etwas klein­er, etwas intimer, aber eins ist sich­er: nicht weniger laut. Und mit jed­er Menge guter Fre­unde, die Band will etwas zurück­geben und Danke sagen für all die Unter­stützung in den let­zten Jahren.

Kurz vor diesem Konz­ert im Glo­ria dür­fen wir also die vier Jungs inter­viewen und ein wenig mehr über ihre Musik, das Konzertleben und ihre Lieblingskneipen erfahren.

Es ist viel passiert bei euch in der let­zten Woche, euer neues Album ist erschienen, ihr spielt fünf Konz­erte in fünf Tagen, heute Abend ste­ht das Abschlusskonz­ert an.

Wie geht es euch?

Jojo: Gestern war natür­lich ein krass­er Tag, heute haben wir deshalb den ‘Kat­er­al­bern’ Moment. Wir haben im Pal­la­di­um gespielt, mit 4.000 Leuten war es kom­plett voll und bis heute Abend wür­den wir sagen: Das war irgend­wie das geil­ste Konz­ert, das wir bis jet­zt spie­len durften. Bis in die aller­let­zte Rei­he haben die Leute mit­gemacht. Es war eine Euphorie, ein Strahlen, was uns so ent­ge­gen kam, das hat uns echt über den Abend getra­gen. Danach haben wir noch ein biss­chen gefeiert und heute Abend kommt dann das Finale Grande.

Wie sieht’s bei euch mit Konz­ert Rit­ualen aus?

Stephan: Direkt vor der Show tre­f­fen wir uns dann mit der ganzen Crew: unsere Quer­beat-Fam­i­lie im Hin­ter­grund und der Band, dann stellen wir uns alle in einen Kreis und trinken zusam­men eine Flasche Rum. Die muss leer sein, bevor wir auf die Bühne gehen. Da wir recht viele sind, ist die Flasche echt schnell leer, ohne dass sich da jemand voll­macht.

Jojo: Anson­sten sind wir halt auch ein­fach echt gerne früh vor Ort. Ler­nen den Laden ken­nen, nehmen die Atmo­sphäre auf. Das ist uns schon wichtig. Wir wollen nicht erst fünf Minuten vorher in eine Konz­erthalle und dann abge­het­zt auf die Bühne.

Ihr habt jet­zt unmit­tel­bar nach Veröf­fentlichung eures neuen Albums „ Ran­dale & Hur­ra“ direkt damit getourt – wie kommt das neue Album an, kön­nt ihr dazu schon etwas sagen?

Car­los: Im ver­gan­genen Jahr durften wir schon­mal im Pal­la­di­um spie­len und da waren wir schon unglaublich stolz. Das war schon richtig gut, aber jet­zt – gestern mit dem neuen Album im Gepäck, da waren die Leute wirk­lich kon­stant auf einem richtig guten Feier­lev­el. Die neuen Songs wur­den nicht weniger gefeiert, son­dern es war eine kon­stant gle­iche Stim­mung. Es hat uns schon sehr gut gefall­en, zu erleben, dass die Leute auch richtig Bock auf die neuen Songs haben.

Jojo: Ein paar Lieder, wie ‚Ran­dale & Hur­ra‘ oder ‚Romeo‘ haben wir auch schon auf den Fes­ti­vals im Som­mer gespielt. Die Leute ken­nen die Songs schon und das merkt man natür­lich. Aber den Rest des Albums müssen alle erst­mal ken­nen ler­nen und es sind ja auch ein paar neue Sounds dabei. Das Feed­back, das wir bis jet­zt gehört haben, ist super pos­i­tiv.

Wie geht es dann nach dem Finale Grande eur­er Tour für euch weit­er?

