modern art

Jedes Jahr aufs Neue beein­druckt mich stets das kun­stvolle Gesamter­leb­nis der ART.FAIR, der Messe für mod­erne und aktuelle Kun­st in Köln, die vom 27. Okto­ber bis zum 30. Okto­ber in den Köl­n­messe-Hallen 1 & 2 stat­tfind­et. Hier geht es um die Präsen­ta­tion junger und zeit­gemäßer Kun­st, ums Verkaufen und das Vorstellen von Kün­stlern durch die unter­schiedlichen, z.T. inter­na­tionalen Gale­rien, die die Teil­räume der Halle bzw. bei­de ihrer Stock­w­erke, gekon­nt bespie­len.

*Dieser Beitrag ent­stand in fre­undlich­er Koop­er­a­tion mit Mumm Sekt

Zum Inter­view bin ich mit dem finnis­chen Kün­stler Kuskaa Sak­si in der Mumm-Lounge im zweit­en Stock der Art.Fair verabre­det. Der Ort ist kein Zufall, da Kus­taa, der auf Deutsch Gus­tav hieße, zum heuti­gen Anlass ein Flaschen-Etikett für Mumm-Sekt designte, wobei das Motiv als Tape­ten-Hin­ter­grund in der gesamten Lounge aufge­grif­f­en wurde und von weit­eren Design­ern zudem als Anre­gung für diverse im Raum verteilte „Sit­zob­jek­te“ diente. Auf grau-schwarzen, schwungvoll-geometrischen Grund­for­men heben sich demgemäß weiße Kugeln ab, die die prick­el­nden „Bubbels“ des per­len­den Sek­ts repräsen­tieren. Diese verdicht­en sich ihrer­seits wieder in schein­bar zufäl­li­gen Ansamm­lun­gen an grü­nen Ranken bzw. Reb­stöck­en als ganze Trauben­bün­del, was natür­lich auf die Herkun­ft der Sek­t­gewin­nung bzw. das Ursprung­spro­dukt anspielt.

Zum Gespräch über die eigentlichen kün­st­lerischen Arbeit­en von Kuskaa lassen wir uns lachend und mit einem Gläschen Sekt in der Hand in die soft-weiche Rau­min­stal­la­tion eines über­großen Trauben­stranges fall­en, was eigentlich unter­sagt ist, aber zum Inter­view aus­nahm­sweise ges­tat­tet sei. Der Kün­stler ist mir allein durch diese Aktion sym­pa­thisch, genau­so frei und ungezwun­gen wün­scht er sich selb­st entsprechend den Umgang und die Kon­tak­tauf­nahme, z.B. durch Berührun­gen sein­er Kunst­werke, durch die Besuch­er. Er freue sich ger­adezu, dass seine Arbeit­en – überdi­men­sion­al große Wandtep­piche in „Jacquard“-Optik aus natür­lichen Mate­ri­alien wie Wolle und anderen Gar­nstruk­turen, knall­bunt gemixt mit met­allis­chen und z.T. gar phos­pho­risieren­den Fäden- eben diese, den Betra­chter zum „Berühren- wollen“ ani­mierende Wirkung hät­ten.

Als Grund für die zu sehende vielfältige „Farb­palette“ nen­nt er schmun­zel­nd den früher emp­fun­de­nen Licht­man­gel und die Tristesse karg­er Win­ter­land­schaften seines südfinnis­chen Heimat­dör­fchens, aus dem er stammt. Der in Folge ent­standene üppige Far­baus­druck sein­er Werke sollte bewusst einen kom­plet­ten Kon­trast bilden und dur­chaus an exo­tis­chen Urlaub­s­flair erin­nern. Seine „per­sön­liche Farb­palette“ habe sich dabei aber in den ver­gan­genen Jahren dur­chaus verän­dert und sei mit­tler­weile sog­ar eher schlichter gewor­den. Er wohne ja nun schon seit über 10 Jahren nicht mehr in Finn­land, son­dern aktuell z.B. im pulsieren­den Ams­ter­dam. Das zuvor beschriebene kün­st­lerische Gegengewicht als Aus­gle­ich sei nicht mehr nötig, sagt er und fügt schmun­zel­nd hinzu, dass er sich mit­tler­weile sog­ar ab und an wieder nach dem Gegen­teil, den natür­lichen und oft­mals ursprünglichen Natur­re­gio­nen sehne, um seine Seele baumeln zu lassen und zur Ruhe kom­men zu kön­nen. Um dies Naturempfind­en nachzustellen, gab es in der Ver­gan­gen­heit z.B. schon Hän­gun­gen und Instal­la­tio­nen sein­er Wandtep­piche inner­halb von Laub­wäldern, wo sie, anders als im gewohn­ten Umfeld von Gale­rien ganz neue und für den Kün­stler selb­st span­nende Wirkun­gen erzie­len kön­nen. Am lieb­sten präsen­tiere er seine Werke aber den­noch auf schlicht weißen, nüchter­nen Wän­den, damit sie ihre volle Strahl- und Wirkungskraft darauf ent­fal­ten kön­nten.

