Drink doch ene mit Zettel an Leine

Häs de och kei Jeld, dat es janz ejal, drink doch met un küm­mer dich nit dröm“ sin­gen die Bläck Fööss im kölschen Klas­sik­er „Drink doch ene met“. Dass diese Men­tal­ität in Köln nicht nur während des Karnevals Gebot ist, son­dern auch im All­t­ag gilt, darauf set­zte eine Gruppe Stu­dentin­nen der Tech­nis­chen Hochschule Köln und riefen im Rah­men eines Unipro­jek­tes die Ini­tia­tive „Drink doch ene met“ ins Leben. Die Idee: Wer in einem Köl­ner Café einkehrt, kann zusät­zlich zum eige­nen Verzehr noch einen Kaf­fee oder ein Stück Kuchen für jeman­den mitkaufen, der sich einen solchen kleinen Luxus im All­t­ag nor­maler­weise nicht leis­ten kann.

Gutscheine für Bedürftige

An einem Don­ner­stagabend sitzen wir mit Lisa und Marisa im Carmeläd­chen zusam­men, einem von vier Cafés in der Köl­ner Süd­stadt, die das Pro­jekt seit seinen Anfän­gen vor ein paar Monat­en begleit­et haben. Auch die fre­undliche und engagierte Besitzerin des Cafés, Car­men, hat sich dazu gesellt. An der Wand neben unserem Tisch sind Notizzettel in Reih und Glied aufge­hangen. Darauf ste­hen Dinge wie „Gutschein für einen Milchkaf­fee“ oder „Für eine Tasse Kaf­fee und ein Stück Käsekuchen. Lass es dir schmeck­en!“

Bedürftige Men­schen kön­nen im Café vor­bei kom­men, suchen sich einen der Gutscheine an der Wand aus und lösen ihn bei Car­men an der Kasse ein. „Wir sind wirk­lich über­wältigt von der Res­o­nanz der Spender“, erzählt Marisa. Während von Anfang an viele Men­schen gerne bere­it waren, einen extra Kaf­fee oder ein Stück Kuchen mehr zu kaufen, um eine bedürftige Per­son zu unter­stützen, so waren es eher die Bedürfti­gen selb­st, die sich am Anfang nicht so recht traut­en, das Ange­bot in Anspruch zu nehmen.

Drink doch ene met“ — der Satz ste­ht im kölschen Grundge­setz. Für die Stu­dentin­nen repräsen­tiert er genau das, was Köln beson­ders macht.

Drink doch ene met war ein Uniprojekt

Wie kam es über­haupt zu der Idee hin­ter dem Pro­jekt? „Wir studieren alle Inter­na­tion­al Man­age­ment“, erzählt Lisa, „Wir soll­ten im Rah­men des Studi­ums ein Pro­jekt entwick­eln, mit dem man Men­schen helfen kann.“ Nach­dem sie von einem ähn­lichen Pro­jekt in Ital­ien erfahren hat­ten, hat­te sich die Idee zu „Drink doch ene met“ schnell in ihren Köpfen fest­ge­set­zt. Auch der Name war bald gefun­den.

Der Satz ste­ht ja auch im kölschen Grundge­setz, er ist ehrlich, her­zlich und drückt den Köl­ner Geist aus.”

Lisa

Dadurch, dass das Pro­jekt für die Uni gedacht war, musste die Gruppe ihr Konzept nicht nur betreuen, son­dern auch per­ma­nent überwachen, analysieren und über­ar­beit­en. So kon­nten kleine Hür­den schnell gemeis­tert wer­den — da war zum Beispiel die anfängliche Scheu der Cafébe­sitzer. Diesen erachteten die Inten­tion von „Drink doch ene met“ zwar als lobenswert, hat­ten aber Sorge, was für eine Klien­tel sich im Rah­men der Aktion möglicher­weise in ihren Läden ein­find­en würde. Da galt es, Überzeu­gungsar­beit zu leis­ten, viel organ­isatorischen Aufwand zu betreiben — doch das Ergeb­nis kann sich sehen lassen.

