Seilakrobat

Die Welt entschle­u­ni­gen, das Herz berühren – der Cirque Bouf­fon hat sich ein großes Ziel geset­zt in sein­er diesjähri­gen Show „Quilom­bo“. Schon mit dem Ein­tritt ins Vorzelt ver­lässt man ein Stück weit die Real­ität und tritt ein in „Quilom­bo“. So heißt die Show zum zehn jähri­gen Jubiläum des Cirque Bouf­fon. „Quilom­bo“ kommt aus den Ban­tu-Sprachen und hat ver­schiedene Bedeu­tun­gen: eine Zuflucht, ein Ver­steck? Auf jeden Fall ein Ort voller Magie und Geheimnisse.

Cirque Bouffon: Kein gewöhnlicher Zirkus

Der Weg führt den Zuschauer in die runde Manege des Zeltes. Es ist nicht groß und die Stüh­le ste­hen eng gedrängt bis an den vorder­sten Rand der Bühne, die sich in der Mitte ein paar Zen­time­ter vom Boden erhebt. Die absolute Mitte der Bühne und des Zelts bildet eine dicke schwarze Stange, welche zu den Seit­en fest­ges­pan­nt ist. An den vier Zelt­säulen wip­pen Gazellen-ähn­liche Artis­ten­fig­uren und leise Musik begleit­et die Men­schen, die ihren Platz noch nicht gefun­den haben.

Das Licht wird gedämmt, die Stim­men wer­den leis­er, die Show begin­nt. Über Laut­sprech­er kündigt eine Damen­stimme das diesjährige Ensem­ble an und im direk­ten Anschluss füllt sich die Bühne mit den vierzehn Artis­ten und der Raum wird von der wun­der­baren Live­musik von Sergej Sweschin­s­ki ein­genom­men.

Das der Cirque Bouf­fon anders arbeit­et als herkömm­liche Zirkusse wird dem Zuschauer von Anfang an klar. Jed­er Artist hat hier seinen ganz indi­vidu­ellen Charak­ter, der sich in Mimik und Kostüm äußert. Die Musik­er sitzen nicht als beglei­t­en­des Orch­ester an der Seite, son­dern ste­hen mit den Kör­perkün­stlern mit­ten in der Manege. Einige Gesichter sind für mich wie alte Bekan­nte, die ich ein Mal im Jahr zu Gesicht bekomme. Das erste Mal besuchte ich den Cirque Bouf­fon als er noch auf dem Gelände des heuti­gen Odonien in Ehren­feld spielte. Das Zelt war klein­er, die Bekan­ntheit noch nicht so groß und der Spielort weit ab vom Zen­trum. Ich erin­nere mich noch sehr gut an dem Abend, als ich Nataliya Nebrat das erste mit Hula-Hoopreifen spie­len sah und die Stimme von Anja Krips mich faszinierte. Heute — fast zehn Jahre später – hat der Zirkus seinen Bekan­ntheits­grad erweit­ert und gastiert direkt am Schoko­laden­mu­se­um und ver­schön­ert nun ein Mal im Jahr Kölns Rhein­ufer.

Auch dieses Mal habe ich schnell vergessen wo ich eigentlich bin und folge mit mein­er ganzen Aufmerk­samkeit fliegen­den Akro­bat­en, tanzen­den Jonglier­bällen und den ent­gleisenden Gesicht­saus­drück­en der Artis­ten­gesichter. Viel Witz wird hier phan­tasievoll abgelöst von Kraft und Ästhetik. Den große Rah­men bildet durchge­hend die Musik, welche nicht als beglei­t­ende Kom­po­nente einge­set­zt wird, son­dern auch immer wieder alleine im Raum ste­ht und ihrer­seits von den Artis­ten unter­stützt wird. Kör­p­er, Klang und Instru­menten bilden eine per­fek­te aus­bal­ancierte Har­monie, in der jedes Teil­stück die gle­iche Bedeu­tung erhält. Dies ist eine Beson­der­heit, die es nicht in vie­len Zirkusse gibt und den Cirque Bouf­fon seit Jahren aus­macht.

Show mit viel Witz und Komik

Dieses Jahr konzen­tri­ert sich die Show viel auf Witz und Komik. Allerd­ings nicht platt und alt bekan­nt, son­dern mit viel uner­wartetem Geschick und einem Humor, der die Men­schen abzu­holen scheint. Der Zuschauer ist hier nicht pas­siv­er Kon­sument, son­dern wird immer wieder in kleineren Spiel­ereien in das Geschehen mit ein­be­zo­gen. Zusät­zlich ver­stärkt die Nähe der Artis­ten zu den Zuschauer, durch den gerin­gen Abstand von Bühne und Tribüne, den Ein­druck eines famil­iären gesellschaftlichen Abends. Nicht jed­er erlebt den Moment allein und als Aziz Kuy­athe in der Mitte mit afrikanis­chem Gesang seine Trom­mel begleit­et, scheint als säßen alle beisam­men in einem kleinen Dorf irgend­wo in einem ganz anderen Land. Die Klänge der Trom­mel umschließt alles und jeden und das Lächeln in den Gesichtern der Artis­ten, über die völ­lige Freude des Moments, find­et sich auch bei vie­len Zuschauern wieder.

Die Artis­ten sind hier Kün­stler und nicht Darsteller. Sie ver­mit­teln Freude an dem was sie zeigen und kein­er gle­icht dem anderen. Hula Hoop, chi­ne­sis­ch­er Mast, Part­ner­akro­batik und vieles mehr erwartet den Zuschauer. Alles ver­bun­den durch viel Tanz und Komik und geheimnisvolle Klänge, die dich aus der Welt ent­führen.

Die Zeit entschle­u­ni­gen und das Herz berühren – sein Ziel hat Quilom­bo erre­icht. Die Men­schen ver­lassen das Zelt mit leuch­t­en­den Augen und einem entspan­nten Lächeln im Gesicht. Es geht zurück in die kalte Früh­lingsluft. Der Abend war eine kleine Pause zwis­chen dem Tag heute und dem Tag mor­gen, ein­mal kurz Luft holen. Lasst euch auch einen Abend ent­führen an einen geheimnisvollen Ort, an dem ihr für einen Moment alles um euch herum vergesst.

AUF EINEN BLICK

Ter­mine find­et ihr auf der Web­seite des Cirque Bouf­fon
Tick­ets gibt es bei Koel­ntick­et und an der Abend­kasse