Lederstücke an der Wand

Ein kleines, weißes Fah­nen­schild, das an einem Wohn­haus in ein­er Seit­en­straße mit­ten in Ehren­feld durch die Luft flat­tert, weist uns den Weg zur „Alten Led­erei Köln“. Julian Eck­es, der Grün­der des kreativ­en Werk­statt-Ate­liers, wird uns später erzählen, dass er das Schild, genau so wie fast alles andere in der „Alten Led­erei“, selb­st gemacht hat.

Individuelle Designobjekte in der Alten Lederei

Über den Hin­ter­hof betreten wir einen großen Raum, der das Herz von Bastlern und Handw­erken höher schla­gen lässt. Im hin­teren Teil ste­ht ein großer Werk­tisch vor ein­er lan­gen Wand voller Werkzeuge, von denen ich nur eine Hand­voll mit genauer Beze­ich­nung kenne. Ver­schiedene Hölz­er und aus­rang­ierte Fund­stücke mit Poten­zial ste­hen über­all dort, wo sie ger­ade Platz find­en. Hier ist der Ort, an dem Julian zusam­men mit seinen Work­shop-Teil­nehmern Regale, Lap­top-Hüllen aus Led­er oder kreative Desig­nob­jek­te aus Flaschen entste­hen lässt.

Die „Alte Led­erei Köln“ gibt es seit Sep­tem­ber 2016. Neben DIY-Work­shops find­en hier Team­build­ing-Events und Fir­men­meet­ings in kreativ­er Atmo­sphäre statt. Und gle­ichzeit­ig ist der Ort ein Stück Leben­sraum von Julian.

Ich bin sehr exper­i­men­tier­freudig und unkon­ven­tionell. Die Dinge, die ich brauche, stelle ich ein­fach selb­st her. Ich trenne nicht zwis­chen Arbeit und Freizeit. Ich habe immer nach einem Raum gesucht, der mir die Möglichkeit gibt, genau das mit anderen zu teilen.”

Julian Eck­es

Dass er so auf die Räume des ehe­ma­li­gen Fam­i­lien­be­triebes „Leder­bek­lei­dung und Leder­hand­schuhe Franz Jos. Müller“ stieß, war ein echter Glücks­griff. In den 70er Jahren war das heutige Werk­statt-Ate­lier Teil der Pro­duk­tion­sstätte für Leder­bek­lei­dun­gen aller Art und diente später als Zen­trale des Betriebes. Bis heute bleiben dem Raum einige Schätze aus alten Pro­duk­tion­szeit­en erhal­ten, die Julian in den Umbau inte­gri­erte und damit den Charme der indus­triellen Nutzung beibehält. So schmück­en alte Zuschnitt-Sch­ablo­nen und Maßta­bellen die Wände und auch die mech­a­nis­che Näh­mas­chine wird wieder regelmäßig gebraucht — entwed­er von den Work­shop-Teil­nehmern oder eben von Julian. Der näht sich näm­lich kurz­er­hand auch mal seine Klei­dung selb­st.

Kreativer Ausgleich zum Alltag

Woher kann der Mann das eigentlich alles? „Zum größten Teil habe ich das von meinem Vater gel­ernt. Wir haben schon früh Dinge zusam­men gebaut. Vieles habe ich mir später ein­fach selb­st beige­bracht.“, erzählt er. Darunter fiel nicht nur das Handw­erken mit ver­schiede­nen Werk­stof­fen. Auch das Pro­gram­mieren und Desig­nen von dig­i­tal­en Pro­duk­ten hat er sich selb­st angeeignet und damit lange Zeit sein Geld ver­di­ent.

Deshalb ist es mir beson­ders wichtig, die Alte Led­erei als einen Ort des analo­gen Aus­gle­ichs zu unserem dig­i­tal­en All­t­ag zu ver­ste­hen — für mich und für alle, die Lust auf eine ‚Real-Life Expe­ri­ence‘ haben.”

Julian Eck­es

Kurz bevor wir den Ort des kreativ­en Schaf­fens wieder ver­lassen, fällt uns noch ein robuster, naturbe­lassen­er Holzs­tuhl auf, der vor allem durch sein inter­es­santes Design ins Auge fällt. Ob Julian den auch sel­ber gebaut habe, fra­gen wir. „Ja, das ist ein Pro­to­typ für meine näch­sten DIY-Work­shops. In Zukun­ft möchte ich gerne auch den Bau größer­er Möbel­stücke anbi­eten, wie Stüh­le, Höck­er oder Nacht­tis­che. Aber erst mal pro­biere ich die Kon­struk­tion natür­lich sel­ber aus“, schmun­zelt er.    

AUF EINEN BLICK

Alte Led­erei, Piusstraße 5, Ehren­feld
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