Car­men erzählt von ein­er alten Dame, die eines Tages ins Carmeläd­chen kam und schüchtern fragte, ob sie richtig ver­standen habe, dass weniger wohlhabende Men­schen hier einen Kaf­fee bekom­men kön­nten. Da saß sie dann, mit strahlen­dem Gesicht, nach­dem sie ihren Gutschein ein­gelöst hat­te und schaute, selig ihren Milchkaf­fee schlür­fend, dem Treiben auf der Bon­ner Straße zu. „Sie erzählte, dass sie das in ihrer Jugend mit ihren Fre­undin­nen immer gemacht habe, sich das jet­zt aber schon lange nicht mehr habe leis­ten kön­nen.“

Klar ist das alles sehr viel Arbeit, aber wenn wir dann solche Geschicht­en hören, dann wis­sen wir immer, warum sich all das so lohnt“, erzählt Marisa.

Das Projekt soll weiter bestehen

Mit dem Abschluss des Unipro­jek­tes entwick­elt sich „Drink doch ene met“ weit­er — Lisa und Marisa wollen die Aktion unbe­d­ingt weit­er­führen

Nun ste­ht „Drink doch ene met“ allerd­ings vor ein­er neuen Bewährungsphase, denn die Uni haben die Mit­glieder der Pro­jek­t­gruppe mit­tler­weile abgeschlossen und damit ist the­o­retisch auch das Pro­jekt zu Ende — doch während die einen sich jet­zt ganz auf ihre Zukun­ft­spläne konzen­tri­eren wollen, haben sich Lisa und Marisa dazu entsch­ieden, „Drink doch ene met“ weit­erzuführen. Auch wenn das mit nun, mit Vol­lzeitbeschäf­ti­gung, seine ganz eige­nen Her­aus­forderun­gen mit sich bringt.

Wir wür­den gerne ein einge­tra­gen­er Vere­in wer­den, noch mehr Cafés zum Mit­machen bewe­gen“, erzählt Marisa. „Außer­dem haben wir ger­ade begonnen, das Pro­jekt aus den Cafés rauszu­tra­gen, da wir uns bei Bewohn­ern von Senioren­heimen nicht sich­er waren, ob sie mobil genug sind, um auch zu den Cafés zu kom­men. Da haben wir dann in Koop­er­a­tion mit dem Senioren­heim Rosen­park ein Tre­f­fen bei Kaf­fee und Kuchen ver­anstal­tet.“ Sie luden auch ein paar Flüchtlinge ein, die sie durch andere Pro­jek­te kan­nten. „Wir fan­den es ein­fach toll, diese ver­schiede­nen Grup­pen, die ja in unser­er Gesellschaft manch­mal außen vor bleiben, zusam­men zu brin­gen.“ Nach­dem die erste Scheu über­wun­den war, war es ein großar­tiges Miteinan­der. „Ein solch­es Tre­f­fen find­et jet­zt jeden Monat statt.“

Die Inten­tion sei dieselbe wie bei der Ursprungsidee von „Drink doch ene met“. Marisa: „Es geht ein­fach darum, zusam­men zu kom­men und bei Kaf­fee und Kuchen das Leben zu genießen.“

Na, begeis­tert von der Arbeit der Mädels? Dann werde selb­st ein Teil von „Drink doch ene met“ und unter­stütze das Pro­jekt, damit es auch weit­er­hin pos­i­tive Kreise durch Köln zieht. Egal, ob du ein inter­essiert­er Cafébe­sitzer bist, etwas Zeit erübri­gen kannst, um bei der Organ­i­sa­tion zu helfen, oder vielle­icht sog­ar finanzielle Unter­stützung leis­ten möcht­est, z.B. für Wer­bung und Mar­ket­ing — Marisa und Lisa freuen sich riesig über die Hil­fe von Stadt­fre­un­den und Köln-Enthu­si­as­ten, die gemein­sam die kölsche Her­zlichkeit ver­bre­it­en wollen!

AUF EINEN BLICK

Drink doch ene met
Face­book-Seite
teil­nehmende Cafés sind
das Carmeläd­chen, die Caf­fe’Bar, das Café Ein­spän­ner, das Süd­gold und sabor ‘ermoso