Autorin Lina mit einem Sauerteigbrot in der Hand

Es ist ein Win­ter­abend, ger­ade 18 Uhr und schon stock­duster als ich in Nippes einen Park­platz finde. Ich steige aus, melde mich vom Auto ab und laufe die Straße hoch, biege um eine Ecke und ste­he vor der Bäck­erei Wiens in der Esch­er Straße. Kurz warte ich bis plöt­zlich Jen­nifer Braun vor mir ste­ht. Jen­nifer ist Fotografin, hat sich in den let­zten Jahren auf Food und Peo­ple Fotografie spezial­isiert und begleit­et mich heute Abend zur Bak­eNight in die Back­stube der Bäck­erei Wiens. Gemein­sam wur­den wir ein­ge­laden das Konzept der Bak­eNight in der Bäck­erei Wiens ken­nen zu ler­nen. Wir betreten die Bäck­erei und wer­den mit ein­er Urkölschen und her­zlichen Art und Weise begrüßt und nach hin­ten in die Back­stube geführt. Es bre­it­et sich ein warmes Gefühl von Gast­fre­und­schaft aus.

AUF DEM KURSPLAN AN DIESEM ABEND STEHT SAUERTEIGBROT BACKEN MIT HERBERT WIENS

Her­bert Wiens ist Bäck­er­meis­ter und führt seit 2014 die Bäck­erei Wiens. Als ich diesen Namen zum ersten Mal las hat­te ich direkt ein Bild von einem großen, älteren, etwas grim­mi­gen Mann, mit weißer Schürze im Kopf. Heute aber ste­ht ein junger Kerl vor uns, ger­ade 32 Jahre, fre­undlich lachend über­rascht mich Her­bert, ist er so gar nicht wie ich mir ihn vorgestellt hat­te. Er erzählt uns, dass es schon seit über 100 Jahren an dieser Stelle die Bäck­erei gibt. Als er vor eini­gen Jahren die Möglichkeit bekam die Bäck­erei zu übernehmen, über­legte er nicht lang und macht die Back­stube zu sein­er eige­nen. 

DAS BACKEN DES SAUERTEIGBROTS

An diesem Abend zur Bak­eNight ste­hen wir zu neunt in der Back­stube. Neun völ­lig unter­schiedliche Men­schen tre­f­fen hier aufeinan­der, doch verbindet uns das Back­en direkt und die erste Stille bei der Ankun­ft wird bald von net­tem Geplaud­er durch­drun­gen. Wir alle bekom­men schwarze Schürzen und lauschen dann den Erk­lärun­gen von Her­bert. Her­bert erläutert die ersten Schritte des Brot­back­ens, welche wir direkt in die Tat umset­zen. Aus Roggen- und Weizen­mehl, etwas Hefe, lauwar­men Wass­er, Salz und Ansatzgut kneten wir unseren eige­nen Sauerteig. So lange bis wir einen gle­ich­mäßi­gen Teig haben, welch­er sich gut zu einem Brot­laib for­men lässt. Wir leg­en behut­sam unsere Teigkugeln in Schalen und deck­en diese mit einen feucht­en Tuch ab. Denn bevor wir die Brote back­en kön­nen, muss der Teig etwa eine halbe Stunde gehen und die Hefe arbeit­en.

GEPLAUDER IN DER BACKSTUBE

Wir nutzen die Pause, waschen uns die Tei­greste von den Hän­den und Her­bert erzählt uns die Geschichte sein­er Back­stube und des Brot­back­ens. Wir ler­nen wie wir auch selb­st ein Ansatzgut erzeu­gen kön­nen. Reden über die ver­schiede­nen Arten des Brot Back­ens, denn nicht jedes Brot ist ein Sauerteig­brot und wir teilen unsere eige­nen Erfahrun­gen mit der Gruppe. Immer wieder schauen wir unter das Tuch und prüfen, ob unsere Teige auch aufge­hen. Nach etwa 35 Minuten sind wir zufrieden mit dem Ergeb­nis und dür­fen nun die Brote in den vorge­heizten Back­ofen brin­gen. Die Brote wer­den auf ein analoges Trans­port­band gelegt und in Grup­pen in den Back­ofen geschoben. Die Laibe wer­den mit Sprüh­nebel befeuchtet um eine beson­ders Krosse Kruste zu erhal­ten und back­en dann gut 40 Minuten im Ofen.

Da sitzt der Teig in der Ecke und geht vor sich hin.

Ein Teil­nehmer über den Teig und Geh­prozess

BROTTASTING IN DER BÄCKEREI WIENS

Die zweite Wartepause nutzen wir um eine Auswahl der hau­seige­nen Brote zu pro­bieren. Vom Baguette bis zum klas­sis­chen Wal­nuss­brot ist alles dabei. Brotscheiben wer­den per Hand abgeschnit­ten und zur Unter­stützung des Geschmacks gibt es etwas But­ter dazu. So ste­hen wir alle einen kurzen Moment später in der Back­stube mit Brot­stück­en in den Hän­den und lassen es uns schmeck­en. Es riecht im ganzen Raum nach frischem Broten und wir essen ganz still, fast ein biss­chen andächtig, unsere Brot­stücke. Unsere eige­nen Brote back­en noch ein paar Minuten, aber Her­berts Lei­den­schaft für dieses Handw­erk und unsere eige­nen Back­er­fahrun­gen an diesem Abend lässt uns dieses Brot ganz neu erfahren. Und es vielle­icht noch ein biss­chen bess­er schmeck­en. 

DER ABSCHLUSS DER BAKENIGHT

Jed­er darf nun sein Brot aus dem Ofen holen. So unter­schiedlich und doch alle­samt wun­der­schön liegen unsere Brote kurze Zeit später vor uns auf einem Git­ter zum Abkühlen. Geschafft, wir haben wirk­lich selb­st Sauerteig­brot geback­en und allein der Duft lässt unsere Herzen bere­its höher schla­gen. Es wer­den Papiertüten verteilt und stolz die eige­nen Brote eingepackt. Es liegt eine Seligkeit in der Luft, Grin­sende, stolze Gesichter strahlen um die Wette, die Nasen wer­den in die Brot­tüten gehal­ten und dann ver­lassen wir gemein­sam die Back­stube. Nach knapp zweiein­halb Stun­den zusam­men in der Back­stube wer­den Jack­en und Män­tel wieder ange­zo­gen und die ersten Teil­nehmer ver­ab­schieden sich. Jen­ni und ich ste­hen noch einen Moment zusam­men mit Her­bert und lassen den Abend kurz Revue geschehen. Schön war´s das Bäck­erei Handw­erk so zu erleben.

AUF EINEN BLICK

Bake Night Events Köln — Web­seite
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