Bildquelle: www.hugoandmarie.com/artist/kustaa-saksi

Auch seine gewählten Bild-Motive sind, im weitesten Sinne, natür­lichen Ursprungs. Dargestellt sind Ele­mente aus Träu­men, die sämtlich aus realen Traum-Erleb­nis­sen ein­er um die 30-Jähri­gen Ver­wandten Kus­taas stam­men, welche unter ein­er krankhaften Form der Schlaf­störung lei­de und dadurch tat­säch­lich in jen­er für sie selb­st während des Traumes über­aus real­is­tisch wirk­enden Weise träume, die sie dem Kün­stler nach­her berichtet. Da sie ihm alles ganz frei und ungezwun­gen erzählt, gibt es in der Folge entsprechend pos­i­tiv-fan­tasievolle Träume sowie auch Alb­traum-Szenar­ien mit Spin­nen und Mon­stergestal­ten, die Kus­taa anschließend in den Wandtep­pichen auf­greift.

Die Gesamtkom­po­si­tion eines solchen „Tep­pich-Bildes“ übern­immt der Kün­stler dann selb­st. Er zeigt dem­nach let­ztlich nur seine Inter­pre­ta­tion des ursprünglichen Geschehens, was er z.T. zunächst auf einem Skizzen­block entwirft, sie aber in ihrer End­form und Zusam­menset­zung auf dem Com­put­er gestal­tet und anschließend in spezielle Web­maschi­nen ein­speist.
Durch die kün­st­lerische Inter­pre­ta­tion der vorge­fun­de­nen Träume selb­st sowie im Besuch­er-Kon­takt bei zahlre­ichen Ausstel­lun­gen, sollen gewollt und bewusst neue, eigene Traum-Wirkun­gen gefun­den wer­den, was Kus­taa beson­ders span­nend find­et.

Sein Tal­ent zum bildlichen Geschicht­en-Erzählen stammt bere­its aus früheren Jahren in denen er als Illus­tra­tor tätig war, wobei er sich in sein­er Darstel­lungsweise ins­beson­dere an Stil­rich­tun­gen der Epochen „Art Deco“ oder „Art Nou­veau“ ori­en­tiert und sich an psy­che­delis­che Muster von Vinyl-Plat­ten­cov­ern oder Plakat­en der 60er/70er- Jahre anlehnt.

Ungern erhebe ich mich schließlich aus den soft­en Kissen des „Trauben-Sitzmö­bels“ auf dem wir saßen. Ich ver­ab­schiede mich von dem äußerst sym­pa­this­chen und inter­es­san­ten Kün­stler und gebe mich beim weit­eren Durch­lauf durch die Hallen meinen eige­nen bun­ten Tagträu­men und den Impres­sio­nen des fröh­lichen Art.Fair-Geschehens hin.

Beim weit­eren Rundgang bewe­gen sich, links und rechts von mir, Kunst­werke vor­bei, dabei dur­chaus einige in Men­schengestalt. So fällt mir jedes Jahr aufs Neue bei meinem Art.Fair-Besuch auf, dass mich nicht nur der Blick auf die Bilder an den Wän­den oder die Instal­la­tio­nen der Kün­stler auf dem Boden der kleinen Gale­rien-Sep­a­rées fes­selt, son­dern es bleibt mein Blick eben­falls an dem ein oder anderen Besuch­er haften. Sie haben sich Gedanken gemacht und beson­dere Mühe gegeben, denke ich bei mir, in beson­der­er Weise z.B. ihre Haare aufgetürmt oder gar speziell gefärbt, tra­gen Hüte oder undefinier­bare aber in jedem Fall spek­takuläre Kopf­be­deck­un­gen, haben geometrisch- runde oder beson­ders kantige Brillen-For­men und weisen ins­ge­samt einen bun­ten Muster- und Farb­mix ihrer Klei­dung auf. Es gibt neon­far­ben-bestrumpfte Damen mit anson­sten hochgeschlosse­nen Kostü­men, Her­ren in auf­fäl­lig gemusterten Sakkos oder gar mit Capes, z.T. herrscht auch nüchternes Schwarz vor. Wie ich es liebe, diese freie und gelöste Stim­mung, in der sich ein jed­er gar ein biss­chen selb­st als Kün­stler fühlen oder dazu machen kann.