Jojo: Wir machen eine kleine Konz­ert­pause, aber sind natür­lich mit unserem neuen Album jet­zt auch erst­mal auf Pro­mo-Tour bei Radiosendern und im TV. Näch­ste Woche geht es dafür unter anderem nach Berlin. Und 2019 geht es dann wieder auf Tour, dann tat­säch­lich auch etwas über die Gren­zen hin­aus: Wir sind in Ams­ter­dam, Lux­em­burg, Zürich und Wien. Wie schon bei der let­zten Tour machen wir das wieder. Lon­don ist in Pla­nung.

Ihr habt es eben ange­sprochen: Es gibt ein paar neue Sounds auf dem Album – wie würdet ihr denn heute euren Musik­stil beschreiben?

Andy: Brasspop. Car­los hat dazu auch einen Wikipedia Beitrag angelegt. Erk­lär doch mal, was das ist.

Car­los: (lacht) Das ist ein Genre, das in den let­zten Jahren ent­standen ist. Zum Beispiel durch Bands aus den USA. Aber auch in Deutsch­land gibt es einige Bands, die das sehr geprägt haben. Let­z­tendlich ist es Pop­musik mit Blasin­stru­menten.

Jojo: Wir ver­suchen halt immer Blasin­stru­mente nicht so klas­sisch tra­di­tionell einzuset­zen, son­dern die Instru­mente eher Gen­reüber­greifend zu ver­wen­den. Wir spie­len zum Beispiel einen Gitar­ren­riff mit Posaunen oder einen Skretch mit ein­er Tuba. Das geht dann weg von dem nor­malen Brass Ursprung und so mehr in Rich­tung Pop­kul­tur. Dadurch wird die Musik den Leuten auch zugänglich­er. Das ist unser Anspruch dahin­ter: Wir wollen Musik gerne mit den Leuten gemein­sam erleben.

Was uns von WE ARE CITY auch immer sehr inter­essiert ist: Wie bleibt ein Kollek­tiv von 13 Musik­ern so lange zusam­men? Euch gibt es mit­tler­weile seit fast 18 Jahren, 2019 werdet ihr endlich volljährig, was hält euch zusam­men neben der Lei­den­schaft für Musik?
Was ist wichtig, um den Spir­it so lange am Leben zu hal­ten?

Stephan: Es ist immer noch der Grundgedanke von damals, dass wir eine Gruppe von Friends sind, die Bock hat, zusam­men Musik zu machen. Wir sind unglaublich dankbar dafür, dass wir das machen kön­nen. Wir kön­nen damit mit­tler­weile unseren Leben­sun­ter­halt bestre­it­en und haben den geil­sten Job der Welt. Und das alles auch noch mit unseren besten Fre­un­den.

Jojo: Wir ken­nen uns alle auch ein­fach schon ziem­lich lang, sind zusam­men aufgewach­sen.
Andy ist mein Brud­er, Car­los ken­nen wir seit der fün­ften Klasse und so geht es eben auch mit allen anderen. Andy und Stephan haben zusam­men studiert. Sodass über die Musik hin­aus unsere Verbindun­gen zueinan­der vorhan­den sind. Wir haben nie ein Cast­ing gemacht für die Band, son­dern wir saßen nebeneinan­der und haben über­legt ‘lass doch mal eine Band machen.’ Nach und nach sind wir dann gewach­sen. Mit der Zeit haben wir geschaut was noch fehlt und dann haben wir das Instru­ment eben noch gel­ernt oder Fre­unde gefun­den, die das kon­nten. Der Lenny zum Beispiel spielt jet­zt Tuba, obwohl er eigentlich Posaunist ist und mit Trompete ange­fan­gen hat. Jed­er hat Bock, sich und damit die Band weit­er zu entwick­eln.

Stephan: Das ist auch ein wichtiger Punkt, warum wir weit­er­ma­chen: Weil wir eben Bock haben weit­er zu machen.

