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11 Tips für Karneval in Köln

Am 20.02.2020 ist Weiber­fast­nacht. Ab dann übernehmen eine Woche die Jeck­en die Stadt. Es ist Karneval in Köln! Hier sind elf Tipps für Anfänger, um ordentlich zu feiern, ein paar weise Worte von Kneipen­wirt Kaj Schultz aus dem Gasthaus zum Jan und in Guide mit 11 Kneipen, in denen wir Karneval feiern wür­den. Auch gut für alte Jeck­en. Alaaf!

Dieser Beitrag ent­stand in fre­undlich­er Koop­er­a­tion mit Gaffel Kölsch.

Die Zahl elf ist die jeck­este Zahl in Köln und fast schon heilig: Ob es um die elf Jungfrauen geht, die auch auf dem Stadt­wap­pen verewigt sind, das Köl­nisch Wass­er 4711 oder der elfte im elften: Die elf gehört ein­fach dazu, nicht nur am Karneval in Köln. Deshalb kom­men hier von uns für euch 11 hand­feste Tipps, ein paar weise Worte des Wirts Kaj Schultz und ein Kneipen­guide für den Karneval oder wie wir Köl­ner sagen: Fastelovend.

A wie Alaaf: wir sind in Köln und nicht in Düs­sel­dorf oder Mainz, deshalb gilt hier: I want to make alaaf with you. Wer “Helau” ruft, ist raus. Ohne wenn und aber.

K wie Kamelle: Kamelle wer­den beim Zoch geschmis­sen und sind für die Kinder. Also stell dich nicht vor unsere Kleinen. Dafür dür­fen die erwach­se­nen Kölsche Mädels und Jungs wie wild Strüß­je und Bütz­je sam­meln.

B wie Bützen: Gebützt wird auf den Mund, aber ohne Zunge! Und auch nur wenn man sich ken­nt. Oder schön find­et. Oder im Tausch gegen nen Strüß­je. Oder wenn man betrunk­en ist.

N wie Nubbel: In jed­er guten alten Kneipe hängt ein Nubbel über der Tür. Das ist eine Stro­hfig­ur, die das wilde Treiben der Karneval­stage genauestens beobachtet. Am Dien­stag nach Rosen­mon­tag, Veilchen­di­en­stag, wird der Nubbel feier­lich ver­bran­nt. Und mit ihm all die Karnevalssün­den, die er in den let­zten Karneval­sta­gen beobachtet hat.

R wie Rosen­mon­tag: Der höch­ste aller Karneval­stage. Wird mit einem riesi­gen Zoch gefeiert, der ein­mal quer durch die Stadt läuft. Der Zug ist mit­tler­weile länger als sein Weg. Kluge Karneval­is­ten heben sich auf jeden Fall Energie für diesen Tag auf. Hier find­est du drei Gründe, warum man den Rosen­mon­tagszug min­destens ein­mal im Leben sehen sollte.

K wie Kostüm: Brauchst du. Und wenn du es richtig machen willst, dann googelst du Trend­kostüme des jew­eili­gen Jahres. Nur um zu wis­sen, als was du NICHT gehst. Kein Köl­ner über 20 wird ern­sthaft SWAT / sexy Kätzchen / sexy Biene / Arzt / nur Blau­mann. Im Zweifels­fall machst du alles richtig, wenn du ein­fach als rot / weiße Per­son­ifizierung gehst.

S wie Sitzung: Eine Sitzung ist kein Meet­ing und hat nix mit arbeit­en zu tun. Nicht wun­dern wenn die Kol­le­gen andauernd davon sprechen wann und wo sie auf die näch­ste Sitzung gehen — Die gehen saufen. JA auch schon Wochen, sog­ar Monate vor der „eigentlichen“ Karnevalswoche find­en ganz viele jecke Ver­anstal­tun­gen statt.

S wie Stippe­fott: Das ist ein Po an Po Tanz — und keine Ein­ladung, von hin­ten wie in einem Club ange­tanzt zu wer­den. Ganz schlecht.

K wie Kölsch und M wie Mett: An Karneval erset­zt das Kölsch auch mal den Kaf­fee. Ja — man kann „so früh“ Bier trinken. Und Met­tbrötchen wer­den zur Früh­stücks­mahlzeit der Woche. Abends wird der Tag mit einem Dön­er gekürt.

V wie Veedel­skarneval: Wer nicht nur auf Touris tre­f­fen möchte und keine Lust auf Baller­man­feel­ing hat, der mei­det die Zülpich­er Straße, Heumarkt und Fis­chmarkt und schaut in den Veedeln vor­bei. Hier feiern die Köl­ner und nehmen euch sicher­lich gerne auf. Welche Kneipen wir euch dafür ans Herz leg­en, seht ihr weit­er unten in unserem Guide.