Als mein Blick wieder­holt an einem kleinen Grüp­pchen Besuch­er hän­gen­bleibt, die sich im Hal­bkreis ste­hend angeregt unter­hal­ten, ent­decke ich auch den Grund dazu. In ihrer Mitte ste­ht ein Kün­stler, der ger­ade live an einem sein­er Werke arbeit­et und damit beschäftigt ist, braunes, han­del­süblich­es Paket­band in Streifen zu Lagen zusam­men zu fügen. Diese klebt er auf einen speziellen Leuchtkas­ten übere­inan­der, sodass im Ganzen der Ein­druck eines drei­di­men­sion­al wirk­enden sepi­a­far­be­nen Bildes entste­ht, das Szenen mit Liebe­spaaren, Frauen­fig­uren, ein­er West­ern­szene oder ähn­lich­es in der Stil­rich­tung von 20er-Jahre-Fil­men zeigt. Geban­nt betra­chte ich mit den weit­eren Zuschauern, die fasziniert ste­henge­blieben sind, den Entste­hung­sprozess und komme mit dem Kün­stler Max Zorn ins Gespräch, der ursprünglich für sich gar nicht den Weg über eine studierte Kun­staus­bil­dung wählte, sich aber immer beson­ders für die Stree­tart-Szene inter­essierte und hierüber selb­st einen kun­st­prak­tis­chen Zugang für sich fand.

Impuls für seine Arbeit­en kam ihm durch sein per­sön­lich­es Bedauern, dass all die her­rlich-bunte Stree­tart-Kun­st unser­er Umwelt, bei Nacht betra­chtet, ihre Wirkung ver­liert und schlicht im Dunkel ver­schwindet. Max hat­te demge­genüber den Gedanken, eine entsprechende Kun­st­form für die Nacht zu find­en bzw. sie dor­thin zu über­tra­gen. Er exper­i­men­tierte dazu mit halb­trans­par­entem braunen Kle­be­band, welch­es er zunächst in geometrischen For­men ‑bei Tag- am Küchen­fen­ster instal­lierte und aus­pro­bierte. Fast organ­isch fand er in diesem Prozess für sich die Möglichkeit mit einem Skalpell weiche, runde For­men auszuschnei­den und durch Übere­inan­der-Kleben ins­ge­samt einen 3D-Effekt und eine spezielle Raumwirkung zu erzeu­gen.
In der Nacht brachte er seine hüb­schen Bilder in der Nach­folge an Straßen­later­nen an und führte sie damit auf die Straße als Wirkungsraum.

Motivisch möchte er die Men­schen durch aus­gewählte Szenen z.B. des „Film Noirs“ oder über­haupt der 20er-Jahre ansprechen, welche ihm selb­st beson­ders gut gefall­en. Immer han­delt es sich dabei um Szenen und Auss­chnitte, die berühren sollen.

Seine Farb­palette wurde im weit­eren Ver­lauf durch ein küh­les Trans­par­ent-Weiß, z.B. bei Wolken- oder Luft-Sim­u­la­tio­nen genutzt, um einen Ein­druck von Weite zu erzeu­gen, oder auch ein sattes Rot, welch­es Kleinigkeit­en und beson­dere Schmuck­stücke als Detail im Werk her­vorhebt. Wie er zu dieser Entwick­lung gekom­men sei, frage ich Max, der mir lächel­nd antwortet, dass man ihm ursprünglich schlicht ein­mal das falsche Farb­band geschickt hat­te, welch­es er in der Weise für sich nutzte. Selb­st die zeitweili­gen Knicke, die das dünne braune Band erzeugt und die ihn zunächst ärg­erten, hat er mit­tler­weile als pos­i­tiv­en Fakt zur weich-fließen­den Gestal­tung von Haaren und Klei­dern für sich gebraucht.

Nach dem mil­lio­nen­fachen Klicks eines Youtube-Videos zum Bild-Entste­hung­sprozess, welch­es er zunächst aus reinem Spaß ins Netz set­zte, entschloss er sich, diese Tätigkeit als Kun­st zu ver­bre­it­en, was ihm so gut gelang und was so viele Men­schen anspricht, dass er mit­tler­weile von Hongkong bis Ameri­ka, sprich weltweit, hier­mit unter­wegs ist.

Vol­lkom­men beein­druckt und kreativ angeregt durch die inten­siv­en Gespräche mit den zwei aus­gewählten Art.Fair-Künstlern, geflutet voll pos­i­tiv­er Stim­mung und dem her­rlich bun­ten Gesamtein­druck der Messe, schlen­dere ich glück­lich Rich­tung Aus­gang. Die Zeit ist im Nu ver­flo­gen, draußen wirken im Nachtwind und bei Ster­nen­him­mel die Ein­drücke in meinem Innern nach.

AUF EINEN BLICK

Dis­cov­ery Art Fair Cologne
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*Dieser Beitrag ent­stand in fre­undlich­er Koop­er­a­tion mit Mumm Sekt