Jojo: Wir wür­den ja lügen, wenn wir nicht sagen ‚ey wir wollen irgend­wann mal in Rio am Strand beim Pal­lousa Fes­ti­val spie­len‘ – klar kön­nten wir auch sagen, wir sind mit zwei großen Konz­erten in Köln im Jahr zufrieden. Aber dafür haben wir ja nicht ange­fan­gen. Wir wollen uns natür­lich weit­er­en­twick­eln und neue Erfahrun­gen sam­meln. Sollte man als Kün­stler auch und das ist schließlich das, was uns Bock macht und motiviert.

Wie geht ihr mit eurem Erfolg um, habt ihr einen Tipp um boden­ständig zu bleiben?

Andy: Wir sind ein­fach glück­lich, dass das alles so funk­tion­iert. Wis­sen aber auch, dass es eben nicht nor­mal und selb­stver­ständlich ist.

Stephan: Das wis­sen wir ein­fach zu schätzen.

Jojo: Wir sagen das immer auch ganz gerne auf der Bühne. Es ist halt wirk­lich so. Wir wis­sen noch, wie es war, als wir mit mehr Leuten auf der Bühne standen, als davor. Das ist echt kein Witz und das haben wir jahre­lang durchge­zo­gen. Leute von uns sind ins Aus­land gegan­gen, haben Eras­mus gemacht, die Band war jedes Mal kurz davor auseinan­der zu purzeln. Aber dann ging das alles immer irgend­wie wieder weit­er und dieser Spir­it, der steckt immer noch in uns. Von Grün­dung der Band 2001 sind immer noch acht Leute dabei und die anderen sind 2002 dazu gekom­men. Um uns herum hat sich alles verän­dert und wird krass­er. Aber wir sind immer noch wir und machen immer noch das, was wir immer gemacht haben: Musik.

Wir wollen natür­lich auch etwas über euch pri­vat erfahren. Welche Musik hört ihr denn per­sön­lich am lieb­sten, was prägt euch neben Musik­ern wie Gen­tle­man, mit dem ihr auch ger­ade einen Track raus­ge­bracht habt?

Jojo: Na bei uns vier ist es tat­säch­lich eher ähn­lich. Aber anson­sten ist natür­lich bei dreizehn Leuten der Vorteil, dass auch jed­er einen anderen Musikgeschmack hat und sein ganz eigenes Ding mit in die Gruppe bringt. Hier sitzen auf jeden Fall vier große Ärzte Fans. Das ist das, wom­it wir groß gewor­den sind. Fal­co hat Car­los auch sehr geprägt, das war so sein Ding. Aber anson­sten ist jed­er wieder unter­schiedlich. Andy legt ein biss­chen Elek­tromäßig auf und kom­poniert dazu, Stephan kommt ein biss­chen aus dem Jazz, Car­los hört auch Singer Song­writer Stuff. Das ist eigentlich schon eine geile Mis­chung.

Und zum Abschluss noch eure Lieblingskneipen in Köln? Was kön­nt ihr empfehlen?

Jojo: Wir sind totale Fans vom Club Bahn­hof Ehren­feld, weil die auch mutig sind, die geben auch Kün­stlern eine Chance, die noch unbekan­nt sind. Obwohl die wis­sen, dass sie da nicht alle Tick­ets verkaufen wer­den. Und man kann da gut trinken. Anson­sten wohnen viele von uns in der Süd­stadt. Wir gehen gern in die Lot­ta, das Schnör­res oder die Ham­mond Bar. Sind aber wie viele andere, immer unter­wegs.

Immer unter­wegs — Das ist ein schönes Ende. Her­zlichen Dank.

Als wir an diesem Abend das Glo­ria wieder ver­lassen, nach unserem Inter­view und dem World Tour Abschlusskonz­ert, sind wir schock­ver­liebt. So viel pos­i­tive Energie während des Inter­views, auf dem Konz­ert, beim Pub­likum und auf der Bühne, das war ein­fach ziem­lich per­fekt. Das Bleibt. Danke.

AUF EINEN BLICK

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