T wie Textsich­er und Trinken: Krasse Kom­bi­na­tion wie du merken wirst. Je mehr du trinkst, desto textsicher­er wirst du wer­den. Ver­sprochen! Trotz­dem leg­en wir dir das Stütz- oder Zwis­chen­wass­er ans Herz: Wenn du lange durch­hal­ten willst, halt dich an die 3:1 Faus­tregel. Drei Kölsch, ein Wass­er. 

KARNVEVAL IN KÖLN. ABER RICHTIG!

Im Veedel­skarneval passen die Leute mehr aufeinan­der auf.

Kaj Schultz, Kneipen­in­hab­er

Wenn ein­er weiß, was Karneval in den Köl­ner Kneipen abge­ht, dann er: Gas­tronom Kaj Schultz. Er ist Geschäfts­führer im Polit-Kult-Lokal “Die Ex-Vertre­tung” am Fis­chmarkt und gle­ichzeit­ig Inhab­er vom “Gasthaus zum Jan”, einem kleinen Brauhaus im Herzen der Stadt. Die Tra­di­tion­s­gast­stätte ist außer­dem Wohnz­im­mer vom Reit­erko­rps Jan von Werth e.V. Kaj hat den besten Ver­gle­ich zwis­chen Kneipenkarneval im Veedel und Massenkarneval am Heumarkt.

Blickst du mit Vor­freude oder Bauch­schmerzen auf den Höhep­unkt des Karneval?
Es ist eine Mis­chung aus bei­dem. Als Gas­tronom freut man sich natür­lich auf diese Zeit, weil es einen großen Bestandteil des Jahre­sum­satz aus­macht. Es wird aber auch hart. Ich hoffe ein­fach, das alles funk­tion­ieren wird: Die Tech­nik darf nicht kaputt gehen, die Getränke sollen reichen und wenn sie nicht reichen, ist der Getränkenot­di­enst hof­fentlich schnell da. Bitte auch keine Schlägereien! Damit haben wir im Veedel weniger ein Prob­lem. Im Veedel­skarneval passen die Leute mehr aufeinan­der auf. In der Alt­stadt sieht das ganz anders aus. Bei den Men­schen­massen gibt es viel mehr Rei­bungspunk­te.

Hat sich bei den Feiern­den in den let­zten Jahren etwas verän­dert?
Grund­sät­zlich hat sich in unser­er Gesellschaft ganz viel verän­dert und das schlägt sich auch auf die Feierkul­tur aus. Ich habe das Gefühl, der Respekt vor anderen Men­schen oder deren Eigen­tum ist ver­loren gegan­gen. Ob das vor zehn Jahren schon so war, kann ich aber nicht sagen.

Karneval in Köln

Woran erkennst du Karneval­san­fänger?
Das sind die, die schon um 11 Uhr besof­fen bei mir vor dem Laden ste­hen. Und das sind in der Regel Touris. Die bech­ern schon auf der Zug­fahrt nach Köln, obwohl sie das lieber lassen soll­ten.

Welch­es Ver­hal­ten wün­schst du dir in den Kneipen?
Es mag naiv klin­gen, aber ich würde mich wün­schen, dass man the­o­retisch gar keine Türste­her braucht. Dass es nur darum geht, miteinan­der Spaß zu haben, zusam­men zu sin­gen und schun­keln. Let­ztes Woch­enende hat­te ich die Abschlussver­anstal­tung von Loss mer Singe in der Ex-Vertre­tung. Das ist sozusagen die Gen­er­al­probe für Karneval. Ich hat­te neue Türste­her und sagte zu ihnen: ‘Passt mal auf, das heute ist nicht zu ver­gle­ichen mit Karneval. Die, die heute herkom­men, wollen ein­fach einen tollen Abend haben. Euren bösen Blick braucht ihr nicht auf­set­zen, den Respekt müsst ihr euch nicht erar­beit­en. So ein tolles Pub­likum habt ihr das ganze Jahr über nicht an Karneval.’ Und das ist möglich! Bei dieser Ver­anstal­tung trinken die Leute auch viel, sehr viel sog­ar. Trotz­dem gibt es keine Schub­serei oder Schlägerei. Das wün­sche ich mir für den Karneval. In den Veedeln find­et man das auch. Wenn da ein­er total voll ist, küm­mern sich die anderen Leute um den. In der Alt­stadt passiert es, dass ein­er aus ein­er Fün­fer­gruppe hack­en­stramm in der Ecke liegt. Und die anderen vier inter­essieren sich nicht dafür, weil sie Angst haben, zuviel von der Par­ty zu ver­passen. Geht man hier nachts nach Hause, hört man Gegröle, Beschimp­fun­gen und erlebt eine stres­sige Stim­mung. Fahr mal nachts durchs Agnesvier­tel, Vingst, Nippes, wo auch immer. Du kommst an ein­er Kneipe vor­bei und auch hier ist was los. Aber es ist eine kom­plett andere Geräuschkulisse. Es läuft tra­di­tionelle Karnevalsmusik, keine Baller­mann-Hits. Die Leute ste­hen draußen und unter­hal­ten, drin­nen wird geschun­kelt. Es ist eine ganz andere Grund­stim­mung. Klar wird auch da mal ein­er unan­genehm. Aber es wird nie so schlimm wie in der Alt­stadt, wo man erzieherisch tätig wer­den muss.

Was war dein schlimm­stes Erleb­nis an Karneval?
Das war Weiber­fast­nacht vor zwei Jahren. Da hat­ten wir in der Ex-Vertre­tung mor­gens einen Rohrbruch. Der ganze Keller stand unter Wass­er, mein Gemüsekeller war kon­t­a­miniert mit Fäkalwass­er. Warum? Weil irgen­dein Idiot im Hotel nebe­nan seine Unter­hose das Klo run­terge­spült und die das Rohr ver­stopft hat. Da mussten wir eine Fir­ma find­en, die an Weiber­fast­nacht bere­it ist, in die Alt­stadt zu kom­men. Was ja auch bedeutet, dass das ganze Werkzeug in die Alt­stadt getra­gen wer­den musste, mit einem Auto kommt man dann nicht mehr rein. Das war mit Abstand das schlimm­ste. Das gle­iche hat­ten wir dann ein Jahr später fre­itags mit ner Perücke, die das Klo run­terge­spült wurde.

Feiert ihr selb­st im Team?
Meine Mitar­beit­er ja, da sind viele karneval­saffine Leute dabei. Ich selb­st nicht, es ist ein­fach zu viel Ver­ant­wor­tung. Dieses Jahr Dien­stag haben wir zu. Wenn ich Mon­tag noch fit bin, werde ich vielle­icht auch ein biss­chen feiern. Das hängt aber davon ab, wie die Karneval­stage vorher gelaufen sind.

Ein Tipp von dir für Leute, die zum ersten mal feiern?
Mor­gens gut früh­stück­en, eine Basis ist wichtig. Keine Druck­be­tankung machen, der Tag ist lang. Zwis­chen­durch Wass­er trinken, min­destens die gle­iche Menge, wie man an Alko­hol trinkt. Dann wieder daran denken, etwas zu essen. Für die Män­ner: Nicht jedes Lächeln und jedes Bützchen ist eine Auf­forderung, in die Vollen zu gehen. Für die Frauen: Seid vor­sichtig und reizt es nicht aus. Vor allem mit Alko­hol, son­st gibt es am näch­sten Mor­gen noch mehr wie Kopf­schmerzen.

Kaj Schultz ist Inhab­er vom Gasthaus zum Jan Nähe Neu­markt

AUF EINEN BLICK

GUTE KARNEVALSKNEIPEN

So, nun seid ihr eigentlich bestens für die jeck­en Höhep­unk­t­stage gewapp­net. Fehlen euch nur noch die richti­gen Kneipen, um zu schun­keln, sin­gen und Spaß zu haben. Deshalb hier unser Karnevals Kneipen­guide für euch:

1. Gasthaus zum Jan 
Thiebolds­gasse 137
50676 Köln

2. Joode Lade 
Lin­den­strasse 62
50674 Köln

3. Krautis
Merowinger­straße 65
50677 Köln

4. Neppeser Gaffel­stube 
Neuss­er Straße 340
50733 Köln

5. Kölschbar 
Lin­den­straße 56
50674 Köln

6. Lot­ta 
Kartäuser­wall 1
50678 Köln

7. Em Ringströß­je 
Alter Mil­itär­ring 13
50933 Köln

8. Man­nis Räs­torang
Kyffhäuser­straße 18
50674 Köln

9. Chlod­wig Eck
Annos­traße 1
50678 Köln

10. Gaffel am Dom 
Bahn­hofsvor­platz 1
50667 Köln

11. Back­es
Darm­städter Straße 6
50678  Köln


2 Comments
  1. Sonja

    15. Februar 2020 13:41

    Heißer Tipp: Auf den Mund zu bützen ist unüblich — man gibt sich ein Küss­chen auf die Wange.

    • Charlotte Ebert

      19. Februar 2020 16:59

      Haup­sache die Lip­pen sind geschürzt und es ist Aus­druck karneval­is­tis­ch­er Freude ;)

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